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„Viel Interessantes vor der Haustür“

„Viel Interessantes vor der Haustür“

Zum 19. Mal wurde gestern bundesweit der Tag des offenen Denkmals gefeiert. Wie in den Vorjahren zog es auch in unserer Region Hunderte von Menschen in geschichtsträchtige Herrenhäuser, Schlösser und Kirchen.

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Zum ersten Mal können sich Besucher im großen Saal des künftigen Bürger- und Vereinshauses in Gaschwitz umschauen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg/Zwenkau. Die LVZ war unterwegs und hat sich im Rittergut Gaschwitz, in der evangelischen Kirche Großstädteln und im Sattelhof Zwenkau umgeschaut.

„Man muss gar nicht in die Ferne schweifen, es gibt so viel Interessantes vor der Haustür“, sagte der Böhlener Thomas Apelt. Mit seiner Frau Susann schloss er sich im Rittergut Gaschwitz einer von drei Führungen an. „Wir müssen Geschichte bewahren und uns trotzdem den heutigen Anforderungen stellen“, erklärte Architektin Christiane Domke den Spagat, den die Planer beim Umbau der alten Orangerie zum Bürger- und Vereinshaus bewältigen müssen. Eigentlich sollte die 1,5 Millionen Euro teure Sanierung des zwischen 1736 und 1769 erbauten Komplexes aus Torhaus und Orangerie längst abgeschlossen sein. „Wie überall in der Bundesrepublik haben auch wir mit einem Kapazitätsproblem zu kämpfen“, so Domke. Durch das Konjunkturpaket hätten gute Baufirmen so viele Parallelaufträge, dass die Zeiten nicht eingehalten werden können, erläuterte sie. Indes – zum Jahresende soll es endlich geschafft sein. „Zurzeit sind die Putzer und Trockenbauer ganz aktiv. In den nächsten 14 Tagen können dann schrittweise die Boden- und Fliesenleger sowie die Maler in das Gebäude“, so Domke. Mathias Berthold aus Großdeuben meinte anerkennend: „Hier hat sich ganz schön was getan. Vor zwei Jahren war die Orangerie noch eine Ruine.“

Dem Motto des diesjährigen Denkmalstages „Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert“ kamen die Veranstalter in Großstädteln näher. Einerseits, weil das Gotteshaus 1880 im Stil der Neogotik vom Leipziger Kirchenbaumeister Hugo Altendorff errichtet wurde, andererseits, weil die Glasfenster in ihrer modernen Interpretation der biblischen Geschichte wohl einer kleinen Revolution gleichkommen. Auch wenn sie erst in den 1980er Jahren von Christoph Grüger aus Schönebeck entworfen wurden.

Auf Einladung des Kunstvereins Markkleeberg und Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz berichtete Grüger vor etwa 40 Besuchern, darunter Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) und seine Frau Gudrun, von der Entstehung der acht Betonglasfenster. Die zwei blau-grün gehaltenen im Altarraum verkörpern Ostern und Karfreitag, die zwei gegenüberliegenden im Querschiff das Fest der Taufe und Pfingsten und die vier beinah farblosen Seitenfenster die vier Evangelisten. „Ich wollte keine Tradition bedienen, sondern habe mich intuitiv leiten lassen“, erzählte Grüger. Schade, dass seine Ausführungen akustisch so schlecht zu verstehen waren. Entschädigung boten derweil die Betonglasfenster, die im Sonnenlicht am Sonntagvormittag ihre wahre Pracht entfalteten.

Gut besucht war am Nachmittag der Sattelhof in Zwenkau. Klaus-Peter Schlegel begrüßte trotz spätsommerlicher Hitze mehr als 300 Neugierige auf dem Vierseithof. Von 2001 bis 2008 war das Herrenhaus, das als ältestes Fachwerkhaus im Südraum Leipzig gilt, liebevoll saniert worden. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Heuersdorfer Scheune sukzessive wieder aufgebaut wurde, haben Schlegels nun noch den Hof neu gepflastert. Die geeignete Bühne für den Posaunenchor Zwenkau, aber auch Handwerker, die ihre Waren in historischer Kulisse feilboten

Ulrike Witt

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