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Markranstädt Bewerber auf beiden Seiten der Stände
Region Markranstädt Bewerber auf beiden Seiten der Stände
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06:02 26.09.2018
60 regionale Unternehmen präsentierten sich den über tausend Besuchern. Bewerbungen gab es auf beiden Seiten der Tische, sowohl um Ausbildungsplätze als auch um Lehrlinge.
Markranstädt

Die Bewerbungszeit für den Ausbildungsjahrgang ab 2019 läuft. Für rund 160 Markranstädter Schülerinnen und Schüler stellen sich in den kommenden Wochen die Weichen für ihren Start ins Berufsleben. Wichtige Informationen und Orientierungshilfen bei der Berufswahl gibt es traditionell auf der Markranstädter Unternehmermesse MUM. Die zehnte Auflage dieser Veranstaltung zeigte vor einigen Tagen auch den Unternehmen, wohin die Reise geht.

Die Zeiten, da ganze Schulklassen auf der Jagd nach Kugelschreibern oder Schlüsselbändern durch die Gänge zogen, sind vorbei. „Die Schülerinnen und Schüler kommen heute mit ganz gezielten Fragen und Vorstellungen. Darauf müssen auch wir als Aussteller uns ganz anders vorbereiten als noch vor einigen Jahren“, sagt Anja Merkel. Ihr Unternehmen für Glas- und Gebäudereinigung ist seit der ersten Messe dabei und agiert deshalb im Jubiläumsjahr der 10. MUM als Schirmherr. Merkel hat den Wandel hautnah miterlebt. Aus der Suche nach Ausbildungsplätzen ist die Suche nach Auszubildenden geworden.

Praxisnahe Berufsorientierung: Wie hier am Stand der Markranstädter Heinrich Schmid GmbH & Co. KG hatten die Messebesucher auch bei vielen anderen Ausstellern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Eignung zu testen. Quelle: Rainer Küster

Auch Handwerksmeister Mike Schärschmidt aus Großlehna weiß um die Veränderungen. „Wir haben uns schon immer sehr engagiert um die Gewinnung von Nachwuchskräften bemüht. Die Erfahrungen daraus kommen uns heute zugute, aber es wird immer schwerer.“ War es in der Vergangenheit so, dass sich die Schulabgänger bei den Unternehmen bewarben, sei es vor allem im Handwerk heute oftmals fast schon umgekehrt. Die dafür sprechenden Indizien waren in der Messehalle allgegenwärtig. Fast jedes der 60 in diesem Jahr auf der MUM vertretenen Unternehmen bot den jungen Interessenten auch gleich ein Praktikum an.

Moritz ist 15 und wohnt in der Nachbarstadt Lützen. Da seine Schule keinen Messebesuch anbietet, ist er nach Schulschluss auf eigene Faust nach Markranstädt zur MUM gekommen. Er will Verwaltungsfachangestellter werden, informiert sich aber auch an Schärschmidts Stand über den Beruf eines Heizungs- und Sanitärinstallateurs. „Es ist immer gut, wenn man noch einen Plan B in petto hat“, meint der Schüler der 10. Klasse, lässt aber dennoch keinen Zweifel daran, dass er an seinem Berufswunsch unbedingt festhalten will. Mike Schärschmidt versteht das. Muss er auch. Dennoch gibt der Chef der Firma für Sanitär, Heizung und Klima dem jungen Mann mit auf den Weg: „Ein Computer bringt dir kein Wasser aus dem Hahn.“ Das versteht auch Moritz, bleibt aber bei Plan A.

Handwerk bei jungen Leuten verpönt?

„Das ist das Problem“, meint Schärschmidt, „Tätigkeiten im Bauhandwerk waren lange Zeit verpönt, was sich auch auf das Handwerk allgemein ausgewirkt hat. Jetzt ist es schwer, junge Menschen dafür zu begeistern.“ Neben dem täglichen Wettbewerb in der Wirtschaft habe sich nun auch ein Wettbewerb um Auszubildende entwickelt.

Der treibt die Unternehmen zu Angeboten, die noch vor Jahren undenkbar waren. So lockt das in der Region vor allem für seine Grillhähnchen bekannte Unternehmen „Max & Moritz“ auf der MUM beispielsweise mit der Offerte, dass man seinen Auszubildenden den Erwerb des Führerscheins finanziert. Andere Firmen richten ihre Werbung um Fachpersonal verstärkt an Pendler, Rückkehrer aus den alten Bundesländern und Berufsumsteiger.

Platz für Rückkehrer und Umsteiger

Auch dafür bot die MUM ein ideales Podium. „In den Markranstädter Unternehmen stehen zur Zeit 230 Ausbildungsplätze zur Verfügung“, weiß Beate Lehmann, Erste Beigeordnete im Markranstädter Rathaus. „Der Bedarf an Fachkräften ist aber weitaus höher, deshalb haben wir auf der Messe in diesem Jahr auch dem Potenzial aus der Rückkehr abgewanderter Facharbeiter und der beruflichen Neuorientierung ausreichend Raum gewidmet.“

Die Resonanz auf die diesjährige MUM, die sich inzwischen zu einer regional sehr gut angenommenen Berufsorientierungs- und Verbrauchermesse gemausert hat, war sowohl bei den Besuchern als auch den Ausstellern sehr positiv. Auch für Anja Merkel und Mike Schärschmidt hat sich der Aufwand gelohnt. Beide Unternehmen konnten einen Auszubildenden gewinnen: Merkel eine angehende Gebäudereinigerin, Schärschmidt einen jungen Mann, der einmal als Heizungs- und Sanitärinstallateur seinen Mann stehen will.

Von Rainer Küster

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