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Vom Grubenrand zum Badestrand

Vom Grubenrand zum Badestrand

„Man müsste das mal alles aufschreiben.“ Vor gut zwei Jahren, kurz nach seinem altersbedingten Ausscheiden, sprach Zwenkaus Alt-Bürgermeister Herbert Ehme (CDU) diesen Satz.

Zwenkau. Bei Wolfgang Pfeifer, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins und seinen Mitstreitern, fielen sie auf fruchtbaren Boden. Als der Freistaat Sachsen 2009 das Förderprogramm „20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ mit einem Volumen von 1,1 Millionen Euro auflegte, bewarb sich der Verein und wurde als eines von 130 Projekten aufgenommen.

„Für uns war das Programm die Möglichkeit, die positive Entwicklung unserer Stadt erstmals umfassend aufzuarbeiten“, erklärt Pfeifer. Und natürlich der Anlass, den Mann, der 18 Jahre das Wachsen und Gedeihen Zwenkaus bestimmt hat, ins sprichwörtliche Boot des Heimatvereins zu holen. 15 Monate, 50 Arbeitsberatungen in der Heimatstube unter dem Dach sowie unzählige Stunden des Schreibens und Redigierens später liegt das Manuskript, nächsten Mittwoch auch das Buch mit dem Titel „Vom Grubenrand zum Badestrand“ – Faszination Zwenkau 1990 bis 2010 vor.

Auf 248 Seiten kann der Leser miterleben, wie aus einer „Stadt am Abgrund“ eine „blühende Stadt am See“ wurde. Dominierend sind dabei die Erinnerungen des Zeitzeugen Herbert Ehme. Seine Schilderungen umfassen 184 Seiten und geben mehr als einen Einblick in den Alltag eines Bürgermeisters, der „durch Zufall“ zum politischen Seiteneinsteiger und über die Jahre zum Profi in Sachen Kommunalpolitik wurde.

Begonnen hat alles am 6. Mai 1990, dem Tag der ersten freien Kommunalwahlen. Die DSU wurde mit 42,2 Prozent Wahlsieger in Zwenkau. Bei der Frage nach dem künftigen Bürgermeister sagte Ehme die entscheidenden drei Worte – „Ich mach es.“ Eindrucksvoll ist seine Bestandsanalyse nach dem Amtsantritt: „Die Stadt verfiel, die Menschen zogen gen Westen. An eine Lösung für den Tagebau war nicht zu denken, stattdessen hatten wir 310 unsanierte kommunale Wohnungen mit einer Hypothek von fünf Millionen DM und eine Stadtkasse ohne einen Pfennig Rücklage. Also einen schier unbezwingbaren Berg voller Probleme – einen Elefanten.“

Ehme beschreibt seine Suche nach Partnern für die Umstrukturierung der Verwaltung, die Stadtsanierung, vor allem aber für die Erschließung des ersten Gewerbegebietes in der Region: „Zwenkau war 1990 nicht das Schnäppchen nach dem alle suchten. Also mussten wir schneller und besser als die anderen sein.“ Ein Motto, dem er bis zum Juli 2008 treu blieb.

Besonders eindrucksvoll dokumentiert ist der Kampf um die Einstellung des Tagebaus und damit den Erhalt der Stadt: die Sitzungen des Braunkohleausschusses, Ehmes Fahrt zur Treuhand nach Berlin und schließlich die Aufsehen erregende Menschenkette entlang der Abbaukante an der Bundesstraße 186. „Jeder wusste was auf dem Spiel stand. Unsere Aktion war nicht ungefährlich“, schreibt er über den 17. Februar 1993. Und er verrät, was ihn bewegte, als er mit Buh-Rufen vor der Mehrzweckhalle empfangen wurde. „Sicher musste man auch die Bergleute verstehen. Es ging ja immerhin um ihre Arbeitsplätze“, so Ehme. Die Erleichterung ist nachvollziehbar, als im Mai 1993 das Ende des Tagebaus festgelegt und damit die Zukunft Zwenkaus gesichert wurde. „Als am 30. September 1999 der letzte Kohlezug fuhr, war das der Startschuss für ein gewaltiges Sanierungsprogramm“, betont der damalige Rathauschef.

In den Kapiteln, die unter der Überschrift „Gegen das Vergessen“ laufen, lüftet Ehme den Schleier und erzählt von Vorgängen, die er wohl am liebsten wirklich vergessen hätte. So das „Gaunerstück“ der City Passagen GmbH, die ihm 1993, wenn auch unbegründet, die unrühmliche Erfahrung einer Strafanzeige wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel inklusive Hausdurchsuchung und Verhören einbrachte. „Die GmbH brauchte das Grundstück des früheren Pößnecker Werkes zum Parken von Hypotheken, den Bebauungsplan und den Antrag auf Baugenehmigung, um das Areal auf dem Markt zu verkaufen“, weiß Ehme heute. Nur hatten die „Glücksritter“ die Rechnung ohne die früheren Erben gemacht, die ihrerseits Geld mit dem innerstädtischen Grundstück scheffeln wollten und den Bürgermeister anzeigten.

„Nicht jedes Stück des Elefanten war leichte Kost“, sagt Ehme am Ende seiner Ausführungen, die – wen wundert’s – mit dem Flutungsbeginn des künftigen Zwenkauer Sees am 9. März 2007, dem symbolischen ersten Baggerbiss für den Stadthafen am 28. Januar 2008 und der Taufe der „Santa Barbara“ am 12. Juli des gleichen Jahres enden. Und er zitiert Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.“

Die Buchpräsentation findet am 15. Dezember ab 18 Uhr in der ersten Etage des Kap Zwenkau statt. Der Eintritt ist frei.

Ulrike Witt

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