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Winzig, aber mit Charme: Die letzten Tage im Agra-Bad

Winzig, aber mit Charme: Die letzten Tage im Agra-Bad

30 Grad im Schatten, die Sonne brennt. Wer konnte, ging gestern baden, Familien mit kleinen Kindern gern ins beschauliche Agra-Bad. Dass das mit nicht mal 250 Quadratmetern Wasserfläche kleinste Freibad Sachsens gemäß Stadtratsbeschluss Mitte September für immer seine Tore schließen wird (die LVZ berichtete), wussten einige Gäste noch gar nicht.

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Bei Kindern ist das Agra-Bad noch immer beliebt. Gestern tobten Fünf- und Sechsjährige aus der Kita "Weltentdecker" im Becken.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. "Was? Davon höre ich zum ersten Mal. Das ist super schade. Wir fühlen uns hier immer wohl, sind von Dölitz schnell herüber geradelt", sagte Nadine Schott, die sich mit ihren Töchtern Lisa und Josefine eine Abkühlung gönnte. Im Unterschied zu den Seen, wo sich alle um drei Bäume drängten, gebe es im Agra-Bad genügend schattige Plätze. Zudem seien auch Nichtschwimmer, wie die achtjährige Josefine, dank zwei Rettungsschwimmern sicher.

Ein Lob, dass Badchef Jörg Schmidt und seine Mitarbeiterinnen, Rettungsschwimmerin Ute Tauchnitz und Kassiererin Yvonne Zeuner, oft hören. "Wir sind ein Familienbad. Zwei Drittel unserer Gäste Kinder, darunter viele aus Markkleeberger Kitas, Schulen und Horten, aber auch der Leipziger Süden kommt gern zu uns", berichtete der 64-Jährige. Für ihn ist es die 29. Saison im Agra-Bad. Er hat wetterbedingt gute Jahre mit bis zu 18 000 Besuchern und schlechte, wie 2012, mit nur 4000 erlebt. "Ich bin seit der Übernahme durch die Stadt 1987 dabei", verriet Schmidt.

Errichtet wurde das Bad Ende der 1950er Jahre. Agra-Direktor Oskar Baumgarten wollte eine Oase der Erholung für seine Mitarbeiter schaffen. 1986/87 wurde es auf Beschluss des Rates des Kreises für 180 000 DDR-Mark zum öffentlichen Freibad umgebaut, wie aus alten Unterlagen hervorgeht. "Das größte Problem war damals, Material zu bekommen. Statt schwimmbadgeeignetem Beton wurden irgendwelche Mischungen verwendet. Mit den Folgen kämpfe ich bis heute", erzählte Schmidt.

Dass im Agra-Bad dringend investiert werden müsste, ist unübersehbar. Das Becken, die Sanitäranlagen - alles ist sauber und ordentlich, aber in die Jahre gekommen. Einzig die Filter- und Pumpentechnik wurde 2009/10 auf den neuesten technischen Stand gebracht, alles andere von Schmidt Jahr für Jahr so weit möglich repariert. Der gebürtige Markkleeberger ist Badchef, Rettungsschwimmer und Handwerker in einer Person.

"Schon vor 15 Jahren, als der Cospudener See eröffnet wurde, hat der Stadtrat über die Schließung diskutiert", erinnerte Schmidt. 2005, kurz vor Freigabe des Markkleeberger Sees, sei das Thema wieder akut geworden. Damals sammelten Kinder Unterschriften für den Erhalt. Vor zwei Jahren fiel dann die Entscheidung für den Bau des Sportbades am Bahnhof und gegen das Agra-Bad. Der Grund: Beide Einrichtungen kann sich Markkleeberg nicht leisten. Nun wollen private Investoren eine Adventure-Golfanlage auf dem Gelände bauen.

"Es wäre schön, wenn das Agra-Bad wenigstens bis zur Eröffnung des Sportbades bliebe", meinte Karin Reinhardt. Die 77-jährige Markkleebergerin ist seit DDR-Tagen Stammgast, hat ihre Lieblingsbank. Aber auch Jüngere sind traurig. "O je, ich hatte überlegt, ob ich mir nächstes Jahr eine Jahreskarte hole. Für uns ist das von Dölitz so günstig", sagte Marie Schöne, die mit Mann Philipp Auerswald und Baby Mats entspannte. Auerswald ist schon als Kind mit seinem Vater ins Agra-Bad gegangen.

"Ich habe hier viele groß werden sehen", so Schmidt schmunzelnd. Eigentlich wollte er noch die 30. Saison vollmachen, bevor er in Rente geht. "Am Tag habe ich keine Zeit. Aber abends, wenn ich allein meine Runden im Becken ziehe, tut es ein bisschen weh. Irgendwie ist das mein Garten, mein Pool."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.08.2015
Ulrike Witt

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