Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zitzschener ärgern sich:"Wo ist denn heute der Ökolöwe?"

Zitzschener ärgern sich:"Wo ist denn heute der Ökolöwe?"

Dunkle Wolken und kräftiger Regen - rund 400 Bürger aus Zitzschen und der Umgebung ließen sich am Samstagvormittag auch von den wenig sommerlichen Wetterkapriolen nicht abhalten, und demonstrierten an der B 186 gegen den geplanten Kiesabbau.

Voriger Artikel
Im Herbst startet der Umbau des Gaschwitzer Bahnhofs
Nächster Artikel
Tellschützer können nach Kirchenbrand wieder feiern

Auch Regen kann sie nicht stoppen: Viele Zitzschener protestierten am Samstagvormittag an der Elsterbrücke gegen den geplanten Kiestagebau.

Quelle: Ulrike Witt

Zwenkau. "Ich bin froh und stolz, dass Ihr auch zur zweiten Demo so zahlreich erschienen seid", begrüßte Versammlungsleiter Horst Kalis die mit Traktoren, Plakaten, Tröten und Schirmen ausgerüsteten Bürger. Allerdings vermisste er auch jemanden. "Wo ist denn heute der Ökolöwe? Der mischt sich doch sonst so gern in unsere Belange ein", meinte Kalis angesichts der von den Umweltschützern erzwungenen Einstellung des Bootsverkehrs auf dem Zwenkauer See.

Die Zitzschener wollten wie alle Bewohner der Elsteraue keinen neuen Tagebau. "80 Jahre Braunkohle sind genug und die Vernichtung von 175 Hektar guten Ackerbodens - eine Fläche so groß wie der Kulkwitzer See - nicht nur für unsere Landwirte eine Katastrophe", so Kalis. Er erinnerte an die Beschlüsse des Stadtrates, der sich einstimmig gegen den Nassabbau und den Verkauf von Wegen an die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH ausgesprochen hatte.

"Unsere Chancen, dass wir die Umstellung auf Nassabbau verhindern können, sind groß", erklärte der wiedergewählte Zwenkauer Bürgermeister Holger Schulz (CDU), der mit dem Heimatverein Zitzschen zur Demo aufgerufen hatte. Inwieweit der 2004 genehmigte Trockenabbau beim heutigen hohen Grundwasserstand westlich der Weißen Elster noch wirtschaftlich ist, sei die große Frage. "Insofern könnte der Kampf gegen den Nassabbau der erste Schritt zur Verhinderung des gesamten Kiestagebaus sein", sagte Schulz. Erneut betonte er, dass der Zwenkauer See 20 Prozent der kommunalen Fläche ausmacht. "Der See ist wunderschön, keine Frage, aber er ernährt uns nicht." Drei weitere Seen, so wie es nach 40 Jahren Nass-Kiestagebau aktuell geplant ist, würden noch mehr Boden vernichten.

"Man muss aus der Erde nicht alles herausschlagen, nur um des Profites Einzelner willen", mahnte der Zitzschener Pfarrer Oliver Gebhardt. Es lohne sich zu kämpfen, fügte er hinzu. Denn "Heimat ist unbezahlbar" wie ein älterer Herr im Rollstuhl auf sein Plakat geschrieben hatte. Unter den Demonstranten war auch Frank Rösel, der neue Pegauer Bürgermeister. Er berichtete, dass auch der Kitzener Ortschaftsrat eine negative Stellungnahme abgegeben hat.

Unterstützung gab es auch von CDU-Landtagsmitglied Oliver Fritzsche: "Das laufende Raumordnungsverfahren muss genutzt werden, um den Standpunkt einer ganzen Region deutlich zu machen. Und ich kenne nur ablehnende Stellungnahmen. Auch der Landkreis Leipzig hat Nein zum Kiesabbau gesagt." Er versuche seine Kollegen im Dresdner Landtag zu sensibilisieren, über die umstrittenen, kurz nach der Wende vergebenen Abbaurechte zu informieren. "Die beantragte Umstellung des Abbauverfahrens könnte das Tor sein, um den Tagebau zu verhindern", meinte auch er.

Lautstark machten die Familien Schedler und Gerczewski auf den "Skandal" aufmerksam. "Wir protestieren auf allen Vieren, denn wir wissen, Kiesabbau ist beschissen", skandierten sie. "Wir mussten schon Eythra wegen der Braunkohle verlassen, jetzt sollen wir am Tagebau wohnen und unser Leben von Lärm und Staub bestimmt werden", schimpfte die 79-jährige Doris Schedler. Anja Becker, ihr Mann ist Landwirt, sagte: "Das Wetter spiegelt unsere Stimmung wider. Uns ist zum Heulen zumute, aber wir lassen nicht locker und werden weiter kämpfen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Ulrike Witt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Markkleeberg
  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr