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Markkleeberg „Viele Kinder wehren sich nicht mehr mit Worten“
Region Markkleeberg „Viele Kinder wehren sich nicht mehr mit Worten“
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18:04 05.07.2011
Eine Taube für das friedliche Miteinander im Kindergarten: Katrin Dietz (hinten rechts) und Christine Görlach mit ihren Streitschlichtern. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Denn seit mehreren Wochen werden die ältesten Jungen und Mädchen des Kindergartens Purzelbaum zu Streitschlichtern ausgebildet. Und Kiara weiß sich mittlerweile zu helfen. Resolut sagt sie Phillip, dass sie das nicht will. Der Siebenjährige entschuldigt sich und sucht sich eine andere Beschäftigung.

Einmal in der Woche kommt eine Mitarbeiterin des Familienzentrums Lichtblick in die Kita, um schon mit den Kleinen zu üben, wie sie Konflikte mit Worten lösen können. „Aggressionen haben im Kindergartenalter deutlich zugenommen“, begründet Katrin Dietz, die Leiterin der Einrichtung unter Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Heutzutage werde schon mal schneller geschubst und gehauen, „viele wehren sich nicht mehr mit Worten“, sagt sie.

Um zu unterscheiden, ob es sich um ein Macht-Gerangel unter Kinder handelt oder ob ein Streit entsteht, beobachten die Erzieher die Situation zunächst. Sind sich zwei Kinder einig, dass sie gegenseitig ihre Kräfte messen wollen, bleiben die Erzieher gelassen. „Doch wenn wir sehen, dass ein Kind das nicht will oder ihm wehgetan wird, greifen wir ein und vermitteln“, erzählt Christine Görlach, die als Erzieherin das Projekt begleitet. Der wichtigste Aspekt, den die Fünf- und Sechsjährigen lernen, sind sogenannte Ich-Botschaften. Statt „Du Idiot kleckerst mein Bild voll“ sagen sie „Ich möchte, dass du mein Bild in Ruhe lässt“. Nur mit Ich-Aussagen könne das andere Kind verstehen, dass es etwas falsch gemacht hat. Das Mitgefühl werde so trainiert.

Wahllos wurden für das erste Projekt dieser Art in Markkleeberg 14 Kinder ausgewählt. Doch eines zeigte sich schnell: Kinder, die Grenzen und Regeln kennen, können einen Streit besser schlichten. „In manchen Familien ist es nicht mehr üblich, Rücksicht zu üben, dann müssen wir versuchen, diesen Kindern das hier beizubringen“, erklärt Dietz. Die Gründe für die Zunahme von Verbalattacken – zusammen mit Schubsen und Hauen – sieht sie vor allem in der permanenten Reizüberflutung der Kinder. „Die Eltern stehen heutzutage enorm unter Druck, ihren Kindern jede erdenkliche Bildung zukommen zu lassen. Das artet bei den Kleinen in Stress aus und führt dazu, dass sie schneller genervt sind.“

Doch mit Ende des Projektes, das von der Stadt gefördert wird, ist nicht gleich Schluss mit dem Gelernten. In bestimmten Situationen erinnern die Erzieher ihre Schützlinge immer wieder daran. Denn nach einigen Wochen sei noch „keine Nachhaltigkeit“ erkennbar. Im Eifer des Gefechts würden die Kinder ab und zu in altes Verhalten zurückfallen, „dann aber sind wir da und klären das mit den Kindern zusammen“, erzählt Görlach.

Julia Tonne

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