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Vom Dresdner Landtag ins Markkleeberger Rathaus

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Er gilt als introvertierter Kopfmensch. Einer, der jedes Wort wohl überlegt, nicht auf den kurzfristigen, öffentlichkeitswirksamen Erfolg setzt. Eher Mahner denn Visionär ist.

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Kopfmensch mit Blick fürs große Ganze: Oliver Fritzsche will am 22. September ins Markkleeberger Rathaus einziehen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Oliver Fritzsche, (noch) 35 Jahre. Am 22. September möchte er Oberbürgermeister von Markkleeberg werden.

Geboren wurde Fritzsche am 9. September 1977. Mit seiner Schwester wuchs er in Markkleeberg auf, besuchte das Rudolf-Hildebrand-Gymnasium. "Ich war politisch interessiert, aber in keiner politischen Jugendorganisation. Für mich stand der Sportverein im Mittelpunkt", erzählt Fritzsche. Schon als Siebenjähriger war er das erste Mal in der Turnhalle, wurde zwischen Barren und Reck im TV 1871 groß, später sogar Übungs- und Sektionsleiter.

Dass er nach Abitur und Bundeswehr 1997 an der Uni Leipzig ein Geografiestudium aufnahm, habe er seiner Lehrerin Marlies Kreusch zu verdanken. "Sie hat mir im Leistungskurs das breite Feld der Geografie eröffnet." Allerdings hätte ihn auch die Architektur gereizt. "Da ich nicht zeichnen kann, kam der Studiengang für mich leider nicht in Frage." Seinen untrüglichen Blick für Finanzen, für den er im Stadtrat bekannt ist, hat Fritzsche im Zweitfach BWL geschärft. "Einer muss doch auf die Noten schauen, auch wenn das in der Öffentlichkeit nicht so gut ankommt. Das hat was mit kommunaler Verantwortung zu tun", meint er.

Eine besondere Beziehung hat Fritzsche zu Budapest, wo er ein Jahr studierte. "Die ungarische Hauptstadt mit ihren 1,8 Millionen Einwohnern war eine neue städtebauliche Dimension." In seiner Diplomarbeit hat er sich mit deren ökonomischen Transformations- und Restrukturierungsprozessen befasst. "Ich mag Ungarn. Dort war ich schon als Kind mit meinen Eltern jedes Jahr campen", sagt Fritzsche und lächelt. Ungarisch spreche er wenig, Englisch, wie es sich für einen Diplom-Geografen gehört, umso besser.

2004 vertiefte er seine Sprachkenntnisse in der chinesischen 20-Millionen-Metropole Shanghai. Im Rahmen des postgradualen Studiums European Urban Studies an der Bauhaus-Universität Weimar arbeitete er in dem Institut, das die Masterplanung für die Expo 2010 gemacht hat. "Mich interessiert nicht so sehr das einzelne Gebäude, vielmehr das große Ganze, die Entwicklung einer Stadt", betont Fritzsche.

Zurück in Markkleeberg kandidierte er 2004 als Parteiloser auf der CDU-Liste für den Stadtrat, wurde gewählt und mit 27 Jahren stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Noch im selben Jahr trat er in die CDU ein. "Ich hatte einen guten Draht zu Gerhard Pötzsch. Seine Argumente, meine christliche Erziehung und die Überzeugung, dass Parteien in unserer Demokratie eine wichtige Rolle spielen, waren ausschlaggebend." Zwei Jahre später wurde er Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und begann, ausgestattet mit einem Graduiertenstipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, am Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft.

Den Entschluss mit einem Landtagsmandat "die Politik zum Beruf zu machen", fasste der Stadt- und inzwischen auch Kreisrat 2009. Dass in dieser Legislaturperiode ausgerechnet der Landesentwicklungsplan fortgeschrieben wird, sei bei seinem Hintergrund perfekt. "Das mehrstufige Verfahren ist ein Paradebeispiel für die Bürgerbeteiligung. Es ist toll, hautnah dabei zu sein und mitgestalten zu können", sagt Fritzsche, der landespolitischer Sprecher seiner Fraktion in Dresden ist.

Rückhalt gibt ihm die Familie, seine Frau Anja (35), sein zweieinhalb Jahre alter Sohn Clemens, seine Eltern, die Schwester und die Schwiegereltern. "Wir spielen in einem Team", sagt Fritzsche. Entspannen kann er beim Lesen, beim Sport und auch mal bei einem Rockkonzert, zuletzt beim "Boss" Bruce Springsteen.

Das Oberbürgermeisteramt ist für Fritzsche eine "Herausforderung, für die ich auch bereit bin, mein Landtagsmandat niederzulegen". Warum? "Weil ich an Markkleeberg hänge, weil ich meine Stadt mit den Bürgern gestalten möchte." Ulrike Witt

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2013

Ulrike Witt

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