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Markkleeberg Villa Westphal: Verkauf wird an Nutzungskonzept gekoppelt
Region Markkleeberg Villa Westphal: Verkauf wird an Nutzungskonzept gekoppelt
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07:00 23.09.2016
Der Verkauf des 1925 erbauten Westphalschen Hauses in Markkleeberg ist umstritten. Quelle: André Kempner
Markkleeberg

Ein Dreivierteljahr nach der Schließung des Westphalschen Hauses will die Stadt Markkleeberg die bei vielen Bürgern beliebte Kulturstätte jetzt in private Hand verkaufen. Über die Konditionen wurde am Mittwochabend im Stadtrat eifrig diskutiert.

„Ich verstehe nicht, warum wir das Westphalsche Haus nicht meistbietend veräußern. Eine Kopplung an die Nutzung minimiert auf jeden Fall den Verkaufspreis“, kritisierte CDU-Stadtrat Andreas Hesse den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Dieser sieht vor, in der Ausschreibung eine Wertung der Angebote im Verhältnis 70 Prozent Nutzungskonzept, 30 Prozent Kaufpreis festzuschreiben. Als Mindestgebot soll gemäß aktuell erstelltem Verkehrswertgutachten ein Preis von 1 455 000 Euro angesetzt werden. Hesse erinnerte daran, dass der Verkauf der Villa in der Dölitzer Straße im Herbst 2015 in das Haushaltsstrukturkonzept aufgenommen worden war, um hohe Einnahmen zu erzielen.

„Das ist dieselbe Verfahrensweise wie beim Schloss Gaschwitz und die erste Ausschreibungsrunde bei der wir erst einmal die Preisvorstellungen und die Optionen erkunden wollen“, erklärte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Kurz gesagt: Die Stadt will einen Fuß in der Tür behalten. „Vielleicht finden wir einen privaten Käufer, der bereit ist, hin und wieder das kulturhistorisch wertvolle und prägnante Haus für Veranstaltungen zu öffnen“, verriet Schütze dann seine Idealvorstellung und nannte als Beispiel eine private Musikschule. Beim Verkauf an den Meistbietenden sei derweil sicher, dass nur eine private Nutzung in Frage kommt, vielleicht sogar eine Zergliederung des Hauses in mehrere kleinere Wohneinheiten erfolgen wird.

Während sich Diane Apitz von den Grünen komplett gegen den Verkauf aussprach – „wegen der kulturhistorischen Bedeutung“ des 1925 von Architekt Paul Schultze-Naumburg erbauten dreiflügeligen Landhauses, unterstützte SPD-Stadtrat Sebastian Bothe den Verwaltungsvorschlag. Er mahnte: „Kunst und Kultur sind Bildung und die sollten wir den Markkleeberger Bürger nicht vorenthalten.“

Durch andere Fraktionen ging ein Riss: Dieter Bormann, Fraktionsvorsitzender der Linken, plädierte für eine Preismaximierung. Seine Kollegin Rosemarie Jahn erinnerte an den „Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung“ als die Schließ- und Verkaufspläne 2014/15 bekannt wurden. Die 70/30-Variante werte sie als eine Art Entgegenkommen. Auch Hesse stieß in seiner eigenen CDU-Fraktion auf Widerstand. „Unter meiner Regie als Bürgermeister hat die Stadt Anfang der Neunziger das Westphalsche Haus erworben, weil wir eine attraktive Kulturstätte wollten“, sagte Karlheinz Eichler. Er sehe die 70/30-Wertung als Chance, die Villa weiter zugänglich zu halten.

„Wir haben mit dem Weißen Haus, der Musikschule und dem Fotomuseum eine gute Konstellation im Agra-Park, die Lindensäle und dazu noch die Orangerie Gaschwitz. Wenn wir den Verkauf jetzt an die Nutzung binden, verbrennen wir unnötig Geld. Außerdem muss der Käufer noch genug in das Denkmal reinstecken“, warnte er und stellte den Antrag, die Vorlage entsprechend zu ändern.

Ohne Erfolg: 13 Stadträte sagten Nein zu Hesses Vorschlag, fünf Ja, einer enthielt sich. „Am Ende entscheiden sowieso Sie über den Verkauf. Die 70/30-Variante ist der Favorit für die erste Ausschreibungsrunde. Möglicherweise wird es eine zweite geben müssen. Dann können wir die Konditionen immer noch anpassen“, sagte Schütze. Letztlich stimmten 13 Stadträte für den Verwaltungsvorschlag.

Von Ulrike Witt

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