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Markkleeberg Wo Bach seine Finger nicht stillhalten konnte
Region Markkleeberg Wo Bach seine Finger nicht stillhalten konnte
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16:20 17.12.2009
Untrennbar mit den Namen Johann Sebastian Bach und Friedrich Naumann verbunden: die Störmthaler Kirche. Quelle: André Kempner
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 In der Störmthaler Kirche steht eine der wertvollsten Orgeln Sachsens. Nur ein Wunsch blieb bislang unerfüllt: „Das vermutlich älteste Überbleibsel, ein spätgotisches lebensgroßes Kruzifix, muss noch saniert werden“, sagt Pfarrer Matthias Weber. Im Moment liegt das Prachtstück aus Lindenholz in der Sakristei flach. Wann es saniert wird, ist eine Frage des Geldes.Das floss in Störmthal immer mal wieder recht ordentlich. Einst war das Dorf eines der reichsten rund um Leipzig. Sein übernommenes Rittergut baute das Geschlecht derer von Fullen 1693 mit einem repräsentativen Schloss, Wirtschaftsgebäuden, Tiergarten und Fischteich aus. Park und Heilbrunnen waren angesagte Ausflugsziele der Leipziger Besserverdiener. Grün, Teiche und Quelle fielen aber der Kohle zum Opfer. Heute steht nur noch das Schloss, allerdings ist es verwahrlost und ein Schandfleck.Eigentlich war ganz Störmthal dem Untergang geweiht, sollte 2005 zugunsten des schwarzen Goldes ausradiert werden, was aber durch die friedliche Revolution vereitelt wurde. Später gab es günstige Förderbedingungen, so dass die einst auf romanischen Resten errichtete Kirche von 1998 bis 2000 saniert werden konnte. „Alles zu erhalten, hat mir viel Spaß gemacht“, erinnert sich Weber. „Sowohl als Kulturdenkmal als auch als jener Ort, wo sich die Kirchgemeinde versammelt.“Kulturdenkmal deshalb, weil das Gotteshaus und seine 1723 von Zacharias Hildebrandt für schlappe 440 Taler gebaute Orgel schon Besuch von Johann Sebastian Bach hatte, bevor der berühmteste aller Thomaskantoren noch das Weihnachtsoratorium verzapft hatte. Laut Weber ist im Störmthaler Kirchrechnungsbuch vermerkt, dass das Instrument „am 2. Novembris, 1723, von dem berühmten Fürstlich Anhaltinischen-Cöthenischen Capellmeister und Directore Music, auch Cantore zu Leipzig Herr Johann Sebastian Bach, übernommen, examinieret, probiertet, auch vor tüchtig und beständig erkannt, und gerühmet worden“ ist. Bach führte damals „bei öffentlichen Gottesdienste und Einweyhung besagter Orgel“ seine Kantate „Höchsterwünschtes Freudenfest“ auf. Insofern ist Hausherr Weber auch viel daran gelegen, noch mehr Leipziger zu den regelmäßigen Konzerten und den Besichtigungstouren vor die Tore ihrer Stadt zu locken. Denn die Orgel zu Störmthal – die zweite von Hildebrandts 17 – wird als dessen Meisterstück angesehen. 2008 wurde sie saniert, gehört zu den wertvollsten im Freistaat, da sie weitgehend im Originalzustand ist. Zudem ist der barocke Innenraum mit Kanzelaltar, Taufe, Empore und Gestühl „durchgestylt“, wie der gemeine Eventtourismusmanager tönt. „Der Raum ist authentisch und so erhalten, wie ihn Bach kannte“, sagt der Pfarrer.Und noch ein anderer großer Deutscher hat hier seine Spuren hinterlassen: Friedrich Naumann kam 1860 als Sohn von Webers Kollegen Friedrich Hugo Naumann und dessen Ehefrau Marie Agathe Ahlfeld zur Welt. Dem Ort seiner Kindheit blieb Naumann verbunden und schenkte Störmthal so manche, persönlich gewidmete, politische Schrift. Heute ist dem berühmten Dorfsohn eine kleine Ausstellung im Pfarrnebengebäude gewidmet.

Ingolf Rosendahl

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