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Wolf bei Markkleeberg: Tierhalter sollen Zäune prüfen

Nachweis per Fotofalle Wolf bei Markkleeberg: Tierhalter sollen Zäune prüfen

Erstmals ist im Süden von Leipzig, nahe Markkleeberg, ein Wolf gesichtet worden. Das belegt die Aufnahme aus der Fotofalle eines Jagdpächters. Wolfs-Experten sehen keinen Grund zur Panik. Tiergatter sollten trotzdem überprüft werden.

Wolf in der Fotofalle auf Markkleeberger Gebiet.

Quelle: Fester (Jagdpächter)

Leipzig. Erstmals ist im Süden von Leipzig, nahe Markkleeberg, ein Wolf gesichtet worden. Das belegt die Aufnahme einer automatischen Wildkamera. Bereits am 24. Mai tappte das Tier in die Fotofalle eines Jagdpächters, teilte das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ am Mittwoch mit. Die Experten rufen Tierhalter auf, ihre Schutzzäune zu überprüfen.

Am 22. Mai hatte Jagdpächter Frank Fester einen seltsam gerissenen Rehbock nahe der Kanuparkschleuse am Markkleeberger See entdeckt. Zwei Tage später fotografierte seine automatische Wildkamera das Tier ein Stück weit oberhalb, 30 Meter vom Asphaltrundweg entfernt, auf einer Anhöhe. Der Markkleeberger CDU-Stadtrat meldete den vermeintlichen Fund sofort dem Wolfsmanagement. Von dort kam jetzt die Bestätigung: Es ist tatsächlich ein Wolf - die erste bestätigte Meldung aus dem Raum Leipzig.

Für Fester ist das Vorkommen des Wolfs im ehemaligen Tagebaugelände nicht überraschend: "Das ist wie Tischlein-Deck-Dich für den Wolf, den wir ihm hier in den letzten Jahren mit Fasan und Co bereitet haben." A38 und B95 wirkten wie ein Gatter fürs das Wild und machten es zur leichten Beute für den Wolf. Schon in den Wochen zuvor sei ihm ausgefallen, dass das Wild sich irgendwie anders verhalten habe, erzählte der passioníerte Jäger, der das Revier an den Seen schon seit Jahren pflegt.

Bei dem Foto könnte es sich um ein Jungtier handeln, das wie bei den Wölfen üblich mit anderthalb bis zwei Jahren sein Rudel verlassen habe und auf Wanderschaft ging, meinte Vanesa Ludwig vom Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz". Das sei die übliche Biologie bei den Tieren, nichts Ungewöhnliches. "Wir müssen im nächsten halben Jahr schauen, ob das Tier noch mal wieder in der Region irgendwo in Erscheinung tritt", sagte sie. Das sei Aufgabe des Wolfs-Monitorings. Von weiteren Sichtungen seit dem bestätigten Foto vom 24. Mai sei ihr nichts bekannt.

Fachleute nicht überrascht

Die Sichtung überrascht Fachleute in der Region aber nicht. Heiko Linnert, beim Stadtforst Leipzig Wolfsbeauftragter Leipzigs: "Es gab schon länger verschiedene Hinweise." So seien im Winter 2012/13 im Tagebaugelände südlich von Leipzig Wolfsspuren im Schnee entdeckt worden. Und Wölfe würden gern Autobahnen und Bahntrassen als Schneisen für ihre Wanderungen nutzen, das sei bekannt.

Konkrete Nachweise, etwa gerissene Haustiere, habe es bislang im Raum Leipzig aber nicht gegeben. Wohl aber wüste Behauptungen, dass ein Wolf gesichtet worden sein. In einem Fall habe sich zum Bespiel die Beobachtung im Nachhinein als Husky entpuppt, der bei einem Feuerwerk ausgebüxt war. Ob der Wolf noch in der Region weilt, hält Linnert für möglich, aber eher unwahrscheinlich. "Wir sind einfach zu dicht besiedelt." Von Panikmache hält er daher auch gar nichts: "Wölfe gehen von Natur aus den Menschen aus dem Weg", weiß er.

Wölfe ziehen vor allem nachts umher. Wege von 30 bis 40 Kilometer pro Nacht seien normal, so Heiko Linnert. Nach der Rechnung könnte das Tier damit schon hunderte von Kilometern weiter weg sein. Rund um Leipzig leben Wölfe bereits an mehreren Stellen. Erst im Vorjahr waren auch bei einem Rudel in der Dübener Heide Jungtiere zur Welt gekommen.

Tiere nachts in den Stall bringen

Trotzdem raten die Wolfsexperten des Kontaktbüros vor allem Haltern von Schafen und Ziegen, ihre Schutzzäune überprüfen. Die Gatter sollten geschlossen sein, ohne Durchschlupfmöglichkeite am Boden oder an den Seiten. Effektiv seien mindestens 90 Zentimeter hohe, handelsübliche Elektrozäune. 1,20 Meter hohe Festzäune böten ebenfalls Schutz. Wer ganz sicher gehen möchte, dass der Wolf keinen Schaden anrichtet, sollte die Tiere nachts in einem geschlossenen Stall unterbringen.

Für zusätzliche Schutzmaßnahmen müssen Schaf- und Ziegenherden-Halter oft extra investieren. Dafür könnten Anträge auf Fördermittel gestellt werden, teilte das Kontaktbüro weiter mit. Zuständig für den Landkreis Leipziger Land, Nordsachsen und die Stadt Leipzig sei das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Mockrehna (Telefon: 034244-5310).

Noch sei unklar, ob der Wolf das Markkleeberger Areal nur durchstreift hat, oder sich dauerhaft im Landkreis Leipziger Land niederlassen wird. Das werde jetzt aber untersucht, so die Fachleute des Kontaktbüros, das im Auftrag des Landratsamts Görlitz und des Kreisforstamts agiert.

Wolfshinweise wie Sichtungen, Spuren, Kot oder Risse sollten an das Landratsamt des jeweiligen Landkreises, direkt an das Kontaktbüro, per Telefon unter 035772-46762 oder per E-Mail an kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de. Informationen können ebenso an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung (kontakt@buero-lupus.de) weitergegeben werden.

Infos: www.wolfsregion-lausitz.de

Ulrike Witt, Jörg ter Vehn, Evelyn ter Vehn

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