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Markkleeberg „Wir wollen keine paradiesischen Zustände, aber mehr Wertschätzung“
Region Markkleeberg „Wir wollen keine paradiesischen Zustände, aber mehr Wertschätzung“
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06:00 11.08.2018
Ministerin Petra Köpping (Mitte) besucht die Wohngruppen der Kinderarche und spricht intensiv mit Matthias Lang und Alexandra Schwander. Quelle: Foto: André Kempner
Markkleeberg

Alexandra Schwander, Leiterin der sozialpädagogischen Wohngruppen im Domizil der Kinderarche Sachsen in der Hauptstraße, empfing am Donnerstag Besuch aus Dresden: Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration. Sie kennt das Haus seit Jahren, ist immer wieder gerne vor Ort und setzte sich mit Matthias Lang, dem Vorstandsvorsitzenden der Kinderarche Sachsen und an einem Tisch.

Die vierzehn Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und beinahe 18 Jahren, die in zwei Wohngruppen in Markkleeberg leben, sind aus den unterschiedlichsten Gründen da. „Wenn die Eltern nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern oder sie einfach im Stich lassen, kommen sie zu uns“, erklärt Lang. Die meisten der Kinder haben dann schon eine lange Leidenszeit hinter sich, haben beispielsweise im Elternhaus nicht nur Arbeits- und Perspektivlosigkeit, sondern auch Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit kennengelernt. Es seien multikomplexe Problemlagen, sagt Schwander. Wohl deshalb seien immer weniger Pflegeeltern bereit, ein schwieriges Kind aufzunehmen.

Köppings Vorschlag, die Eltern, sofern sie dazu zeitlich und gesundheitlich in der Lage sind, zumindest stundenweise in die Betreuung einzubeziehen und beispielsweise die Mütter mittags kochen zu lassen, findet sie „super“. Doch scheitere das momentan in der Praxis. Allzu oft hätten die Mütter selbst zu große Probleme. Und auch dafür müsste man Personal zur Verfügung stellen. „Die Eltern zu aktivieren, und sei es, sie zum Besuch von Elternabenden anzuregen, ist bei uns ein großes Thema“, verrät Schwander.

Die Arbeit von Beschäftigten in sozialen Berufen ist unbezahlbar, wird aber nicht entsprechend entlohnt, das Image könnte besser sein. „Wir müssen 365 Tage im Jahr jeden Tag 24 Stunden lang da sein. Mit Wochenenddiensten und Nachtschichten ist das für viele nicht attraktiv“, erklärt Schwander den Fachkräftemangel. Wenn sich neben dem Betreuungsschlüssel die Bezahlung verbessern würde, wäre das schon ein wichtiger Anreiz. „Dennoch arbeiten wir hier alle mit einem unglaublichen Engagement, mit Motivation und Herzblut“, bricht sie eine Lanze für ihre Mitarbeiterinnen. Lang richtet seinen Wunsch an Köpping: „Die Jugendhilfe und die Heimerziehung werden bei fast allen sozialen Berufe in unserer Gesellschaft zu wenig anerkannt. Daran müssen wir als großer Träger gemeinsam mit den Politikern arbeiten.“

Neun Erzieher und Sozialpädagogen kümmern sich rund um die Uhr darum, den Kindern ein strukturiertes und familiennahes Leben zu ermöglichen. Die Jungen und Mädchen zeigen Verhaltensauffälligkeiten, haben psychische Probleme, mit Beeinträchtigungen der Sprache, Sensomotorik oder Kognition. Sozialverhalten und emotionale Entwicklung sind gestört. „Das zehrt an den Kräften, zumal ja alle Tätigkeiten im und rund ums Haus von uns erledigt werden“, so Schwander. Für zusätzliche Hilfen in der Hauswirtschaft und im Garten gibt es kein Geld. „Wie verlangen ja keine paradiesischen Zustände, aber ein Hausmeister würde in dem schwierigen Arbeitsfeld schon für Entlastung sorgen“, so Lang.

Einigkeit herrscht im Bestreben, den gesellschaftlichen Blick auf den gesamten sozialen Bereich zu verbessern. Köpping versprach, mit ihrer Amtskollegin, der Sozialministerin Barbara Klepsch, zu sprechen. „Die Sozial- und Jugendpolitik spielt in Sachsen ein große Rolle“, betonte sie. Doch müsse an einer größeren Wertschätzung gearbeitet werden.

Von Gislinde Redepenning

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