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Markranstädt Archäologen entdecken bei Räpitz jahrtausendealte Siedlungsspuren
Region Markranstädt Archäologen entdecken bei Räpitz jahrtausendealte Siedlungsspuren
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11:48 23.07.2018
Grabungsleiter Marcin Dalidowski freut sich, wenn er solche Scherben im Boden entdeckt. Sie verraten ihm die Zeitepoche des Fundes. Quelle: Fotos: André Kempner
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Räpitz

Auf den ersten Blick handelt es sich bei der Grabungsfläche um eine unspektakuläre Baustelle. Eigentlich ist sie das auch, denn die Ontras Gastransport GmbH will hier die Ferngasleitung 32 erneuern. Ungewöhnlich für eine Baustelle sind lediglich die in den Boden gesteckten Sticker mit nummerierten Zetteln. Sie markieren archäologische Funde.

„In der Fachsprache ist das, was wir hier tun, eine Rettungsgrabung“, erklärt Projektleiterin Yvonne Heine. Da bei den kommenden Bauarbeiten zur Verlegung der Gasleitung die archäologische Situation im Boden unwiederbringlich zerstört wird, muss sie jetzt aufgenommen und gesichert werden.

Nachdem der Boden fast schon scheibchenweise abgetragen wurde, kommen im hellen Erdreich plötzlich dunkle, kreisrunde Stellen zum Vorschein. Grabungsleiter Marcin Dalidowski erklärt deren Ursprung. „Das sind höchstwahrscheinlich Abfallgruben aus der späten Bronzezeit, vielleicht auch schon aus der Eisenzeit.“ Genau könne man das erst nach einer exakten Untersuchung mit Bodenanalyse feststellen.

Allerdings gäbe es mitunter auch ­Funde, die von Archäologen bereits auf den ersten Blick einer bestimmten Epoche zugeordnet werden können. Christoph Heiermann, Referatsleiter im Dresdener Landesamt für Archäologie, zeigt auf einen Tisch, auf dem Bruchstücke gefundener Gefäße liegen. „Das sind eigentlich die wichtigsten Indizien zur jeweiligen Epoche. Anhand der Fertigungsart, Zusammensetzung und Gestaltung kann der Zeitraum, in dem sie hergestellt wurden, ziemlich genau datiert werden.“ In diesem Fall handelt es sich vorwiegend um Keramik aus der Zeit um 800 v. Chr.

Auch für den Laien deutlich erkennbar ist eine Fundstelle am Rande des Grabungsfeldes. Dass es sich bei dieser Ansammlung von Bruchziegeln aber um die Reste eines etwa 3000 Jahre alten Ofens handeln könnte, kann nur der Profi sehen. „Hundertprozentig sind wir uns da auch noch nicht sicher, aber es deutet vieles darauf hin. Deutliche Hinweise auf Hitzeeinwirkung, die Lage der Bruchstücke oder Spuren von Brandrückständen lassen auf einen Ofen schließen“, erläutert Yvonne Heine.

Die ältesten bei Schkeitbar gemachte Funde werden auf das vierte Jahrtausend v. Chr. datiert. Unter den zahlreichen geborgenen Fundstücken befindet sich übrigens auch das Skelett eines Hirsches, das gegenwärtig in Dresden untersucht wird.

Die bereits im Frühsommer begonnenen Rettungsgrabungen bei Schkeitbar befinden sich inzwischen in der Endphase. Ende August sollen sie abgeschlossen werden. Markranstädts Erste Beigeordnete Beate Lehmann regte bei einem Besuch vor Ort an, dass zuvor noch eine öffentliche Führung für interessierte Bürgerinnen und Bürger organisiert wird. Heiermann griff diese Idee gern auf.

Die Führung durch die Ausgrabungsstätte soll Mitte August stattfinden, der genaue Termin werde rechtzeitig bekanntgegeben.

Von Rainer Küster

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