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Zu wenig Aktive: Freiwillige Feuerwehr Gaschwitz steht vor dem Aus

Feuerwehr Zu wenig Aktive: Freiwillige Feuerwehr Gaschwitz steht vor dem Aus

Die Freiwillige Feuerwehr Markkleeberg steht vor einem Umbruch: Der im Entwurf vorliegende neue Brandschutzbedarfsplan sieht die Schließung der Ortswehr Gaschwitz mangels aktiver Kameraden vor. Das drohende Aus beherrschte am Freitagabend die Jahreshauptversammlung der Stadtwehr im Großen Lindensaal.

Die Tage der Freiwilligen Feuerwehr Gaschwitz sind wahrscheinlich gezählt. Der neue Brandschutzbedarfsplan sieht die Schließung vor.

Quelle: Andre Kempner

Markkleeberg. Die Freiwillige Feuerwehr Markkleeberg steht vor einem Umbruch: Der im Entwurf vorliegende neue Brandschutzbedarfsplan sieht die Schließung der Ortswehr Gaschwitz mangels aktiver Kameraden vor. Das drohende Aus beherrschte am Freitagabend die Jahreshauptversammlung der Stadtwehr im Großen Lindensaal.

„Seit mehr als zehn Jahren schieben wir die Entscheidung vor uns her. Diverse Rettungsversuche haben nichts gebracht. Wir müssen jetzt endlich die zugegebenermaßen unpopuläre Frage stellen: Wie lange wollen wir uns noch etwas leisten, von dem wir wissen, dass es keinen Erfolg bringen wird“, erklärte Stadtwehrleiter Rainer Walther. Eigentlich sollte er gar nicht mehr im Amt sein. Wegen des ausstehenden Brandschutzbedarfsplanes waren die turnusmäßige Stadtwehrleiterwahl im Dezember und die Ortswehrleiterwahlen im Januar/Februar jedoch auf Vorschlag von Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) um sechs Monate verschoben worden.

In seinem Bericht hatte Walther zuvor die Fakten genannt: Statt der geforderten doppelten Fahrzeugbesatzung von 18 Kameraden hat die Ortswehr Gaschwitz gerade mal 14 aktive Mitglieder. Und das nicht erst seit gestern. Von insgesamt 138 Einsätzen im Jahr 2015 hätten sich die Gaschwitzer lediglich an sechs beteiligen können und das im Durchschnitt nur mit vier Kameraden. „Selbstständig können sie so gar nicht mehr agieren. Insofern ist die Auflösung des Standortes und die Verteilung der Haushaltmittel an die beiden anderen Ortswehren Markkleeberg-West und Wachau ein logischer Schritt“, sagte Walther.

Kritik äußerte er an der Stadtverwaltung als Aufgabenträger der Feuerwehr: „Es gibt noch immer keine Personalanalyse und keine Personalentwicklungskonzeption. Ich kann es nur wiederholen: Spätestens mit dem Ausscheiden der nächsten aktiven Generation zirka 2030 wird man ernsthaft über Grundsatzfragen des Aufbaus und der Struktur nachdenken müssen.“ Sonst sei auch die Leistungsfähigkeit der anderen Ortswehren gefährdet. „Klappt es nicht über das Ehrenamt, müssen hauptamtliche Kräfte eingestellt werden“, so Walther.

Der Gaschwitzer Ortswehrchef Manfred Reuter kämpft seit Jahren um seinen Standort: „Wir haben immer wieder versucht, neue Mitglieder zu gewinnen. Am Dienstag hatten wir erst einen offenen Dienst, bei dem wir fünf Anträge ausgegeben haben. Wir warten jetzt auf den Rücklauf“, berichtete er. Walther machte unmissverständlich klar, dass neue Kameraden bis zur Einsatzfähigkeit zwei Jahre brauchen, also ad hoc noch nichts bringen. „Warum wird mit der Entscheidung nicht wenigstens bis 2018 gewartet?“, fragte Reuter: „Bis dahin läuft noch das europäische Förderprogramm Soziale Stadt, das Gaschwitz mit der Sanierung von Häusern und Infrastruktur sicher weiteren Zuzug bringt.“

Rathauschef Schütze versprach den Gaschwitzern am Freitagabend ein „faires und sachliches Abwägen aller Argumente“. Er erinnerte aber auch daran, dass die Ortswehr wegen des Personalmangels bereits seit über einem Jahr unter der Woche abgemeldet ist, der letzte Einsatz in der geforderten Neun-Mann-Stärke ganze vier Jahre zurückliegt. „Es wird keine einfache Entscheidung, die der Stadtrat mit dem Brandschutzbedarfsplan zu treffen hat. Für die Bürger wird sich am Status quo aber auch bei einer Schließung nichts ändern. Wenn sie Hilfe benötigen, werden sie diese bekommen. Unsere Feuerwehr genießt über die Stadtgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf“, versicherte Schütze den 79 anwesenden Kameraden.

Nachdem der Brandschutzbedarfsplan Anfang Februar im Führungskreis mit Oberbürgermeister, Stadt- und Ortswehrleitungen sowie Ordnungsamtschef Stefan Pietsch erstmals diskutiert wurde, geht das brisante Papier in den nächsten Wochen nun in die Stadtratsausschüsse. Geplant ist auch eine Anhörung des Ortschaftsrates Gaschwitz. Im April soll die endgültige Fassung dann in den Markkleeberger Stadtrat kommen.

Von Ulrike Witt

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