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Markkleeberg „Wir sind als Dorf zu groß und als Stadt zu klein“
Region Markkleeberg „Wir sind als Dorf zu groß und als Stadt zu klein“
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06:00 25.08.2018
Seine Mitarbeiter überraschten Bürgermeister Holger Schulz (54) zum Dienstjubiläum mit einer Bilderwand. Sie zeigt Streiflichter seiner Arbeit. Quelle: Gislinde Redepenning
Zwenkau

Zwenkaus Bürgermeister Holger Schulz (CDU) ist seit zehn Jahren im Amt. In dieser Zeit sind viele wichtige Entscheidungen gefallen – etwa im Bereich Stadtentwicklung. Entscheidungen, die Zwenkau einen Zuwachs an Einwohnern bescheren sollen.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Haben Sie Ihr Dienstjubiläum eigentlich gefeiert?

Dass es am 1. August genau zehn Jahre waren, das hatte ich aufgrund des Tagesgeschäfts selber gar nicht so auf dem Schirm. Aber meine Mitarbeiter haben mich mit einer selbst gestalteten Bilderwand überrascht. Sie zeigt dutzende Fotos, Streiflichter aus dieser Zeit, überwiegend schöne Erinnerungen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Zur Feier gab es einen Kaffee mit den Amtsleitern.

Sie haben 2008 als Nachfolger von Herbert Ehme ein großes Erbe angetreten. Herausforderung oder Hindernis?

Ich bin in riesengroße Fußstapfen getreten und habe mich mit Sicherheit an deren Kanten gerieben. Dass sich Zwenkau so gut entwickelt, ist natürlich nicht allein mein Verdienst, dazu zählen viele Faktoren und nicht zuletzt die bravouröse Arbeit meines Vorgängers. Die Fotowand zeigt, dass sich in den letzten Jahren vieles ums Bauen und um die Wirtschaft gedreht hat, aber auch ums Rathaus und meine Mitarbeiter, auf die bin ich besonders stolz. Sie müssen schließlich meine Ideen umsetzen. „Nicht schon wieder eine neue Idee“, haben die Amtsleiter schon manches Mal gestöhnt. Ich bin allerdings ruhiger und gelassener geworden, vor fünf Jahren hätte ich bei so manchem Tatbestand noch ganz anders reagiert und rotiert

Im Rückblick scheint die Reise Zwenkaus vom Grubenrand zum Badestrand rasant. Was sind die Eckpunkte dieses Fortschritts?

Das Sprichwort „Von nüscht kommt nüscht“ trifft den Kern, wir müssen ständig am Ball bleiben. Es ist nicht immer einfach, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und abzuwägen, was man dafür noch liegenlassen kann. Wenn ein Weg nicht funktioniert, muss man einem neuen suchen und Themen offensiv ansprechen.

Was steht auf Ihren Aufgabenzetteln derzeit ganz oben?

Mein Ziel ist es, Haken hinter abgeschlossene Projekte zu machen, doch ist das in Zeiten des bürokratischen Aufwands nicht so einfach. So steht zwar inzwischen die Erweiterung der Kita Pirateninsel im Rohbau. Den Neubau der Kita Wiesengrund haben wir aber noch immer nicht im Topf, weil die bürokratischen Hürden bis zum Baustart sehr hoch sind.

Welche Ereignisse haben den nachhaltigsten Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Im Mai 2013 wurde die Hochwasserentlastungsanlage in Zitzschen in Betrieb genommen. „Möge sie nie gebraucht werden“, hatte der damalige Ministerpräsident Sachsens, Stanislaw Tillich, da noch gesagt. Nur wenige Wochen später nahm die Hochwasser-Katastrophe bei uns einen dramatischen Verlauf. Der Krisenstab des Landratsamtes hatte entschieden, Kleindalzig, Großdalzig und Tellschütz sowie die tiefer gelegenen Gebiete von Rüssen-Kleinstorkwitz zu evakuieren. Wir standen auf dem Deich in Döhlen, den wir mit Sandsäcken aufgestockt hatten, und sollten ihn räumen. Es stand auf des Messers Schneide, aber der Deich hat gehalten. Ich hatte entschieden, bis zur letzten Sekunde zu warten. Für meinen zivilen Ungehorsam bin ich später gerügt worden. Das möchte ich nie wieder erleben. Ebenso wenig den Brand der Kirche Tellschütz im Jahr 2015, der mich tief getroffen hat.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass die Kommunen mehr Selbstbestimmung und mehr Freiraum hätten. Wir wissen besser als Land oder Bund, wo es „brennt“. Bei manchen Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Stadtentwicklung rennen wir hinterher, obwohl wir vorneweg laufen könnten, weil wir auf Fördermittel zu starrer Programme angewiesen sind. Wir haben vor zehn Jahren schon gewusst, dass die Kita Pirateninsel zu klein werden wird oder dass wir noch zusätzliche Klassenräume in der Grundschule brauchen. Fördermittel gibt es jedoch nur für den augenblicklichen Bedarf, nicht für die Perspektive.

Wo sehen Sie Zwenkau in der Zukunft?

Wir stehen an einer kritischen Schwelle. Wir sind als Dorf zu groß und als Stadt zu klein. Ich sehe unsere Zukunft eher in der dörflichen Gemeinschaft als in der Anonymität einer Stadt. Wir müssen viel miteinander reden, alt eingesessene und zugezogene Zwenkauer. Meine Aufgabe ist es, auf alle Leute zuzugehen und moderierend einwirken.

Sie sind leidenschaftlicher Sportler. Haben sie dafür noch genügend Zeit?

Ich wünsche mir privat mehr Zeit für die Familie, die ich als ganz großen Rückhalt empfinde. Und für den Sport, weil das Amt mit zunehmendem Alter immer mehr schlaucht. Ein anderes Hobby verbinde ich manchmal mit Sitzungsterminen. Wenn die keine strenge Anzugordnung vorsehen, leiste ich mir den Luxus und fahre mit dem Motorrad hin.

Von Gislinde Redepenning

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