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Markranstädt DRK-Sozialstation Markranstädt lädt drei Familien zum Weihnachtsessen ein
Region Markranstädt DRK-Sozialstation Markranstädt lädt drei Familien zum Weihnachtsessen ein
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08:00 24.12.2012
Festessen in Familie: Mandy Mühlbach lässt es sich mit Emily, Richard, Philipp und Cheyenne (von links) schmecken. Quelle: Armin Kühne
Markranstädt

Etwas befangen stehen die neun Kinder und drei Erwachsenen am Samstagmittag auf dem Markt. Sabine Niedermeyer, Leiterin der DRK-Sozialstation in der Zwenkauer Straße, begrüßt ihre Gäste mit Adventssträußen. Als die vier Jahre alte Cheyenne den Korb mit Kuscheltieren im Restaurant entdeckt, steigt die Stimmung schlagartig. Mandy Mühlbach dirigiert ihre drei Großen an die festlich gedeckte Tafel, den einjährigen Richard hat sie auf dem Arm.

Die 32-Jährige ist alleinerziehende Mutter von fünf Kindern. Der Älteste, der 14 Jahre alte David, ist nicht mitgekommen. Auf die Frage, wann sie zum letzten Mal gemeinsam essen waren, muss die junge Frau eine Weile überlegen. „Ich glaube, das ist zwei oder drei Jahre her. Auf jeden Fall haben die Großeltern bezahlt.“ Mandy Mühlbach ist auf Hilfe angewiesen. Jeden Donnerstag holt sie Lebensmittel bei der Tafel in der Leipziger Straße. Viel lieber würde sie wieder als Altenpflegerin arbeiten und auf eigenen Beinen stehen: „Wenn ich endlich einen Krippenplatz für Richard hätte, könnte ich zumindest Teilzeit gehen. Bis das klappt, muss ich das Loch mit der Tafel stopfen.“

Damit die Mühlbach-Kinder am Heiligen Abend Geschenke unterm Baum finden, hat Mutter Mandy schon im Sommer angefangen zu sparen. „Ich wünsche mir eine Kutsche für Rapunzel“, verrät Cheyenne bei der Vorsuppe. Ihr zwölf Jahre alter Bruder Philipp möchte Computerspiele und einen ferngesteuerten Dinosaurier.

Am Nachbartisch wird gerade der Hauptgang – Entenkeule mit Rotkraut und Klößen, für die Kinder wahlweise Pommes mit Hühnchennuggets – serviert. Salvatore schmeckts. Der Neunjährige strahlt übers ganze Gesicht. Seine Mutter Sandy Wahler sitzt mit ihrem Mann und fünf der insgesamt sechs Kinder im „Rosenkranz“. „Das war eine schöne Überraschung. In einem Restaurant sind wir zuletzt vor sieben Jahren gewesen“, so die 32-Jährige. Ihren Großen – dem fast 15 Jahre alten Nicolo und dem 13 Jahre alten Pierre-Angelo – ist die Sache unangenehm. Leonardo, Jackelin und Salvatore schwatzen derweil munter über ihre Wunschzettel. Mama Sandy verrät: „Ich habe gar nicht alles besorgen können.“ Auch bei den Wahlers ist das Geld knapp. Dabei arbeitet der Vater als Maschinenführer im Schichtdienst.

Mit Verspätung trudelt Familie Pfeifer aus Seebenisch ein. „Entschuldigung, aber ich habe letzte Nacht gekellnert und heute Morgen noch Salat mit dem LKW ausgefahren“, erklärt die 30-jährige Michaela Pfeifer. Auch sie hat sich über das Essen sehr gefreut. „Obwohl wir beide arbeiten, ist so was bei uns sonst nicht drin.“

Sabine Niedermeyer kennt viele solcher Geschichten. Mit vier Ehrenamtlichen unterstützt das DRK seit der Eröffnung 2008 die Tafel-Ausgabestelle in Markranstädt. Sie hatte auch die Idee für das „Weihnachtsdinner“: „Finanziert wird das Essen von Gewerbetreibenden, die für unsere Tombola beim Sommerfest Preise zur Verfügung gestellt hatten. Ich kann mich nur bei allen noch mal ganz herzlich bedanken.“

Zum Nachtisch gibt’s für alle Eis. Und die Frage, was sie sich für 2013 wünschen: „Reichtum“, platzt Philipp heraus. Seine Mutter schmunzelt: „Naja, ich hoffe einfach, dass wir alle gesund bleiben und unsere wirtschaftliche Situation besser wird.“

Ulrike Witt

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