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Abbundzentrum fertigt Holzhäuser für Flüchtlinge in Halberstadt

Firma sitzt seit 20 Jahren in Großlehna Abbundzentrum fertigt Holzhäuser für Flüchtlinge in Halberstadt

Container werden knapp, aber Holzhäuser sind wie in Halberstadt schnell gebaut: Das Abbundzentrum Leipzig mit Sitz in Großlehna arbeitet angesichts der Flüchtlingskrise aber auch an einem neuartigen Modulsystem.

Zwei Hausbausätze pro Woche können Abbundzentrum-Inhaber Ulrich Röger (links) und Geschäftsführer Gunther Ullrich (links) derzeit in Großlehna herstellen lassen.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markranstädt. Das Abbundzentrum Leipzig mit Sitz im Gewerbegebiet Großlehna ist dieser Tage nicht nur erfolgreich 20 Jahre alt geworden und pflegt seine Kontakte zu den regionalen Zimmereibetrieben. Es bereitet sich auch vor, künftig mehr vorgefertigte Bauelemente etwa für Flüchtlingsunterkünfte zu liefern, entwickelt derzeit auch Wohnhäuser in Modulbauweise.

Am 23. September sei die Werksplanung freigegeben worden, in dieser Woche gingen die ersten beiden Hausbausätze nach Halberstadt in Sachsen-Anhalt, könnten dort die Zeltunterkünfte für Flüchtlinge ablösen, erzählt Gunther Ullrich. Nächste Woche folgten die nächsten beiden Häuser, erläutert der Geschäftsführer des Abbundzentrums Leipzig. In den vier Häusern mit je acht Wohneinheiten a fünf Personen könnten dann zusammen 160 Menschen leben, erklärt er.

Aufgebaut würden die Bausätze von Zimmereibetrieben, für die das Abbundzentrum seit nunmehr 20 Jahren im Wesentlichen arbeitet und zum Beispiel komplette Dachstühle vorbereitet, Türme und Gauben vormontiert oder ganze Holzwände millimetergenau vormontiert. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz für Zimmereibetriebe“, sagt Ullrich. Eher ein Dienstleister mit viel Kompetenz und Know How wolle das Abbundzentrum sein. „Wir beschäftigen hier immerhin fünf Zimmereimeister“, sagt Ullrich.

Firmeninhaber Ulrich Röger kam in den wilden Nachwendejahren nach Markranstädt. Er habe auch eine Firma in Schwäbisch-Hall, von dort aus anfangs immer Anfragen aus Mitteldeutschland für Holz und Dächer erledigt. Bis ihm klar geworden sei, wie unsinnig es ist, für den ökologischen Baustoff Holz so viel Sprit auf dem Lieferweg zu verblasen. Röger sah sich um, fand Gefallen an Großlehna und dem Gewerbegebiet nahe der A 14, siedelte sich ab 1994/95 an – und lobt noch heute die unkomplizierte Art und Weise der Anfangsjahre: „Wir bekamen doch damals nicht so schnell eine Faxleitung“, schmunzelte er. „Die Faxe haben wir alle zur Gemeinde schicken lassen und einmal am Tag von dort abgeholt.“

Datenleitungen sind heute Voraussetzung im Betrieb, wo Ingenieur und Meister die Holzteile auf Computerzeichnungen fertig stellen, dann die Maße an die Maschinenführer weiterleiten, die nur noch den Auftrag abrufen und die Fräse fräsen und die Säge sägen lassen...

So wuchs die Firma über die Jahre von anfangs drei Mitarbeitern auf nunmehr 18 eigene. Vier weitere von Zimmereibetrieben würden derzeit auch noch im Betrieb mitarbeiten, so Ullrich. Perspektivisch seien drei Neueinstellungen geplant. So werde auch der Jahresumsatz von zuletzt 2,4 Millionen Euro in diesem Jahr vermutlich bei 2,6 bis 2,8 Millionen Euro landen.

Im Frühjahr erwarb die Firma eine benachbarte Produktionshalle, verband die beiden Grundstücke. „Wir wollen hier künftig mehr vorgefertigte Holzbauelemente herstellen“, erläutert Ullrich den Hintergrund. Firmeninhaber Röger hat auch ein neues System aus Holzhäusern in Modulbauweise in Auftrag gegeben. Dafür würden gerade die letzten Abstimmungen vorgenommen, erzählt er. Schließlich müssten alle in den verschiedenen Bundesländern oft unterschiedlichen Bauvorschriften beachtet werden, sagt er.

Seit Juli beschäftige man sich mit den Modulen, so Röger. Angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise und dem Ansturm auf preiswerte Unterbringungsmöglichkeiten wie Container hofft auch seine Firma dort auf eine Reihe von Aufträgen, ähnlich wie dem jetzigen aus Halberstadt. Derweil es bei der Lieferung mit Container derzeit eng wird, könne die Holzbauindustrie schnell liefern, verspricht Ullrich.

Neben dem kommenden Modulsystem entstehen in Markranstädt aber auch Komplettbausätze für Fertighäuser aller Art. Darüberhinaus will Ullrich auch bei dem weitermachen, womit das Abbundzentrum in den letzten 20 Jahren gewachsen ist: Der passgenauen Vorfertigung von Holzbauteilen. Aktuell werde damit der neue Mexikaner an der Torgauer Straße Leipzig gebaut, so Ullrich. Aber auch die Grundschule Großlehna entstand so, aktuell auch die Holzrahmenhaussiedlung in der Leipziger Seumestraße oder eine Holzbrücke im Ostharz.

Von Jörg ter Vehn

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