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Beim „Toilettenschlösschen“ am Kulkwitzer See geht alles von vorne los

Gebäude abgerissen Beim „Toilettenschlösschen“ am Kulkwitzer See geht alles von vorne los

Alles auf Null: Nach dem Abbruch des offenbar doch zu maroden alten Toilettenhäuschens am Kulkwitzer See hat die Stadt am Donnerstag angekündigt, über das umstrittene Projekt nochmal komplett neu beraten zu wollen.

Abriss: Das ehemalige Toilettenhäuschen am Kulkwitzer See sollte umgebaut und modernisiert werden. Wegen statischer Probleme musste es nun ganz fallen

Quelle: Kempner

Markranstädt. Von wegen Notdurft am Kulkwitzer See: Der Umbau des Toilettenhäuschens am Parkplatz Oststraße verzögert sich weiter, geht de facto von vorne los.

Im Februar hatte der Stadtrat Umbau und Modernisierung des ehemaligen, inzwischen ungenutzten Toilettenhäuschens beschlossen. Obwohl als schnelle Maßnahme für die Notdurft der Seebesucher gedacht und mit Fördergeld in Höhe von rund 75 Prozent der Kosten geplant, verzögerte sich der Bau von Anfang an. Mittwoch nun rutschte das DDR-Gemäuer bei Teilabrissarbeiten ganz in sich zusammen.

Bauamtschefin Uta Richter hatte im Stadtrat vorige Woche noch von „nicht verzahnten Wänden“ und von einem „fehlenden Ringanker“ an dem Haus gesprochen und den Teilabriss angekündigt. Da hatte Stadträtin Kirsten Geppert (FWM) auch beantragt, diese Phase zu nutzen und die Anlage kleiner zu planen. Der Bau sei an dieser Stelle keinem Bürger mehr zu vermitteln, meinte sie.

Tatsächlich sollten in dem 1985 von den Mitgliedern des „1. SG Segeln Kulkwitzer See“ erbauten Häuschen drei Damen-WC, zwei Herren-WC, zwei Urinale und als Besonderheit ein Behinderten-WC samt Dusche untergebracht werden. Kosten: rund 150 000 Euro. Dabei hatte der Aktionskreis „Modernes Markranstädt-Barrierefrei“ um Lutz Gatter schon vorab seine Bedenken geäußert. Schließlich sei die Behinderten-Badestelle fast einen Kilometer entfernt. Und es werde wohl kein Rollstuhlfahrer dort hinten baden und sich am Parkplatz Ostraße umziehen, aufs Klo oder Duschen wollen, hieß es damals. Denn: Parkplätze für Behinderte stehen nahe dem Einstieg an der Meri-Sauna bereits zur Verfügung. Ein Behinderten-WC gehöre an die Badestelle, meinte auch Stadträtin Rosel Glöckner (SPD) .

Eddy Donat (FWM) prägte danach den Begriff des „Toilettenschlösschens“. Bürgermeister Jens Spiske (FWM) setzte den Beschluss trotzdem mit der CDU-Mehrheit durch. Immerhin: Laut Bebauungsplan hätte sowieso ein WC an der neuen See-Promenade gebaut werden müssen.

Seit dem Herbst wird nun an dem Bau gearbeitet. Erst danach wurde im Stadtrat etwas von statischen Problemen bekannt, die diese Woche nun zum Abbruch führten. Das habe bei ihr das Problem wieder hochkochen lassen, so Glöckner am Donnerstag. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, ein Umdenken einzuleiten. Gatter pflichtete ihr bei: „Toiletten am See sind zwar immer gut, aber wenn sie verlegt werden würden, wäre mir das lieber.“ Glöckner beantragte, das Projekt umzuplanen. Vielleicht könne man auch zwei Gebäude an den entsprechenden Badestellen bauen, meinte sie.

Richter kündigte am Donnerstagnachmittag nach einem Gespräch mit Spiske an, wegen der aktuellen Entwicklung das ganze Vorhaben – auch Größe und Standort – nochmal zur Diskussion zu stellen. Die Fördermittel müssten erst 2017 abgerechnet werden, die Saison sei beendet, es gebe aktuell also keine Eile. Alles könne nochmal in Ruhe beraten werden.

Von Jörg ter Vehn

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