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„Wir werden uns ganz sicher wiedersehen“

„Wir werden uns ganz sicher wiedersehen“

Fahrrad und Kamera – das sind die Markenzeichen der Ute Harnapp. Beides brauchte sie für ihre Arbeit als Leiterin des soziokulturellen Bereichs innerhalb des Kultur- und Umweltzentrums Markkleeberg.

Markkleeberg. Jetzt ist die quirlige 65-Jährige im Ruhestand.

„Die letzten Jahre waren ganz schön bewegt“, schaut Harnapp zurück. 1993 hatte die Leipzigerin eine ABM-Stelle bei der Beschäftigungsinitiative Messepark Leipzig-Markkleeberg bekommen. „Ich habe als Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der agrarhistorischen Sammlung angefangen“, erzählt sie von ihrem Neuanfang nach der Wende. Und Harnapp blieb. Sie war dabei als aus der Beschäftigungsinitiative der Verein Kultur- und Umweltpark Agra wurde, als 1995 das Kulturraumgesetz griff und eine Kofinanzierung möglich machte. Zwei Jahre später hatte sie Glück und bekam eine Festanstellung als Projektleiterin im Soziokulturellen Zentrum: „Durch den Park hatten wir ein Alleinstellungsmerkmal. Museum, Umweltpädagogik, Soziokultur und wirtschaftliches Geschäft konnten parallel betrieben werden.“

Als der Verein 2000/01 unter anderem wegen territorialer Querelen in Turbulenzen geriet, folgte die Insolvenz. „Das Problem waren weder der Umweltbereich noch die Soziokultur. Dafür gab es genug Fördergelder. Anders sah das beim Geschäftsbetrieb aus“, erläutert Harnapp. Aufgeben kam für sie und Kollegin Heidi Kunis nicht in Frage. Am 1. August 2001 gehörten sie zu den Gründungsmitgliedern des Kultur- und Umweltzentrums.

„Das war eine komplizierte Zeit. Wenn ich mir so überlege, was wir alles gemacht haben“, sagt Harnapp und schüttelt den Kopf. In vieles habe sie sich erst rein fuchsen müssen. Damals saß der Verein in der Messehalle 61 nahe der alten Jagdgaststätte auf Leipziger Flur. „Wir haben mit dem Grünflächenamt um den Mietvertrag gekämpft. Durch den neuen Verein gab es keinen Bestandsschutz“, erinnert sich Harnapp. Letztlich durften sie die Räume weiter nutzen, aber keine Veranstaltungen durchführen.

Über den baulichen Zustand kann sie nur Schmunzeln. „Im Winter 2002/03 sind unsere Ölfässer ausgelaufen, weil sie durch Grundwasser hoch gedrückt wurden. Da half kein Abpumpen. Wir saßen im Kalten“, berichtet Harnapp. In dieser Situation erhielt sie von Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) den Tipp, dass das Awo-Seniorenheim das Schloss Markkleeberg verlässt. Gesagt, getan. Im Mai 2003 zog das Kultur- und Umweltzentrum in sein neues, in der Sanierung befindliches Domizil in der Kirchstraße.

Viele Veranstaltungen, die heute ganz selbstverständlich im Kulturkalender auftauchen, hat Harnapp ins Leben gerufen: Das multikulturelle Sommerfest am Rathaus, die Seniorentanzkurse im Gutshaus, die Tanznachmittage im Lindensaal, den Advent in Familie und nicht zuletzt die Ausstellungen, um nur einige aufzuzählen. Andere, wie zum Beispiel die Sieben-Seen-Wanderung, unterstützte sie mit ihrem Team tatkräftig. „Sicher könnte man noch viel mehr machen, aber die Angebote müssen am Ende bezahlbar bleiben“, betont Harnapp.

Ihre Nachfolge hat inzwischen Kathrin Krahnstöver angetreten. Auch sie wird unzählige Anträge für Geld und Mitarbeiter schreiben, den Kontakt mit der Stadt, dem Arbeitsamt, dem Jobcenter und anderen Fördermittelgebern pflegen. „Dass Soziokulturelle Zentrum ist ein gewachsenes Gebilde, das mit unterschiedlichen Bedingungen, finanziell und personell, zurechtkommen muss“, weiß Harnapp. Rund 150 vom Arbeitsamt vermittelte Leute hat sie in den vergangenen Jahren kommen und gehen sehen. Eine davon ist Krahnstöver. Dass Harnapp nie wusste, wie es im nächsten Jahr weitergeht, habe sie anfänglich sehr belastet. „Aber man gewöhnt sich dran, wird mit der Zeit abgeklärter.“

Um die Zukunft macht sich Harnapp keine Sorgen: „Der Verein ist gut aufgestellt und mir wird auch nicht langweilig.“ Alle 14 Tage wird sie dienstags den Seniorentanzkurs im Gutshaus leiten, zudem Tanzstunden bei den Aktiven Senioren in der Leipziger Döllingstraße geben und an der Messemagistrale selbst tanzen. „Wir werden uns ganz sicher wiedersehen“, verspricht Harnapp zum Abschied.

Ulrike Witt

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