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Wie gesellschaftliche Konflikte in den Fußball drängen

„Strafraum Sachsen 2.0“ Wie gesellschaftliche Konflikte in den Fußball drängen

Die schönste Nebensache der Welt soll Fußball sein. Bei aller Rivalität zwischen Clubs tragen manche Anhänger aber offenbar soviel Ego ins Spiel, dass es immer wieder zu bösen Diskriminierungen kommt. Der Kreissportbund will jetzt mit der Ausstellung „Strafraum Sachsen 2.0“ dagegensteuern.

Training mal anders: Die E-Jugend der Kickers schaut sich die Ausstellung im Sportpark Camillo Ugi an.

Quelle: Kempner

Markkleeberg. Die schönste Nebensache der Welt soll Fußball sein. Bei aller Rivalität zwischen Clubs tragen manche Anhänger aber offenbar soviel Ego ins Spiel, dass es immer wieder zu bösen Diskriminierungen kommt. Der Kreissportbund will jetzt mit der Ausstellung „Strafraum Sachsen 2.0“ dagegensteuern.

Für die Jugendteams der Kickers Markkleeberg gehört diese Woche der Ausstellungsbesuch fast schon zum Trainingsprogramm. So auch für die E-Jugend, die sich am Mittwochabend im Foyer des Clubheims im Sportpark Camillo Ugi in der Städtelner Straße die Tafeln ansah, die vorher unter anderem schon beim Bornaer SV und beim FC Grimma ausgestellt waren. Stephan Uhder, pensionierter Kameramann mit -zig „geschwenkten“ Fußballspielen auf dem Rücken, erklärte den jungen Kickern geduldig die Ausstellung. Bis zum Wochenende sei „Strafraum Sachsen 2.0“ täglich von 17 bis 20 Uhr geöffnet, so Uhder, der für den Kreissportbund die Ausstellung betreut. „Und am Sonntag nach dem Heimspiel wird wieder abgebaut“, erzählt er. Wegen des Spieles sei extra schon ab 14 Uhr geöffnet.

Die Schau wirbt um Weltoffenheit und Toleranz im Fußball. Dass dem oft nicht so ist, beweisen mittlerweile unzählige unschöne Momente am Rande der Partien: Da gibt es offenen Sexismus gegen Schiedsrichterinnen, Anfeindungen gegen Schwule mit dem zweithäufigsten Schimpfwort auf Amateurplätzen „Schwuchtel“, offenen Rassismus, obwohl immer mehr Spieler ausländischer Kulturkreise in allen Ligen kicken und so manches Team undenkbar wäre ohne sie, Antisemitismus sowie Neonazismus und Rechtspopulismus.

Dass gerade von vermeintlichen „Traditionsclubs“ hier und da auch offen gegen die gerade erst in die 1. Bundesliga aufgestiegenen Rasenballer Leipzig und vor allem ihren Geldgeber Mateschitz opponiert wird, ist zudem immer wieder Thema in den Medien. Tatsächlich bedienten sich viele Kritiker aber teilweise diskriminierender Argumentationen und antimoderner Vorurteile, die „anschlussfähig sind an rechte und vor allem antisemitische Weltbilder“, heißt es in der Ausstellung. Gerade dort würden „Tradition“, „Ehre“ und „Authenzität“ als Kampfbegriffe gelten gegen die Entfremdungen der Moderne, die mit RB personifiziert und dämonisiert seien. Entsprechend vielschichtig seien die Anfeindungen gegen RB, die von Sexismus über Antisemitismus bis zu Tiervergleichen und Vernichtungsfantasien reichten.

Die Ausstellung arbeitet die Themen anhand von konkreten Beispielen auf, geht aber auch weiter. In einem zweiten Teil führt sie Beispiele an, wie es auch gehen kann: Etwa die Faninitiative „1953international“ der SG Dynamo Dresden, die sich klar gegen Rassismus absetzt. Oder den Verein „Leipzig United F.C.“, der 2013 in einer Leipziger Flüchtlingsunterkunft gegründet wurde. „Discover Football“ versteht sich dagegen als Netzwerk für Fußball und Frauenrechte. Die Schau kennt noch mehr gute Beispiele.

„Strafraum Sachsen 2.0“ versteht sich als aktualisierte Neuauflage der ersten Ausstellung der „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball“ (IVF). Das Projekt war 2009 gegründet worden, hat seinen Sitz beim Verein „Roter Stern Leipzig“.

Viele gesellschaftliche Konflikte würden in den Fußball hineingetragen, meint Uhder. Er hofft in der nächsten Tagen auf viele Besucher, die mehr darüber wissen wollen. „Ich werde da sein, auf Wunsch auch die Ausstellung erklären“, sagt er.

Von Jörg ter Vehn

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