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Altenpflegeheim „Im Park“ wegen Bombendrohung evakuiert

Großeinsatz Altenpflegeheim „Im Park“ wegen Bombendrohung evakuiert

Ein anonymer Anrufer hat am Montag kurz nach 8 Uhr mit einem Sprengsatz im Awo-Altenpflegeheim „Im Park“ gedroht. Das Haus mit über einhundert teilweise bettlägrigen und kaum transportfähigen Bewohnern wurde mit einem Riesenaufwand geräumt, durchsucht und am späten Mittag wieder freigegeben - ohne Befund.

In der Stadthalle kümmerten sich Pfleger und Helfer um die betagten Heimbewohner. Und Grundschüler kamen vorbei, sangen spontan ein Ständchen.

Quelle: Kempner

Markranstädt. Ein anonymer Anrufer hat am Montag kurz nach 8 Uhr mit einem Sprengsatz im Awo-Altenpflegeheim „Im Park“ gedroht. Das Haus mit über einhundert teilweise bettlägrigen und kaum transportfähigen Bewohnern wurde mit einem Riesenaufwand geräumt, durchsucht und am späten Mittag wieder freigegeben - ohne Befund.

Es war ein Kraftakt sondergleichen, vor allem für die Betreuer der Senioren. Alle verfügbaren Kräfte seien per Telefon alarmiert worden, auch die Freischichten, erzählte Pflegedienstleiterin Ines Krötel. Von der anderen Markranstädter Awo-Einrichtung sei Hilfe gekommen, ebenso aus Leipzig, so Heimleiterin Evelin Schwennicke. Alles in allem rund 60 Awo-Helfer seien zusammengekommen.

Kurz nach 9 Uhr riefen auch die Feuerwehrsirenen Einsatzkräfte zur Unterstützung der Evakuierungsaktion. Rund 20 kamen, unter ihnen Markranstädts Ortswehrleiter Sven Grübner, der die Einsatzleitung am Heim übernahm, und Stadtwehrleiter Thomas Haetscher. Einige Angehörige eilten zudem herbei, um zu helfen, oder ihre Familienmitglieder erst mal nach Hause mitzunehmen.

Polizisten sicherten und durchsuchten das Heim

Polizisten sicherten und durchsuchten das Heim.

Quelle: Kempner

So machte sich kurz darauf eine lange Rollstuhlkarawane mit 40 Bewohnern vom Heim „Im Park“ auf den gut einen Kilometer langen Weg zur Stadthalle, in das alle 103 betroffenen Heimbewohner gebracht wurden. Mannschaftstransportwagen der Wehren aus Markranstädt und Döhlen/Quesitz fuhren einige Senioren, Krankenwagen transportierten die acht Schwerstpflegebedürftigen. Kurz nach 11 Uhr waren alle Senioren in der Stadthalle, wo Kriseninterventionsteam und DRK-Versorgungszug sowie Helfer vom Katastrophenschutz zur Unterstützung bereitstanden.

Derweil der Sanitäts-Einsatzleiter an der Stadthalle von Infusionen bis zum EKG alles vorbereiten ließ für Notfälle, – „es wird warm, die Leute sind genervt und haben alle auch irgendwie Kriegserlebnisse gehabt“ – blieben die Senioren ruhig und gefasst, ergaben sich in ihr Schicksal. Helfer vom Heim umschwirrten die alten Leute, versorgten sie mit Wasser und Medikamenten. Glück im Unglück: „Das Essen war schon fertig, als der Alarm ging“, erzählte Krötel. Der Eintopf reiste im Tross der Senioren mit in die Stadthalle. „Nur das Zweitessen musste ausfallen“, entschuldigte sich Krötel. Dafür sangen Grundschüler den Senioren spontan ein Ständchen.

Gegen 12.40 Uhr dann Entwarnung am Heim. Die Durchsuchung mit Sprengstoffsuchhund und 25 Beamten der Bereitschaftspolizei habe nichts ergeben, so die Polizei. Der Rücktransport ging schneller, gegen 14 Uhr waren alle Bewohner wieder im Haus. Es habe gottlob keine gesundheitlichen Komplikationen gegeben, seufzte die erleichterte Heimleiterin, sprach ihren Helfern ein riesiges Kompliment aus, dankte wie Bürgermeister Jens Spiske, der vor Ort mithalf, auch Feuerwehr und Polizei.

Die sucht nun nach dem Übeltäter, der vermutlich Bombendrohungen gegen weitere Heime in Borna und Groitzsch aussprach, über 200 Senioren in Angst und Schrecken versetzte und gefährdete. In Groitzsch hatten Sonntagnacht gegen 21.30 Uhr 69 Bewohner evakuiert werden müssen. Sie konnten erst nach Freigabe des Heimes gegen 2.30 Uhr wieder zurück. In Grimma war die Drohung Montag gegen 8.24 Uhr per Telefon ausgesprochen worden. Dort mussten 48 Bewohner, davon laut Polizei sechs bettlägrige, das Heim verlassen. Erst gegen 12.35 Uhr kam dort Entwarnung. Gegen Einrichtungen in Geithain (15.50 Uhr) und Wurzen (15.40 Uhr) gingen am Montag weitere Drohungen ein. Diese seien kein Kavaliersdelikt, warnt die Polizei. Sie versprach drastische Strafen, auch der Polizeieinsatz werde in Rechnung gestellt.

Von Jörg ter Vehn

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