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Bürgermeister Spiske platzt heraus: „Das lasse ich mir nicht bieten"

Wegen Gesprächsangebot Bürgermeister Spiske platzt heraus: „Das lasse ich mir nicht bieten"

Dicke Luft im Rathaus: Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler) verwahrte sich am Montagabend beim Technischen Ausschuss dagegen, dass Stadträtin Ingrid Barche (Bürger für Markranstädt) versucht hatte, mit Rathausmitarbeitern über die Kosten beim Grundschulanbau zu reden – ohne ihn.

Die öffentliche Aufarbeitung der Ursachen für die Mehrkosten beim schönen Grundschulanbau kommt nicht voran, sorgt jetzt erneut für Zoff im Rathaus.

Quelle: Andre Kempner

Markranstädt. Dicke Luft im Rathaus: Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler) verwahrte sich am Montagabend beim Technischen Ausschuss dagegen, dass Stadträtin Ingrid Barche (Bürger für Markranstädt) versucht hatte, mit Rathausmitarbeitern über die Kosten beim Grundschulanbau zu reden – ohne ihn.

„Das lasse ich mir nicht bieten“, donnerte der Stadtchef am Ende der Sitzung los. „Ich will wissen, wer mit wem in der Stadtverwaltung kommuniziert!“, polterte er. Ein lauter Knall von seinem Tisch beendete dann die Sitzung. Die Fortsetzung folgte am Dienstagabend beim Ältestenrat, der ebenfalls über das Thema beraten wollte. Sie habe im Vorfeld aber Anrufe von allen Fraktionsvorsitzenden (bis auf die der Freien Wähler) erhalten, die ihr Unterstützung zugesagt hätten, so Barche Dienstagmittag.

Sie habe nur ein Gespräch zwischen dem Akteneinsichtsauschuss und der Verwaltung in Gang bringen wollen, das im Übrigen auch von den betroffenen Rathausmitarbeitern so gewünscht gewesen sei, hatte Barche im Ausschuss ihr Ansinnen erläutert. Der Kreis der Betroffenen habe im Übrigen schon einmal so getagt, als diese Verwaltungsmitarbeiter im Januar ihre Sicht auf die Mehrkosten in einem Bericht vorgelegt hätten. Vorige Woche nun sei dieser Bericht endlich den Fraktionsvorsitzenden übergeben worden. Der komme jedoch zu ganz anderen Ergebnissen als ihrer. Da habe sie Bedarf gesehen, ein neuerliches Gespräch über die Inhalte in Gang zu bringen, so Barche.

Die Finanzexpertin, die viele Jahre in einem Weltunternehmen in verantwortlicher Position tätig war, war einer der treibenden Kräfte in dem Akteneinsichtsausschuss, der die 414 000 Euro Mehrkosten beim Grundschulanbau untersuchte. Wie berichtet, listete der Abschlussbericht bereits vor einem Dreivierteljahr etliche Versäumnisse und Schwachstellen in der Verwaltung auf, die zu der 42-prozentigen Verteuerung des Baus geführt hätten. Der Ausschuss wandte sich an den Landkreis um Prüfung der Vorgänge. Beim jüngsten Stadtrat hatte Spiske kurz über die mehrseitige Antwort berichtet, die er von der Kommunalaufsicht erhalten hatte. Barche schrieb darauf den Landrat persönlich an. Aus den „oberflächlichen Erörterungen“ des Bürgermeisters könne der Ausschuss kein Ergebnis der Prüfung eruieren, so Barche. „Uns bleibt auch verborgen, ob wir vollumfänglich durch den Bürgermeister informiert worden sind“, so Barche skeptisch.

Derweil Stadtrat Eddy Donat (Freie Wähler) das gewünschte Gespräch vor allem wegen der kurzfristigen Einladung ablehnte, verteidigte Jens Schwertfeger (CDU) das Ansinnen. Ingrid Barche habe nur versucht, etwas Nötiges wieder anzukurbeln, sagte er. Spiske erwiderte, er lasse sich nicht das Zepter aus der Hand nehmen, der Akteneinsichtsausschuss dürfe kein Eigenleben entwickeln, sei nur zu seiner Unterstützung da.

Da irrte der Bürgermeister. Laut Sächsischer Gemeindeordnung dient ein solcher Ausschuss einzig der Information des Stadtrates.

Büßen musste Barche dennoch. Sie hatte Ende Februar als Göhrenzer Ortschefin der Verwaltung mitgeteilt, fünf Container auf der Festwiese aufstellen zu wollen. Diese könnte der Ortschaftsrat für seine nicht-öffentlichen Sitzungen nutzen, auch der Heimatverein. Für beides gebe es Bedarf, bat Barche am Montagabend um Unterstützung. Das Angebot für die kostenlosen Container gelte nur bis Ende April, drängte sie auf eine Entscheidung. Spiske ließ sie abblitzen. Es könnten Kosten entstehen, er sehe den Bedarf nicht, habe erst vor drei oder vier Wochen davon gehört und nehme sich die Zeit für die Entscheidung, hatte Spiske kühl geantwortet.

Von Jörg ter Vehn

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