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Von Hitschenrennen bis Sack hüpfen: Spiele wie anno dunnemals

Kees’scher Park Von Hitschenrennen bis Sack hüpfen: Spiele wie anno dunnemals

Im Rahmen der 8x100-Jahrfeiern zur Ersterwähnung von Gautzsch werden am Sonntag alte Spiele wieder aufleben. Hitschenrennen, Eierlaufen, Kreiseln, Hufeisen werfen und Sack hüpfen sollen beim historischen Kinderfest im Kees’schen Park den Kleinen den Spaß bringen, den dereinst Opa und Oma daran hatten.

Im Handyzeitalter fast vergessene Spiele wie diese hier auf dem Plakat sollen am Sonntag im Kees’schen Park wieder aufleben
 

Quelle: Mirko Rathke

Markkleeberg.  Im Rahmen der 8x100-Jahrfeiern zur Ersterwähnung von Gautzsch werden am Sonntag alte Spiele wieder aufleben. Hitschenrennen, Eierlaufen, Kreiseln, Hufeisen werfen und Sack hüpfen sollen beim historischen Kinderfest im Kees’schen Park den Kleinen den Spaß bringen, den dereinst Opa und Oma daran hatten.

Schon beim Begriff der „Hitsche“ weiß wohl heute nicht mehr jeder, was damit gemeint ist. Und erst recht kaum, dass Rennen damit Spaß machten, weit verbreitet waren. Wie es geht, erklärte Brot&Kees-Chef Thomas Recknagel bei der Programmvorstellung dieser Tage: „Es gibt drei dieser Fußbänke, und dann muss man immer umsteigen, Bänke von hinten nach vorne holen, um ans Ziel zu gelangen“, meinte er schmunzelnd. Der Parcours sei etwa 15 Meter lang. Der schnellste „Hitschenrenner“ werde abends prämiert.

Kreiseln, Eier laufen, Sticken, Büchsenwerfen, Posthorn basteln, Sack hüpfen – viel alte Spiele und Beschäftigungen kramten Recknagel und Co. wieder hervor, werden sie an 14 Stationen im Kees’schen Park aufbauen. Eine davon ist etwa von Mirko Rathke. Der Leipziger entwarf im Auftrag von Recknagel das Kinderfestplakat neu, lädt zum Malkurs. Die Spinnerinnengruppe der Landfrauen in der Wassermühle Dölitz bittet zur Wollwerkstatt, die Landmanufaktur Leipzig zum Filzen und Kerzen ziehen, der Columbus-Verein zum Federkiel- und Schilfrohrschreiben - alles in allem sind 14 verschiedene Vereine und Gruppierungen, Firmen und Einzelakteure an dem historischen Spielfest beteiligt.

Einige hatten schon im Vorfeld selber Spaß dabei. So entwarfen und fertigten die Schweißer der Metallbaufirma Holl aus Resten der Produktion eine riesige Murmelbahn. „Sie ist noch in Arbeit, die Kugel läuft aber schon jetzt über eine Minute“, erzählte Ines Rathmann von dem Betrieb. Looping, Kurven, Sprungschanze – „die Schweißer sind ganz begeistert“, sagte sie lachend. Der Meister dränge allerdings auch auf Erledigung der regulären Arbeit...

Aufgestellt werden soll das kleine Metallkunstwerk im stillgelegten Brunnen mitten im Kees’schen Park. Gegen eine Spende von 50 Cent könne jeder eine Kugel auf die Bahn schicken. Der Erlös komme dem Kinderhospiz Bärenherz im Park zugute, erklärte Rathmann.

Bei der Bahn werden sicher die Handys gezückt, Filmchen für Youtube und Co ins Netz gestellt werden. Der Ansatz des historischen Spielefestes ist aber natürlich ein anderer. Die Stadt sehe auch einen soziokulturellen Hintergrund dabei, erzählte Falk Hartig vom Amt für Kultur und Tourismus der Stadt Markkleeberg. Bei dem Fest könne auch die Generation der Großeltern mit ihren Enkeln ins Gespräch kommen, miteinander viel Zeit verbringen, spielerisch „alte Kenntnisse“ vermitteln. Dieses Miteinander stärke die Kräfte in den Familien, meinte Hartig.

Dazu passt, dass am selben Wochenende die benachbarte Martin-Luther-Kirchgemeinde schon länger einen großen Familiennachmittag geplant hat, wie Frank Strohmann von der Gemeinde erläuterte.

Kein Wunder also, dass Ausrichter Thomas Recknagel analog zum Gautzsch-Jubiläum mit mindestens 8x100 großen und kleinen Gästen beim Fest rechnet. „Und ich bin gespannt, ob die Kinder es schaffen werden, sich mal zwei Stunden ohne Handy und Ipad in freien Natur zu vergnügen“, meinte er.

Vielleicht trägt dazu bei, dass es einen kindertypischen Anreiz gibt, alle 14 Stationen des historischen Parcours zu absolvieren. Jeder, der dies geschafft ab, bekomme am historischen Postamt Wertchips für zwei Kugeln Eis seiner Wahl, erzählte Recknagel. Wer nur eine kleine Runde mit der Hälfte der Stationen schaffe, erhalte eine Kugel Eis.

 Der Eintritt zum Fest selbst sei frei, erklärte er. Die große Teilnehmerkarte koste aber vier Euro, die kleine zwei. Wer nur einzelne Angebote wahrnehmen wolle, könne am jeweiligen Stand zahlen, bei Sportangeboten einen Euro, fürs Basteln jeweils zwei. Den besten Hitschenrennern, Sackhüpfern, Eierläufern und Büchsenwerfern winken zudem Medaillen, die eigens von der Firma Holl entworfen und gefertigt wurden.

Im Rahmenprogramm des historischen Spielens gibt es zudem um 14 und 18 Uhr Postkutschtouren, um 14.15, 14.45, 16.15 und 16.45 Parkrundgänge für Erwachsene mit dem Oberpostmeister Kees sowie um 15.30 und 16 Uhr Märchenführungen mit Frau Holle. FantaSi spielt um 15 Uhr vor dem Palmenhaus Musik für Kinder, die Musikschule Fröhlich dort um 13 Uhr zur Begrüßung für alle. Von 13 bis 18 Uhr ist zudem ein historisches Fotoatelier am Springbrunnen aufgebaut, werde Postkarten und Bücher am Eingang verkauft.

Von Jörg ter Vehn

Markkleeberg 51.281043 12.35693
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