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Markranstädt Aufstand der Betagten gegen Schließpläne in Großlehna
Region Markranstädt Aufstand der Betagten gegen Schließpläne in Großlehna
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07:00 17.02.2017
Mehr als erwartet: Über 150 meiste betagte Mitbürger demonstrieren in Großlehna für den Erhalt der Sparkassen-Filiale. Quelle: Foto: A. Kempner
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Markranstädt

Das gibt es nicht alle Tage: In Großlehna wurde demonstriert. Die beabsichtigte Schließung der Sparkassenfiliale zum Jahresende (die LVZ berichtete) trieb am Donnerstagnachmittag über 150 meist betagte Einwohner zum Protest auf die Straße.

Sie kam mit dem Rollator, darauf ein Schild, mit dem sie gegen die Schließpläne demonstrierte: Monika Freyer (76) war eine der vielen Demonstrantinnen. Sie müsse sich bei der Sparkasse immer ihre Rente abholen und im Ort einkaufen für sich und ihren Mann. „Einen Computer haben wir nicht und in den Bus komme ich mit dem Rollator nicht“, erklärte sie. „Wenn die uns jetzt die Sparkasse schließen, sind wir erschossen.“

Etwas weniger drastisch formulierte es Versammlungsleiterin und Stadträtin Judith Heine. Sie hatte mit dem CDU-Ortsverband zu der Protestaktion aufgerufen. Heine wies auf den Versorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Institutes Sparkasse hin. Für viele ältere Bürger aber sei es eine Zumutung, künftig die Strecke nach Markranstädt mehrmals im Monat zurückzulegen, um ans Bargeld zu erlangen. Von der Politik werde immer wieder von der Aufwertung des ländlichen Raumes gesprochen. „Mit der Entscheidung der Sparkasse wird das genaue Gegenteil erreicht“, sagte Heine. Es habe den Anschein, dass der Rückzug der Sparkasse der erste Schritt sei. „Wann verlieren wir den öffentlichen Nahverkehr oder den Supermarkt?“, fragte sie und mahnte gleich auch noch das zu langsame Internet im Ort an.

Auf politischer Ebene gab es bereits Protest. Der CDU-Fraktionsvorsitzenende Michael Unverricht hat sich bei Landrat Henry Graichen (CDU), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Sparkasse, über das Vorgehen beschwert. „Dass man vorher nicht mit den Betroffenen redet und wir auch als Stadt nicht informiert wurden über die Pläne, das ärgert mich“, erklärte Unverricht am Donnerstag.

Bürgermeister Jens Spiske (FWM) machte den Demonstranten Mut, unterschrieb wie fast 180 Einwohner am ersten Tag eine Petition zum Erhalt der Filiale. Er sei selber überrascht worden von den Plänen. Mit viel Fördergeldern werde versucht, den ländlichen Raum aufzuwerten, „aber das Gegenteil passiert jetzt“, sagte er. Die Sparkasse müsse auch an ihre Verantwortung gegenüber den Bürgern denken. „Es ist ja nicht nur die Bank. Da hängt viel mehr dran“, sagte Spiske mit Blick auf die Geschäfte. Er treffe sich nächsten Mittwoch 15.30 Uhr mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse zum Gespräch, lud die Bürger ein, sich vor dem Rathaus zu versammeln.

Auch Heine hat ein Gespräch mit einem Bank-Verantwortlichen, will auch nach Kompromissen suchen. „Wir fordern den Erhalt unserer Filiale, eventuell auch in anderer Form“, verlangte sie. „Wir müssen nur an unser Bargeld kommen“, sagte Heine unter dem Applaus der zumeist betagten Demonstranten.

In Großlehna und Altranstädt leben gut 3500 Menschen. Bereits 2008 hatte die Filiale vor der Schließung gestanden. Nach Protesten im Ort wurden „nur“ die Öffnungszeiten drastisch verkürzt. Nun will die Sparkasse im Kreis zwei Filialen und vier SB-Standorte dicht machen.

Von Jörg ter Vehn

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