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Zwischen alten Gleisen und Königsgeräten

Zwischen alten Gleisen und Königsgeräten

Großpösna. „Kohle, Kohle. Wir brauchen Kohle! Wie lange benötigt Ihr noch?“ Wenn Gerald Riedel das sagt, dann fühlen sich seine Zuhörer schnell um einige Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt.

Denn Riedel berichtet wie es im ehemaligen Tagebau zugegangen ist, welcher Druck auf den Bergleuten lastete, immer wieder mehr Leistung zu bringen, mehr Kohle zu fördern. „Damals waren die Prämissen aber auch noch andere, da wurde viel mehr Energie aus Braunkohle verbraucht“, erzählt Riedel bei der ersten öffentlichen Führung im Bergbau-Technik-Park am Sonntag. Einst stand in Espenhain die größte Förderbrücke Europas, jetzt laufen Besucher zwischen den riesigen Maschinen umher, suchen Kinder Ostereier.

Riedel, der hier fast sein gesamtes Arbeitsleben lang als Elektriker geschafft hat und heute Vorsitzender des Vereins ist, führt die Besucher zurück in die Welt des Tagebaus vor 30 oder 40 Jahren, geleitetet sie entlang alter Gleise in dunkle Stollen, die auch den Untertagebau präsentieren sollen und erläutert die Funktionsweise der sogenannten Königsmaschinen, wie dem Schaufelradbagger.

„Wie lange hat wohl so eine einzelne Schaufel vorgehalten?“, lässt er die Zuschauer schätzen. Aus Eisen besteht sie und hat dennoch gerade einmal vier Wochen überstanden, bevor sie ausgetauscht werden musste, erfahren die Besucher.

Auch an die dunklen Momente erinnert Riedel und berichtet von Beinahe-Katastrophen. So stürzte in den 70er Jahren ein Schalthauses auf der Förderbrücke mit Arbeitern besetzt vier Meter in die Tiefe, ohne dass jemand verletzt wurde.

Aus altem Förderband hat der Verein inmitten des Parks ein Labyrinth für die jüngeren Besucher geschaffen und während diese sich einen Weg in die Mitte des runden Irrgartens zu bahnen versuchen, berichtet Riedel davon, wie das insgesamt zwei Kilometer lange und drei Zentimeter dicke Band erst vor Ort zusammengebaut wurde – einfach weil es mit den Stahlseilen und der reinen Größe nicht im Ganzen transportierbar war. „Die Gummischicht wurde auf mehreren Metern entfernt, um dann die Seelen miteinander zu verflechten. Dann wurde der Kunststoff wieder zusammengelegt, gepresst und acht Stunden lang erhitzt und vulkanisiert“, so Riedel.

Der erste Abschnitt des Bergbau-Technik-Parks ist fertig, im Sommer soll offiziell eröffnet werden. Nicht alle Ideen werden bis dahin tatsächlich umgesetzt sein. So soll nach den Wünschen des Vereins eine Glocke an die dem Tagebau zum Opfer gefallenen Dörfer erinnern. „Es bleibt noch viel Arbeit“, sagt Riedel.

Die Besucher sind schon jetzt begeistert. Ute Hegemann ist jahrelang an den großen Baggern vorbeigefahren, da wollte sie sich am Sonntag nicht die Chance entgehen lassen, den Park mit ihrer Familie zu begutachten. „Anfangs war ich eher skeptisch, aber hier ist wirklich viel passiert. Toll, wie weit der Park schon ist“, sagt sie. Ihre Pflegetochter Nadine Große ist von der schieren Größe der Maschinen begeistert. „So etwas hab ich vorher noch nie so nah gesehen.“

Und auch Familie Boelke aus Berlin hat es der Park angetan. „Uns haben vor allem die Maschinen angezogen, weil wir uns sehr für Technik interessieren“, sagt Vater Frank und blickt hoch zum riesigen Bandabsetzer, einem Kernstück des Parks, der wohl noch viele Besucher in Staunen versetzen wird.

Kerstin Leppich

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