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Markranstädt Empörung über Umnutzungspläne des Kreises fürs Hotel Gutenberg
Region Markranstädt Empörung über Umnutzungspläne des Kreises fürs Hotel Gutenberg
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00:32 12.12.2015
Umnutzung zur Flüchtlingsunterkunft überhaupt möglich? Viele Fragen drehen sich noch um die anstatt des Hotelbetriebs geplante Gemeinschaftsunterkunft. Quelle: Kempner
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Markranstädt

Hohe Wellen schlug am Mittwoch der LVZ-Bericht über Verhandlungen, aus dem beliebten Hotel Gutenberg in Markranstädt eine Flüchtlingsunterkunft zu machen. Das Landratsamt erwägt, dort bis zu 180 Flüchtlinge unterzubringen. Entschieden ist aber noch nichts.

Selbst Bürgermeister Jens Spiske (FWM) meldete sich per Facebook vom Krankenbett: „So geht es nicht, verehrter Landrat!“, polterte er. Er sei aus vielen verschiedenen Gründen gegen die Verwendung des Hotels als Asylunterkunft, zumal die Stadtverwaltung dem Landkreis seit über einem Jahr geeignete Unterbringungsmöglichkeiten aufgezeigt habe. „Ich bin nicht bereit, die Folgen einer verfehlten Asylpolitik, das eklatante Versagen der Verwaltungen der Staatsregierung und die völlige Ignoranz der Bedenken der Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger unkommentiert hinzunehmen“, donnerte der Stadtchef im sozialen Netzwerk unter Freunden. Eine offizielle Stellungnahme von ihm? Fehlanzeige.

Die Linke meinten, dass Markranstädt genügend Wohnungen als Unterkünfte für Asylbewerber gemeldet habe „und es daher nicht notwendig ist, ein gut gehendes Hotel zu schließen, die Angestellten in die Arbeitslosigkeit und seine gastronomischen Dienstleister in die Existenznot zu schicken“, so Ortsverband und Stadtratsfraktion. Die Unterbringung der Asylbewerber sei wichtig, ebenso deren Integration. „Doch ebenso muss die touristische Zukunft der Stadt Beachtung finden, denn in die touristische Infrastruktur sind in den letzten Jahren erhebliche Mittel investiert worden“, erklärten die Linken. Sie verlangten auch vom Bürgermeister persönlich, klar Position für Markranstädt und seine touristische Zukunft zu beziehen.

Rosel Glöckner von der SPD-Fraktion unterstrich, dass ihre Partei eine dezentrale Unterbringung wolle, um so auch eine schnelle und möglichst reibungslose Integration zu ermöglichen. Michael Unverricht (CDU) erklärte, er habe sich einen faireren Umgang bei dem Thema mit der Stadt erhofft. Das Rathaus hätte von den Plänen eher erfahren müssen. „Und ein Hotel zu schließen, das gut geht, ist auch für die Stadt nicht schön“, sagte er. Gleichwohl werde es wohl kaum noch zu verhindern sein. Jetzt müsse es darum gehen, das Beste daraus zu machen.

Wie berichtet, soll Markranstädt laut Schlüssel des Kreises in diesem Jahr 259 Flüchtlinge aufnehmen, hat aber erst 43. Im nächsten Jahre kämen voraussichtlich nochmal so viele Flüchtlinge, so der Sozial-Beigeordnete des Kreises, Thomas Voigt. Er hatte klargestellt, dass die einzelnen Mietangebote aus der Stadt geprüft und verworfen worden sein, weil sie meist zu teuer sind.

Unterdesseen sind Fragen aufgetaucht, ob das Hotel überhaupt als Gemeinschaftsunterkunft geeignet ist. Wie bekannt wurde, lautet die Baugenehmigung auf 90 Betten, hat die Gaststätte 48 Plätze. Wenn jeweils mehr hinein soll, müsste eine Nutzungsänderung beantragt werden. Bei der sind auch etwa Fragen des Brandschutzes, der Rettungswege, nachbarschaftliche Belange und mehr ganz neu aufzurollen. Hinzu kommt, dass das Hotel nach LVZ-Informationen über keine Grundstücksfläche über seine Mauern hinaus verfügt, damit eventuelle Erweiterungsbauten für die neue Nutzung so gut wie ausgeschlossen sind.

Von Jörg ter Vehn

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