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Markranstädt Bilder, Tisch, Stuhl und Tintenfass unter Denkmalschutz gestellt
Region Markranstädt Bilder, Tisch, Stuhl und Tintenfass unter Denkmalschutz gestellt
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13:53 19.05.2015
Der Sessel links ist eher Theaterkulisse, der rechte gehört jetzt wie der Tisch und das Tintenfass zum Denkmalinventar des Altranstädter Friedenszimmers. Quelle: André Kempner

"Eine Verbringung aus dem Schloss ist nicht möglich", erläutert die Erste Beigeordnete der Stadt Markranstädt, Beate Lehmann, den Bescheid.

Im Schloss war 1706/1707 Geschichte geschrieben worden. Bekanntlich zwang hier der schwedische König Karl XII dem sächsischen König August II den Verzicht auf die polnische Krone ab. Kurz darauf wurde in der Altranstädter Konvention den Schlesiern in Polen die Glaubensfreiheit zuerkannt, was noch heute in Polen gewürdigt wird.

Im 19. Jahrhundert richtete die Eigentümerfamilie von Hohenthal das Friedenszimmer ein. Historische Porträts, Stuhl und ein barocker Tisch samt Tintenfass, um den herum damals verhandelt worden sein soll, ließen die Geschichte wieder erlebbar werden. Zwar scheiterten nach der Wende die Rückübertragungsansprüche der Familie. 16 Gegenstände aus dem Zimmer, darunter neun Bilder, der geschnitzte Barockstuhl und auch das bleierne Tintenfass, sprach das Landesamt aber der Prinzessin zu. In diesem Herbst läuft nun die kostenlose Nutzung der Gegenstände aus.

Die Stadt Markranstädt und der Schlossverein bemühen sich seit langem, eine Lösung mit der Familie zu erreichen. Man stehe dazu in Kontakt mit dem beauftragten Rechtsanwalt, so Lehmann. Wunschtermin für die Unterzeichnung einer Vereinbarung sei das Schlossfest Anfang September gewesen. Der Anwalt habe aber den Termin kurzfristig abgesagt, von der Prinzessin sei nicht bekannt, ob sie kommen wolle.

"Wir haben immer ein gutes Verhältnis zu den von Hohenthals gehabt", erzählt Wolfgang Heinichen vom Schlossverein. Die Prinzessin sei daher oft eingeladen worden, aber leider nie erschienen. Er hofft wie alle aus dem Verein auf eine gütliche Einigung. Wie auch die Stadt: "Es ist uns ein Bedürfnis, auf die rechtmäßigen Eigentümer der Gegenstände im Schloss zu verweisen", so Lehmann. Gedacht sei etwa an eine Tafel, die in angemessener Weise auf die Eigentümer verweise.

14 Teile des Zimmers, darunter zwei Fensterscheiben mit vermutlich von Karl XII geritzter Inschrift, neun Bilder und das Tintenfass, erklärte der Denkmalschutz als räumlich verbundenes Kulturgut. Die Gegenstände hätten einen besonderen Wert für die geschichtliche Aussagekraft des Schlosses als Zeugnis zu historischen Ereignissen, so das Amt.

Vereinsmitglied Rainer Krumrey, selber vom Denkmalfach, hält die Unterschutzstellung für außerordentlich wichtig. "Bislang wurde das Zimmer nicht als Sachgesamtheit gesehen. Jetzt ist klargestellt, dass es den Zeugniswert schmälern würde, wenn Teile des Inventars fehlen." Nicht aufgenommen worden sei übrigens der barocke Schnitzsessel, so Krumrey. Der Sessel sei deutlich jünger, eher eine Art Theaterrequisite.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.08.2014
Jörg ter Vehn

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