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Markkleeberg Zeit für den zweiten Blick
Region Markkleeberg Zeit für den zweiten Blick
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18:05 28.11.2011
Politische Ereignisse und private Erlebnisse hat Rainer Schade in einer Art Bild-Tagebuch verarbeitet. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

„Die älteste stammt von 1984, die jüngste, die Farblithografie Gigant ist sogar erst letzte Woche frisch gedruckt worden“, erzählt Schade, der das Westphalsche Haus bislang nur als Besucher kannte. Seine Bilder laden zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln ein. Zum Beispiel der „Tourist“, der zu einer ganzen Reihe von farbigen Tuschezeichnungen gehört, die zwischen 2009 und 2011 entstanden sind. Der feiste Herr mit Kamera entspricht so ganz dem Klischee des Pauschaltouristen. Er schaut sich die Welt nur durch die Linse an: Schnellschuss statt Genuss. „Wenn ich sehe, wie die Menschen – und ich meine nicht nur die Japaner – an Sehenswertem vorbeihetzen, frage ich mich, ob sie die Fotos jemals wirklich anschauen werden. Sinnliches wird einfach digitalisiert“, so Schade.

Der 60-Jährige, der im Wolfswinkel zu Hause ist und seit 1979 eine Professur an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle hat, verarbeitet seine Erlebnisse in Bildern. „Meine Zeichnungen sind eine Art Tagebuch“, verrät Schade. Eines, das dem Betrachter politische und mitunter auch private Brüche offenbart. Im Kaminzimmer hängt eine Collage von 1988, die ältere Ausstellungsbesucher stutzen lässt: Unter Glas ein vergilbter Artikel aus der Leipziger Volkszeitung über den fast vergessenen polnischen General Wojciech Jaruzelski, der 1981 mit der Verhängung des Kriegsrechts die Solidarnosc-Bewegung niederzwingen wollte.

Gegenüber das Bild „Die Mauer bleibt“, gezeichnet am 13./14. Januar 1989. „Ich höre im Atelier immer Radio. Auch damals. Erich Honecker verkündete lauthals, dass die Mauer auch noch in 100 Jahren stehen werde“, berichtet Schade. Seine Sicht der Dinge ist eine eingemauerte DDR-Landkarte.

Gern gesehen wurden solche Bilder nicht. „Eine Grafik in der LVZ unterzubringen, war fast unmöglich. Entweder wurden sie gar nicht oder nicht vollständig abgedruckt“, erinnert sich Schade. Seine berufliche Nische fand der gelernte Offsetdrucker, der von 1971 bis 1976 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Hans Mayer-Foreyt, Werner Tübke und Rolf Kuhrt studiert hat, damals in Galerien. „Dort war zum Glück vieles möglich“, so Schade.

Die Ausstellung in der Dölitzer Straße 12 ist bis zum 22. Januar dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 16 Uhr sowie zu Veranstaltungen geöffnet.

Ulrike Witt

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