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Markranstädt Desinteressierte Schüler: ?Einstellung ist das Hauptproblem?
Region Markranstädt Desinteressierte Schüler: ?Einstellung ist das Hauptproblem?
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17:06 19.05.2015
Nachwuchsprobleme in den Firmen, aber desinteressierte Schüler: die Teilnehmer des Unternehmerfrühstücks gestern vor dem LAV-Firmensitz. Quelle: André Kempner

Beim Unternehmerfrühstück gestern versuchten Firmen, Stadtverwaltung, Regionalschulamt und Mittelschule, eine Lösung des Dilemmas zu finden.

Rund 120 Lehrstellen gebe es in Markranstädt, erklärte die Erste Beigeordnete der Stadt, Beate Lehmann. Trotzdem höre sie immer wieder von den Firmen, dass sie nur wenig Bewerbungen aus Markranstädt bekämen. "Bei jährlich rund 170 Absolventen unserer beiden schulischen Einrichtungen wundert das schon", sagte sie.

Das halbe Dutzend Firmenvertreter, die der Einladung der Stadt zum Unternehmerfrühstück gefolgt war, bestätigte die schwache Bewerberlage aus Markranstädt. Kai Bräunig vom Traditionsunternehmen Farben Petzold aus Frankenheim erklärte denn auch, er habe meist nur schlechte Erfahrungen auch mit den Schnuppertagen von Schulen in der Firma gehabt. "Die Motivation der Schüler ist grausam", meinte Bräunig. Dabei bilde Petzold unter anderem Lageristen und Industriekaufleute aus.

Tilo Bleichrodt, Niederlassungsleiter des Baustoff-Großhändlers Mobau ebenfalls in Frankenheim, kann ähnliche Berufe anbieten. "Aber die Einstellungen, Ansichten und Erwartungen an die Arbeit haben sich komplett abgelöst von dem, was wir bieten können", meinte er. Acht Bewerbungen habe er unlängst vorliegen gehabt, "alle nicht von hier", am Ende habe er vier in die engere Wahl gezogen, von denen zwei gar nicht erst gekommen seien und zwei abgesagt hätten, weil sie "etwas Besseres gefunden hätten", wie er sagte.

Gute Auszubildende zu bekommen sei in den letzten Jahren schwieriger geworden, berichtete auch Karl Heinz Seifert von der Firma Bituleit. Die Firma bilde Straßen- und Tiefbauer aus, sei bundesweit aktiv. "Die Einstellung der Leute ist das Hauptproblem", erklärte Matthias Hoger vom Landwirtschaftlichen Verarbeitungszentrum Markranstädt (LAV) seine Sicht. "Die Motivation ist nur das Geld." Um das zu verdienen, müsse aber eine Leistung erbracht werden. Oft mangele es an den einfachsten Umgangsformen, wie dem Respekt etwa vor dem Ausbilder oder dem Chef.

Dabei ist die LAV, die auch Gastgeber des Frühstücks war, mit ihren 135 Mitarbeitern wohl einer derjenigen Betriebe der Stadt, die eine Ausbildung in besonders vielen Berufen ermöglicht. Hoger nannte als Beispiel Berufskraftfahrer, Speditionskaufmann, Landmaschinenschlosser und Baumaschinenführer. Die LAV habe wegen ihrer schlechten Erfahrungen auch überlegt, Ausbildung ganz bleiben zu lassen, sich aber dagegen entschieden, sagte er. Der Betrieb wolle Schüler aller Einrichtungen eine Ausbildung anbieten, entscheidend seien weniger die Zeugnisse als die Bereitschaft zu lernen und zu arbeiten.

Unklar blieb in der Runde, wieviele Markranstädter Schüler jedes Jahr keine Lehrstelle finden und quasi arbeitslos in berufsbegleitenden Maßnahmen "geparkt" werden. Gabriele Reißmann, seit August Leiterin der Mittelschule, berichtete von ihren 19 Hauptschülern, die bald abgingen. "Zwei bis drei" hätten ihr bislang von einer Lehrstelle erzählt.

Veronika Seidel vom Regionalschulamt und Reißmann erläuterten das umfangreiche Angebot der Berufsorientierung, der Praktika und der vorbereitenden Kurse und mehr für die Schüler. Warum ein Bildungsträger kurzerhand ein Praktikum zwei Wochen vorfristig beendete - und so der Firma keine Zeit für ein Abschlussgespräch mit dem Schüler ließ - konnten sie nicht beantworten.

Seidel betonte die gute Errungenschaft der Markranstädter Unternehmer Messe (MUM) im Herbst, von der die Firmenchefs allerdings nichts Gutes über die Schüler berichten konnten. Diese seien schlecht oder gar nicht vorbereitet erschienen, hieß es.

Seidel warb um die Teilnahme der Firmen an den sachsenweiten Unternehmensschnuppertagen "Schau rein" für die Schüler. Lehmann versprach, die Markranstädter Firmen anzuschreiben und auf diese Möglichkeit der Kontaktnahme zum Nachwuchs hinzuweisen. Am Ende kamen alle überein, sich zur Unternehmermesse im Herbst wiederzutreffen und die Fragen erneut zu erörtern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Jörg ter Vehn

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