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Markkleeberg Vier Stolpersteine erinnern in Großpösna an das grausame Schicksal der Familie Sporn
Region Markkleeberg Vier Stolpersteine erinnern in Großpösna an das grausame Schicksal der Familie Sporn
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16:58 01.10.2015
Gunter Demnig verlegt die Steine, während die Junge Gemeinde Holzhausen die Biographien der Getöteten verliest. Quelle: Kempner
Großpösna

In einer bewegenden kleinen Zeremonie sind am Donnerstagnachmittag in Großpösna die ersten vier Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige jüdische Mitbewohner verlegt worden. Künstler Gunter Demnig, bekannt von vielen in Leipziger Bürgersteigen verbauten Gedenktafeln, brachte auch Am Ring 5 vor der letzten bekannten Adresse der Familie Sporn die Messingtafeln an.

Die Junge Gemeinde Holzhausen um Pfarrerin Christiane Thiel hatte lange rund um die Biographien der jüdischen Familie recherchiert, dazu in mehreren Archiven gesucht, auch Historiker Götz Aly befragt, den Künstler organisiert sowie die Lithurgie für das Gedenken ausgearbeitet. Fast eineinhalb Jahre beschäftigten sie sich schon mit der jüdischen Familie, erzählte Carmen. Pfarrerin Thiel war am Donnerstag leider verhindert, ihr Großpösnaer Amtskollege Albrecht Häußler nahm jedoch an der kleinen Feuer teil.

So verlas Theresa den Lebenslauf von Amalie Sporn, Jakob den von ihrem Mann, dem Buchhalter Isaak David Sporn. Beide kamen – wahrscheinlich nach Unruhen – aus ihrer Heimat Galizien um 1920 herum in den Raum Leipzig, in den 1930er Jahren dann nach Großpösna. Beide versuchten deutsche Staatsbürger zu werden, was ihnen jedoch verwehrt blieb. Sie wurden 1936 nach Polen ausgewiesen, wo sie letztmalig im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) gemeldet waren, wurden später laut Gedenkstätte Yad Vaschem ermordet.

Vier Kinder hatte das Ehepaar Sporn. Von denen berichteten ebenfalls die jungen Erwachsenen der Jungen Gemeinde. Carmen erzählte von Regina und Peppi, die 1908 und 1912 zur Welt kamen, in Israel überleben konnten. Leider sei es nicht gelungen, zu den lebenden Verwandten erfolgreich Kontakt aufzunehmen, bedauerte sie. Carmen erzählte auch vom 1922 in Leipzig geborenen Sohn Oskar Sporn. Er kam wie seine Eltern ebenfalls ins Ghetto Litzmannstadt. „Danach verlieren sich seine Spuren im Rauch eines Vernichtungslagers“, sagte sie.

Isabella erinnerte an die besonders bewegende Geschichte von Sara Sporn. Sie habe bei einem Überfall polnischer Soldaten in ihrer Heimat tiefe seelische Verletzungen erlitten, habe seit ihrem siebten Lebensjahr als geistig krank gegolten. In Leipzig kam sie mehrmals in psychiatrischen Kliniken und Pflegeeinrichtungen unter, blieb nach der Ausweisung ihrer Eltern zurück, kam in die Heil- und Pflegeanstalt Hubertusburg Wermsdorf und von dort nach Hochweizschen, wo sie 1940 starb – als eines von vielen Euthanasie-Opfern, wie auch Historiker Götz Aly meine, hieß es. Die Junge Gemeinde Holzhausen werde im nächsten Jahr an ihrer Grabstelle auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Leipzig einen Stein setzen, wofür 1940 die Jüdische Gemeinde Leipzig keinerlei Mittel hatte.

„Verfolgung, Mord, Würde, Würdelos, Unmenschlich, Angst, Vertreibung, Tod“ – als Sprechmotette klangen diese Worte über die Straße vor dem Haus der Familie. Bei einem anschließenden Gebet ging es um Schuld und Vergebung, aber auch darum, dass nicht vergessen werden dürfe. „Wir haben Verantwortung, uns zu erinnern“, hieß es. „Wir wollen die Erinnerungen bewahren und weiter geben.“

Künstler Gunter Demnig, der am Vormittag schon Steine in Leipzig verlegt hatte, fuhr noch am Nachmittag weiter Richtung Dessau zur nächsten Zeremonie. Seit 1996 habe er etwa 55 000 Stolpersteine verlegt, sagte er.

Von Jörg ter Vehn

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