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Markranstädt Das höchste Antiquariat in Sachsen
Region Markranstädt Das höchste Antiquariat in Sachsen
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09:00 29.12.2017
Wie bei „Bares für Rares": Fördervereinschef Burkhard Schmidt in der Antikstube im Kirchturm der St. Laurentiuskirche in Markranstädt. Quelle: Andre Kempner
Markranstädt

Der Förderverein der St. Laurentiuskirche in Markranstädt ist seit Jahren überaus aktiv, begleitet erfolgreich die Sanierung. Einen gehörigen Batzen der Finanzierung spült das Antikkabinett im Kirchturm in die Kassen.

Seit 1997 ist Burkhard Schmidt Vorsitzender der 28 Vereinsmitglieder und grübelt, wie er an Spenden und Geld kommen könnte. Förderungen durch die Stadtverwaltung, das Amt für Denkmalschutz oder das Landeskirchenamt bedingen immer eine große Portion Eigenmittel. Sein Slogan, den er mit einem Augenzwinkern verkündet, ist seine Motivation: „Wir haben keine Burg und keinen Fluss, aber eine ganz passable Kirche in der Stadt. Wenn wir die auf Vordermann bringen, haben wir etwas zum Vorzeigen.“

Ein Blick auf und in die Kirche zeigt, dass sich alle Mühen gelohnt haben. 1998 endete die erste Bauphase mit der Einweihung des restaurierten Kirchturms. Ein Jahr später war die Eindeckung des Norddachs geschafft. Das Gestühl wurde in Eigenarbeit aufgehobelt und angestrichen. Das Triptychon von 1568 strahlt seit 2008 in neuer Pracht, die den Betrachtern rund 300 Jahre verborgene Schönheiten und Details offenbart. Im Januar 2006 wurde die Kreutzbach-Orgel demontiert, die alten Zinkflöten durch wohlklingende aus Zinn ersetzt. Eine Idee, Geld dafür zu sammeln, wurde vor vielen Jahren mit dem Tag des offenen Denkmals geboren: Man veranstaltete einen Trödelmarkt.

Einige Dinge blieben übrig, neue kamen hinzu. Je nach Blickwinkel sind so manche Kleinode zu finden. So ist die Sammlung sächsischer Gesetzbücher eine Rarität „für denjenigen, der sie brauchen kann“. Die Nachfrage nach Glas habe in den letzten Jahren zugenommen, erzählt Schmidt. Porzellan sei momentan weniger gefragt, das könne man gleich selbst zerdeppern. Stoff für Bücherwürmer stapelt sich. „Wir sind das höchste Antiquariat im Freistaat“, vermutet der Fördervereinschef. Überhaupt gehörten beim Feilschen Fachwissen als auch eine Portion Humor zum Geschäft. Wenn Profis unterwegs seien, müsse man aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. „Manchmal geht es bei uns zu wie bei der Fernsehsendung ,Bares für Rares’“, schmunzelt er. Erstaunlich, dass gelegentlich die vermeintlich guten Sachen liegenblieben, dafür aus der Kiste mit den ausrangierten Schätzchen wie Puppen ohne Arme oder Bücher ohne Deckblatt gekauft wird. Auch Kurioses hat Schmidt schon erlebt, als eine ältere Dame ihre Puppe wiedergefunden hat, die seit Jahrzehnten verschollen war.

Fertig mit der Arbeit sind Schmidt und der Förderverein nie. Als nächstes müsse der Glockenstuhl erneuert werden. „Das sind enorme Kosten, ein Gutachten soll erst einmal Aufschluss darüber geben, wie lange wir noch haben“, sagt er und krempelt wieder die Ärmel hoch. Obwohl er sein Amt mit Leib und Seele ausführt, wäre er für einen Nachfolger dankbar. Den würde er sicher unterstützen, denn eine Sache ließe er sich nicht aus der Hand nehmen: „Ich bin wohl der einzige, der die Turmuhr stellen kann.“

Das nächste Mal sind der Kirchturm und damit das Antikkabinett zu Silvester geöffnet. „Wenn die Sicht gut ist, können wir erkennen, wo in Leipzig das meiste Geld verballert wird“, sagt Schmidt mit einem Augenzwinkern.

Von Gislinde Redepenning

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