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Markranstädt 5500 Menschen im Landkreis profitieren von höherem Mindestlohn
Region Markranstädt 5500 Menschen im Landkreis profitieren von höherem Mindestlohn
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07:00 12.01.2019
Der Mindestlohn steigt. Quelle: / dpa
Landkreis Leipzig

Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde – und mit ihm der Verdienst von 5520 Menschen im Landkreis Leipzig. So viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Auch die Wirtschaft im Kreis profitiere: Die Kaufkraft wachse durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 1,3 Millionen Euro.

Die NGG beruft sich auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat. Nach Berechnungen des Instituts hätte ein höherer Mindestlohn starke Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft: Würde der gesetzliche Mindestlohn um einen weiteren Euro – auf dann 10,19 Euro – steigen, wäre damit allein im Landkreis Leipzig ein Anstieg der Kaufkraft um 11,3 Millionen Euro pro Jahr verbunden.

ARCHIV - Ursprünglich lag der Mindestlohn bei 8,50 Euro, jetzt soll er auf 10,19 Euro steigen. Quelle: dpa

Denn davon würden dann sogar rund 14.300 Menschen profitieren – nämlich neben den bisherigen Mindestlohnempfängern auch die Beschäftigten, die derzeit für einen Stundenlohn arbeiten, der nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt.

Mindestlohn-Beschäftigte geben Geld vor Ort aus

„Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen – fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus“, sagt Jörg Most von der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau. Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen.

Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: „Selbst für eine Vollzeitkraft ist es schwer, mit Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso“, so Mostl. Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze „langsam armutsfest“.

Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk zahlt oft Mindestlohn

NGG-Mann Most sieht bei den Löhnen „Luft nach oben“ und die Arbeitgeber in der Pflicht: „In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause.“ Messlatte sei aber nicht der Mindest-, sondern der Tariflohn.

Besonder im Bäckerhandwerk wird oft nur Mindestlohn gezahlt. Quelle: dpa

Most prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, „dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind“ und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: „In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren.“

Schlupflöcher, um Mindestlohn zu umgehen

Most betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert. „Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal“, kritisiert der Gewerkschafter und fordert die Beschäftigten auf, ihre Januar-Lohnabrechnung genau zu kontrollieren.

Bei seiner Einführung 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre. Wie hoch das Plus ist, hängt insbesondere von der Entwicklung der Tarifverdienste ab.

Von Simone Prenzel

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