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Zukunft des Botanischen Gartens in Großpösna ungewiss

Zukunft des Botanischen Gartens in Großpösna ungewiss

Großpösna. Der Botanische Garten für Arznei- und Gewürzpflanzen am Oberholz in Großpösna steht höchstwahrscheinlich vor dem Aus. Die Stadt Leipzig hat der Gemeinde das 2,1 Hektar große Areal für 120 000 Euro zum Kauf angeboten.

Doch ohne Betreiber und finanzielle Unterstützung will Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch die Verantwortung nicht tragen.

Wie sag ich’s meinen Abgeordneten? Die Frage dürfte der Rathauschefin am Wochenende schlaflose Nächte beschert haben. Schließlich ging es am Montag bei der Sondersitzung des Gemeinderates um nichts Geringeres als den Botanischen Garten, das „Eingangstor zum Oberholz“. Der Kauf für viele Großpösnaer eine Herzensangelegenheit, auch für Lantzsch. Schließlich kämpft sie seit Jahren um den Erhalt des 1936 als Drogistenlehrgarten angelegten Geländes. Wenn da nicht die finanziell unkalkulierbare Dauerbelastung wäre, die eigentlich bis zum 13. August eine Entscheidung zwischen Herz und Verstand fordert.

„Ich habe alle Grüne-Ring-Mittel der Gemeinde seit 2002 in den Botanischen Garten gesteckt. Das sind rund 23 000 Euro. Dazu haben wir ein Großteil der Heizkosten übernommen“, erklärte Lantzsch. Sie erinnerte an die Suche nach einem Betreiber, als der Betrieb für Beschäftigungsförderung geschlossen wurde, an die Freude, als mit dem Verein zur beruflichen Förderung von Frauen in Sachsen (VbFF) vor acht Jahren ein Nachfolger gefunden wurde.

Im Sommer 2008 bangte Lantzsch und mit ihr der „Freundeskreis Botanischer Garten“ um Vorsitzende Hannelore Pohl erneut: Das Leipziger Liegenschaftsamt hatte das Objekt für 340 000 Euro zum Verkauf ausgeschrieben und mit einer Baufirma einen potenziellen Käufer gefunden. Große Erleichterung herrschte, als der Grundstücksverkehrsausschuss den Plan wenige Monate später kippte. Nicht einmal zwei Jahre währte die vermeintliche Ruhe. Ende Mai hat der gleiche Grundstücksverkehrsausschuss der Gemeinde Großpösna ein Kaufangebot über 120 000 Euro unterbreitet. Hintergrund ist die Kündigung des VbFF aufgrund ausbleibender Fördermittel.

„Sonst sind wir mutig bei all unseren Überlegungen, aber jetzt verlässt uns der Mut“, betonte Lantzsch und machte eine Rechnung auf: „Wir haben keinen Betreiber, müssen neben dem Kaufpreis jährlich mit Betriebskosten um die 60 000 Euro rechnen und haben noch Auflagen der Stadt Leipzig zu erfüllen, die es uns vor allem verbieten, Gewinn aus dem Grundstück zu erzielen.“ Außerdem müsste der Flächennutzungsplan geändert werden. „Selbst das ist nicht zum Nulltarif machbar und das bei unserer durch die Seeaktivitäten angespannten finanziellen Situation“, so Lantzsch. Kämmerin Rita Ackermann setzte noch eins drauf: „2012 stellen wir die Buchführung von der Kameralistik auf die Doppik um. Wir haben viel gebaut in den vergangenen Jahren, müssen daher mit hohen Abschreibungen rechnen. Das kann uns wie Borsdorf eine Haushaltkonsolidierung einbringen.“ Freiwillige Aufgaben wie der Botanische Garten würden dann ersatzlos gestrichen.

Harald Köpping (Linke) und Thomas Körner (SPD) forderten die Verwaltung dennoch zum Engagement auf: „Der Botanische Garten ist unser Flaggschiff. Das Geld wäre sinnvoll angelegt.“ Matthias Potel (SPD) warnte indes vor dem Investitionsstau, insbesondere die Heizungsanlage fürs Gewächshaus sei in einem schlechten Zustand. „Es geht nicht ums Wollen, sondern ums Können. Und die Gemeinde kann finanziell und personell keinen Botanischen Garten betreiben“, beschwor Lantzsch. Selbst Bildungsträger im Landschaftsbau hätten ihr eine Abfuhr erteilt. „Leipzig macht es sich leicht, schiebt jetzt, wo gar nichts mehr geht, uns den Schwarzen Peter zu.“

Bei einer anschließenden Probeabstimmung votierten sieben der 18 Gemeinderäte pro Kauf. Sie sollen sich nun gemeinsam mit dem Freundeskreis „Botanischer Garten“ konstruktive Gedanken um die Zukunft machen. „Ich werde meinerseits um einen Aufschub beim Liegenschaftsamt bitten“, versprach Lantzsch. Und hatte Erfolg. Die Stadt Leipzig bestätigte gestern einen Gesprächstermin mit Amtsleiterin Heike Ebersbach für die zweite Augusthälfte, aber auch, dass es einen anderen Kaufinteressenten gebe. Dieser komme allerdings erst zum Zug, wenn Großpösna Nein sagt.

Ulrike Witt

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