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Zwei Stunden für ein Kreuzung: Neues Fährschiff angekommen

Zwei Stunden für ein Kreuzung: Neues Fährschiff angekommen

Das neue Fahrgastschiff für den Markkleeberger See ist gestern in einer Nacht- und Millimeteraktion in Auenhain angekommen. Schwieriger als gedacht entpuppte sich dabei das Umfahren der Kreuzung B186/Bornaer Chaussee in Wachau.

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Lange Nacht: Transportleiter Friedhelm Biedermann und das 67-Meter-Gespann.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markkleeberg. Christian und sein halbes Dutzend Kumpels der Freiwilligen Feuerwehr Wachau hatten es sich an der Kreuzung schon ab 22 Uhr bequem gemacht. Mit Liegestühlen, dicken Jacken und flüssiger Nahrung harrten sie der schweren Dinge, die da kommen sollten. Aber es wurde Mitternacht, bis Transportleiter Friedhelm Biermann und sein 67 Meter langes Gespann kamen - da war der "Brennstoff"der Jungs längst alle.

Nicht aber der der Transportcrew. Obwohl die Kurve eigens entschärft und ein eigene Umfahrung mit Spezialblechen, Matten und viel Kies gebaut worden war, um Ampel, unzählige Schilder und Fahrgasthäuschen der Kreuzung nicht entfernen zu müssen, dauert der Schwenk gut zwei Stunden. Nur zentimeterweise schob oder zog Fahrer Frieder Sam das Gespann über den Fußweg. Erst war eine Mauer im Weg, dann ein Lichtmast, später ein Baum. Bis auf zwei kleine Werbeschilder, die umgebogen oder abgeschraubt wurde, konnte jedoch alles bleiben. Auch wenn Sam dafür einmal seinen bulligen Schwerlaster solo außenrum über Güldengossa und Liebertwolkwitz steuern musste, um umsetzen zu können. "Geht nicht, gibt's nicht", erzählte Biermann zwischendurch. In Dresden sei der Weg vom Alberthafen zur Autobahn auch so eng gewesen. "Da waren links und rechts nur je zwei Zentimeter Platz", meinte er.

Gut 20 Verkehrsschilder musste dennoch auf der Reise ab- und wieder aufmontiert werden, auch vor der Pension Irina an der Wachauer Kreuzung störten zwei. Sam kurvte anschließend fast zwei Stunden lang hin und her, bis er den 22-Achser auf der Bornaer Chaussee hatte. Nachts gegen 3 Uhr kam er in Auenhain an, wo der Tross gestern Vormittag aufgebockt wurde, um die Auflieger mit den Achsen weiter zusammenzuschieben. "Sonst kommen wir nicht um die schmalen Kurven zum See runter", so Schiffseigner Wilfried Meyer gestern.

Das neue, für bis zu 400 Personen zugelassene Schiff ist seine neunte Überführung. Gestern noch wurden die eigens per Tieflader aus Schönebeck angereisten beiden Oberdecks per Autokran auf Schiff gehoben, ab heute soll der neue Dampfer wieder seefähig gemacht und fertig ausgebaut werden. Denn für den Landweg waren Bodenbleche geöffnet und der Antrieb hochgezogen worden. So kam der Transport tiefer auf die Straße, konnte die Autobahnbrücken passieren. Mittwoch oder Donnerstag soll das 41 Meter lange und 8,60 Meter breite Schiff über eine eigenes installierte Helling in den See gelassen werden, ab Mai plant Reeder Meyer erste Fahrten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.04.2014
Jörg ter Vehn

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