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Eine steife Brise für die Flügel - Etwa 4000 Besucher kommen am Mühlentag zur Bockwindmühle in Lindennaundorf

Eine steife Brise für die Flügel - Etwa 4000 Besucher kommen am Mühlentag zur Bockwindmühle in Lindennaundorf

Schwindelfrei musste sein, wer sich gestern auf die Bockwindmühle Lindennaundorf wagte. Denn passend zum bundesweiten Mühlentag wehte eine steife Brise, die das Bauwerk in Frankenheim etwas ins Schwanken brachte.

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Tausende Besucher kamen am Sächsischen Mühlentag zur Bockwindmühle nach Lindennaundorf. Jens Schwertfeger und Jörg Frommold (Mitte, hockend) zeigen den Besuchern, was im Hafersack steckt.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Rund 4000 Besucher erklommen die schmale Treppe, um sich das traditionelle Müllerhandwerk erklären zu lassen.

"Die Mühle steht ja sozusagen nur auf einem Fuß und einem Bock, da wird es schon mal wacklig", erklärte Jens Schwertfeger, Vorsitzender des Heimatvereins Frankenheim-Lindennaundorf, welchem die Mühle seit vier Jahren gehört und dessen Mitglieder sie wieder hergerichtet haben. Durch den starken Wind öffneten sich gestern sogar die Jalousien-Flügel, um den überschüssigen Wind durchzulassen. Ließ der Wind nach, schlossen sich diese Flügel wieder mit Hilfe eines Gewichts. Doch trotz der optimalen Bedingungen drehten sich die Flügel im Leerlauf. "Das Kammrad hat einige Risse, deshalb laufen die Maschinen über einen Motor", so Schwertfeger weiter.

In der Mühle selbst führte Ralf Buttig vom Heimatverein die Besucher herum - und hatte seine Freude besonders an den Kindern. Wer hier nicht brav war, erlebte - zumindest als Erzählung - das Schicksal von Max und Moritz. Wie bekannt, fielen die beiden Lausbuben in den Trichter der Mühle und kamen als geschrotete Körner wieder raus. "Sehr zur Freude der Hühner", wie Buttig betonte. Zwar mussten die Besucher auf die Hühner verzichten, der Mahlstein funktionierte hingegen reibungslos. Mit dieser Methode wurde einst Getreide zu Tierfutter geschrotet.

Eine zweite Produktionsstrecke in der mittlerweile 165 Jahre alten Bockwindmühle hatte der Heimatverein selbst hergerichtet. Bei dieser wird das Getreide in eine Quetsche gefüllt und von dort zum Walzenstuhl transportiert, in dem das Getreide geschnitten und zerrissen wird. Über den Elevator, ein Förderband mit Schaufeln, der wie ein Paternoster funktioniert, gelangt der Schrot dann zu mehreren Sieben, die Mehl, Kleie und Schrot voneinander trennen. "Es ist wirklich beeindruckend, mit wie viel Engagement der Verein die Mühle wieder aufgebaut hat", sagte Annett Schuster aus Kulkwitz, die sich noch gut daran erinnern kann, wie sie einst ausgesehen hat. "Das war ein Trauerspiel."

Um den Besuchern auch anderes Handwerk zu zeigen, gab es rund um die Mühle unter anderem einen Dachdeckerwettbewerb, Holzspielzeug, selbst geimkerten Honig, Töpferei-Waren und einen Kräuterverkauf. "Uns ist wichtig, das zu zeigen, was noch selbst per Hand hergestellt wird und wozu die Menschen noch Geschichten erzählen können", betonte Schwertfeger. Und genau das war es auch, was die Besucher anzog. "Es ist großartig, dass man beim traditionellen Handwerk zugucken kann", begründete Stefan Bürger. Und wer mehr als das wollte, konnte sich als Andenken an den Tag ein Holztablett bauen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.05.2013

Julia Tonne

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