Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Verlust von Straßenbäumen im Kreis dramatisch
Region Markkleeberg Verlust von Straßenbäumen im Kreis dramatisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 19.10.2017
In der Elsteraue prägten früher Obstbaumalleen das Straßenbild. Heute sind sie, wie hier zwischen Großdalzig und Zitzschen, weitgehend verschwunden. Quelle: Andre Kempner
Markkleeberg

Seit Jahren verringert sich der Baumbestand an Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis Leipzig. Fast 5500 Straßenbäume und damit mehr als jeder fünfte wurde zwischen 2010 und 2016 gefällt, allein im vergangenen Jahr 541. Aber nur 20 Prozent wurden ersetzt. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage von Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Er fordert jetzt: „Die Fällungen müssen vollständig ersetzt werden.“

Laut Günther sind von den 24 754 Bäumen, die noch 2010 an Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis standen, 5454 Bäume bis Ende 2016 beseitigt worden. „Mehr als 22 Prozent des Bestandes wurden in nur sieben Jahren Opfer der Säge“, sagt Günther. Nachgepflanzt worden seien im gleichen Zeitraum nur 1794 Bäume, knapp 33 Prozent. „Das reicht nicht“, kritisiert Günther. Der Landkreis Leipzig belege damit im Vergleich der sächsischen Kreise den viertschlechtesten Platz. Im Freistaat würden im Durchschnitt 41 Prozent der Bäume ersetzt.

Es werde zu schnell gefällt, meint Günther. Bäume würden als Hindernis bei Baumaßnahmen und aus Gründen der Verkehrssicherung beseitigt, aber auch durch maschinelles Mähen, landwirtschaftliche Arbeiten sowie massiven Streusalzeinsatz verletzt. „Der von uns geforderte Ausgleich für die Verluste wird nicht annähernd erreicht. Selbst von der Minimalforderung, die Zahl der Straßenbäume gleich zu halten, ist man meilenweit entfernt“, so Günther. Damit nur annähernd ein Ausgleich erreicht werde, müsse bei Neupflanzungen wenigstens ein Verhältnis 1 zu 3 angestrebt werden.

Dem stehe in Sachsen die restriktive Anwendung der Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen (RPS) von 2009 entgegen. Diese sieht bei Straßen ohne Höchstgeschwindigkeit einen Mindestabstand für Neupflanzungen von 7,50 Meter zum Fahrbahnrand vor. Das Problem: Das Land gehört meist Privaten, der Zukauf ist schwierig. „Es besteht eine hohe Diskrepanz zwischen den von Gutachtern ermittelten Bodenpreisen und denen, die zur Zeit am freien Markt erzielt werden können“, sagt Günther. Die Richtlinie sei aber kein Gesetz, sondern eine Empfehlung. Mit Leitplanken könne der Abstand auf drei Meter reduziert werden. Außerdem müsse die Richtlinie dringend überarbeitet werden.

„Die Grünen bilanzieren nur Straßenbäume, die an Ort und Stelle als Ersatz gepflanzt werden. Ein realistisches Bild über die Umweltbilanz ergibt sich erst, wenn auch die Ausgleichsmaßnahmen abseits der Straßenränder berücksichtigt werden“, sagt Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Für Unterhalt und Verkehrssicherung sei ohnehin der Landkreis zuständig.

Im Landratsamt Borna betont Sprecherin Brigitte Laux: „Die Daten der Grünen beziehen sich auf Bäume auf landeseigenen Grundstücken.“ Dass im Bereich der Straßenunterhaltung Bäume gefällt werden müssen, sei aber keine Seltenheit. Meist liege eine Gefährdung vor. „Die Straßenmeistereien füllen die Lücken auf, sofern keine Baumaßnahme geplant ist“, sagt sie. Bei großen Bauprojekten seien Ersatzpflanzungen gleich eingepreist, aufgrund der Rahmenbedingungen oft an anderer Stelle. „Im Ergebnis wird der ökologische Ausgleich gewahrt, ist für die Bürger aber nicht unmittelbar erkennbar“, so Laux.

Von Ulrike Witt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Großdalziger Kirche schweigt. Die alten Eisenhartgussglocken von 1958 wurden jetzt ausgebaut. Am 1. Advent sollen die drei neuen, in Karlsruhe gegossenen Bronzeglocken geweiht werden. Vorher wird noch der Glockenstuhl ausgetauscht.

19.10.2017

Im Rudolf-Hildebrand-Gymnasium freuen sich Schulleiter Ditmar Apel, Geschichtslehrer Dr. Carsten Müller und die 25 Mitglieder der AG Spurensuche riesig über den sächsischen Bürgerpreis 2017. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Montagabend in der Dresdner Frauenkirche übergeben.

19.10.2017

Autofahrer aufgepasst: Kurz hinterm Ortseingang Großpösna aus Richtung Grimma kommend wird derzeit auf der S 38 (Grimmaische Straße) ein Blitzer aufgebaut.

18.10.2017