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Gebrüder Neidhardt: „Keiner von der Behörde hat mal mit uns gesprochen“

Kiestagebau Zitzschen Gebrüder Neidhardt: „Keiner von der Behörde hat mal mit uns gesprochen“

Die Nachricht, dass die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH (MDB) auf den Kiesabbau im Bewilligungsfeld Großdalzig verzichten, am Nassabbau um Zitzschen aber festhalten will (die LVZ berichtete), hat die Stimmung in der Elsteraue nicht verbessert.

Auch diese Weihnachtsbäumchen sollen in ein paar Jahren Familien erfreuen. Bernd Neidhardt schaut nach den dieses Jahr gepflanzten Blaufichten.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Die Nachricht, dass die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH (MDB) auf den Kiesabbau im Bewilligungsfeld Großdalzig verzichten, am Nassabbau um Zitzschen aber festhalten will (die LVZ berichtete), hat die Stimmung in der Elsteraue nicht verbessert.

„Das ist ein Schachzug. Die wollen erst mal Ruhe reinbringen. Ich glaube nicht an ein Auslaufen der Bewilligung für Großdalzig 2021. Wenn, müsste das schriftlich mit der Landesdirektion fixiert werden“, sagt Bernd Neidhardt. Mit seinem Bruder Lutz betreibt er den Gartenbaubetrieb Neidhardt in Zitzschen. Ein Familienbetrieb mit langer Tradition. 1891 gegründet, zu DDR-Zeiten der örtlichen LPG angegliedert, seit der Wendezeit wieder in privater Hand.

Gut die Hälfte des Jahresumsatzes machen die Brüder Neidhardt seit 1991 mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen. „Nordmanntanne, Koloradotanne, Koreatanne, Blaufichte, Kiefer oder Rotfichte, ob gesägt oder im Topf – bei uns finden Sie den richtigen Weihnachtsbaum“ heißt es in diesen Tagen wieder in Anzeigen überall in der Region. Wachsen tut ein Großteil der Weihnachtsbäume rund um Zitzschen. Noch.

„Allein durch den Kiesabbau im Bewilligungsfeld Zitzschen verlieren wir zehn Hektar unserer Plantagen“, erklärt Lutz Neidhardt. Dabei handele es sich um Eigentum und Pachtflächen. Letztere sind ein weiteres Problem. „Um die Produktion betriebswirtschaftlich effektiv gestalten zu können, brauchen wir kompakte Flächen. Deshalb haben wir Klein- und Kleinstflächen zwischen einem halben und zwei, maximal aber vier Hektar von Eigentümern gepachtet und mit deren Einverständnis mit der Agrargenossenschaft getauscht. Sollten die Flächen an den Kiestagebau fallen, müsste der komplette Tausch rückgängig gemacht werden“, erläutert er.

Zudem wachsen auf den vom Kies bedrohten Flächen junge Weihnachtsbäume. „Wir haben erst dieses Jahr wieder vier Hektar Blaufichten gepflanzt“, sagt Lutz Neidhardt. Bis die in den Verkauf gehen, braucht es vier Jahre bei Topfware, acht Jahre für den klassischen Weihnachtsbaum. „Wenn die Flächen für den Kiestagebau genutzt werden, verlieren wir ein Viertel unserer Anbaufläche. Und das dauerhaft. Sollte der Nassabbau vom Oberbergamt genehmigt werden, bleiben ja zwei Seen übrig“, betont Bernd Neidhardt.

Die von der Landesdirektion im Raumordnungsverfahren auferlegte Rekultivierung von mindestens 20 Hektar sieht er kritisch. „Das klingt schön, aber 20 Hektar sind bei insgesamt 97 Hektar Bodenverlust für die Landwirtschaft nur Randstreifen. Und wo bitte sollen in unserer, vom Braunkohletagebau geschundenen Landschaft noch Rekultivierungsflächen herkommen?“, fragt Bernd Neidhardt. Wie berichtet, sind über 20 Prozent der Kommunalfläche Zwenkaus schon heute Wasser. Neidhardts wollen ihre Flächen „auf keinen Fall“ veräußern. „Hier hängen 15 Arbeitskräfte dran“, mahnen sie.

Ihre Verpächter, meist Zitzschener Nachbarn, wollten ebenso wenig verkaufen, sagen sie. Viele Eigentümer sähen ihr Land als Sicherheit fürs Alter. „Land bringt heute mehr Zinsen als Geld auf der Bank. Durch den Kiestagebau werden die Bodenpreise jetzt noch angeheizt. Das hat Auswirkungen auf alle Agrar-Betriebe in der Elsteraue: Höhere Pachtkosten schränken den Spielraum für Investitionen ein“, erläutert Lutz Neidhardt. Sorge bereitet ihm auch die Tatsache, dass viele Verpächter betagt sind. „Was die Kinder mal machen, weiß heute keiner“, sagt er. Sollten Pachtflächen an die MDB veräußert werden, kündigen Neidhardts schon jetzt „knallharte Verhandlungen“ an. Denn Pachtverträge erlöschen nicht mit dem Verkauf, wissen sie, und ihre Verträge laufen über 15 Jahre.

All das interessiere in der Landesdirektion keinen, sind die Brüder Neidhardt überzeugt. „Keiner von der Behörde war mal hier draußen, keiner hat mit uns gesprochen. Das ist alles am Schreibtisch entschieden worden“, meinen sie enttäuscht und setzen auf die Stadt Zwenkau. „Wir gehen davon aus, dass uns die Stadt weiter im Kampf gegen den Kiestagebau unterstützt und die angekündigte Klage gegen den Nassabbau gemeinsam mit der Stadt Leipzig am Ende auch wirklich durchzieht“, sagt Bernd Neidhardt. Sein Bruder Lutz fügt eindringlich hinzu: „Das hat uns Bürgermeister Holger Schulz versprochen.“

Von Ulrike Witt

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