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Markkleeberg Vier Frauen, vier Handschriften, eine Ausstellung
Region Markkleeberg Vier Frauen, vier Handschriften, eine Ausstellung
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17:17 27.02.2012
Brisca Kretzschmar, Dagmar Franke, Christiane Reitinger und Claudia Mertens (von links) – das ist seit dreieinhalb Jahren die Leipziger Künstlergruppe Polycromia. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Daher entschieden sich die vier Frauen der Leipziger Künstlergruppe Polycromia für eine Midissage. Ende vergangener Woche lockte diese Kunstfreunde in die Villa in der Dölitzer Straße 12.

Polycromia – das sind Brisca Kretzschmar, Christiane Reitinger, Dagmar Franke und Claudia Mertens. Kennengelernt haben sich die vier in der Art Domain Gallery in Leipzig. „Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass wir künstlerisch gleich gelagerte Interessen haben und uns gut verstehen“, erzählte Reitinger den Gästen. Im Herbst 2008 gründeten sie die Künstlergruppe Polycromia. Und der Name ist Programm. „Wir wählen für unsere Ausstellungen zwar ein gemeinsames Thema, aber wir drücken uns anders aus. Jede auf ihre Weise, in ihrem eigenen Atelier, in ihren Farben“, erklärte Kretzschmar. Da passt es wunderbar, dass das Westphalsche Haus dem Quartett für die siebte gemeinsame Ausstellung ganz unterschiedliche Räumlichkeiten bietet. „Wir haben uns spontan vor Ort entschieden – ganz friedlich“, betonte Dagmar Franke schmunzelnd.

Die 55-Jährige hat mit dem Wintergarten für ihre Fotografien jedenfalls den optimalen Platz gefunden. „Ich konzentriere mich mehr und mehr auf Porträts“, so die freiberufliche Fotografin und Eventmanagerin beim Rundgang. Bis 2004 war Franke als Inspizientin am Theater der Jungen Welt und Abteilungsleiterin im Kulturamt der Stadt Leipzig tätig. Die Kamera war da schon zu ihrem ständigen Begleiter geworden. Friedhöfe mit ihren Skulpturen zogen Franke vor allem in ihren Bann. Vor vier Jahren erschien beim Verlag für die Frau ihr Büchlein „Engel unterwegs“ – Beleg einer künstlerischen Phase, die Franke „abgeschlossen“ hat. Jetzt widmet sie sich der Realität: Menschen und Landschaften – immer öfter in Schwarz-Weiß. „Die Arbeit mit Licht und Schatten ist eine neue Herausforderung für mich“, so Franke. Dass sie auch in Afrika mit der Kamera unterwegs war, versteht sich von allein. Und selbstverständlich hatte sie einige Momentaufnahmen nach Markkleeberg mitgebracht.

„Ich habe den Hang, Vergängliches festzuhalten“, verriet Christiane Reitinger. Die 65-Jährige zeigt ihre Öl- und Acrylbilder im einstigen Küchentrakt. An den Wänden entdeckten Besucher aus der Region vertrautes: ein altes Sperrwerk am Kanal, Kassenhäuschen und Tore auf dem Bienitz und die Blechbüchse. Letztere erst auf den zweiten Blick: entkleidet, abgerissen und als Rest, der im neuen Einkaufstempel am Brühl untergeht. „Die Trilogie habe ich mir ausgeborgt. Die Bilder haben längst neue Besitzer gefunden, leider drei verschiedene. Es wäre schöner gewesen, wenn sie in eine Hand gekommen wären“, gestand Reitinger. Die Lehrerin, die sich an der Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst fortgebildet hat, malt neben Gebäuden am liebsten Landschaften und Blumenstillleben.

Nicht auf das Motiv, sondern auf die Vorstellungskraft des Betrachters kommt es Brisca Kretzschmar an. Die Autodidaktin stellt im Esszimmer ihre abstrakten Bilder in Acryl-Mischtechnik aus. Durch unterschiedliche Materialien bekommen ihre Werke Struktur und Tiefe. „Ich arbeite spontan und immer an mehreren Bildern gleichzeitig. Das ist bei mir ein kreativer Prozess aus Intuition und Emotion“, so die Leipziger Künstlerin, die sich hauptsächlich mit philosophischen Themen auseinandersetzt. 2007 hatte Kretzschmar ihre erste Einzelausstellung, weitere folgten unter anderem in der Martin-Luther-Kirche in Markkleeberg-West.

Die Jüngste im Polycromia-Quartett ist Claudia Mertens, 1977 in Dresden geboren. Schon als Kind entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Malen. Mitte der 1990er-Jahre absolvierte Mertens die Ausbildung zur Porzellanmalerin an der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen. Später hat sie sich künstlerisch ausprobiert, war Glasmalerin, Airbrusherin, hat aber auch im Freizeitpark Belantis Kinder geschminkt. Parallel belegte sie einen Abendkurs für plastisches Gestalten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und ging ein zweites Mal in die Lehre, diesmal als Grafikerin. Wer ihre „Märchenbilder“ in den Vitrinen des Westphalschen Kaminzimmers und die Blumenbilder an den Wänden anschaut, weiß, gelernt ist gelernt. Filigrane Blütenzweige auf kräftigem Untergrund, die Lust auf Frühling machen. Mertens zeigt aber auch andere Seiten wie die „Knauthainer Landschaften“ und Porträts.

Die „Vierfalt“ ist noch bis zum 26. März im Westphalschen Haus in Markkleeberg zu sehen. Geöffnet ist dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr, sowie mittwochs von 10 bis 16  Uhr.

Ulrike Witt

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