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Erfolgsfaktor rohe Natur und harte Arbeit

Erfolgsfaktor rohe Natur und harte Arbeit

Ein alter Bollerofen sorgt im Bauwagen für eine angenehme Wärme. Wenn es regnet, dann zieht sich Matthias Stülpner mit den anderen Jungs hierhin zum Aufwärmen zurück.

Markranstädt. Draußen auf dem alten Lagergelände an der Zwenkauer Straße in Markranstädt pflastern sie Wege, bewegen Erdreich schubkarrenweise über das Gelände. Stülpner fühlt sich hier wohl. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Jahrelang war er heroinabhängig, hat seine Lehre abgebrochen, unterschiedlichste Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erlebt. Jetzt schafft er es regelmäßig morgens aufzustehen und zur Arbeit zu fahren. Er tut es gern, sagt er.

Ein Jahr ist es jetzt her, dass der Verein Richtungswechsel begonnen hat, auf dem ehemals völlig zugewachsenen Gelände mit schwer vermittelbaren Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Und es hat sich seither einiges getan: Die jungen Männer haben die Vegetation zurückgetrieben, hunderte Meter Wege gepflastert, einen Wall als Abgrenzung aufgeschüttet und Zäune gezogen. Selbst ein Volleyballplatz und ein kleines Amphitheater sind mittlerweile entstanden. Diese Fortschritte sind auf dem ehemals als Müllkippe dienenden Grundstück deutlich sichtbar. Weniger offensichtlich, aber nicht weniger ausgeprägt sind die Fortschritte der Jugendlichen, die an dem Projekt beteiligt sind.

Zehn junge Männer arbeiten hier immer gleichzeitig. Drei konnten aus der Gruppe bereits in reguläre Arbeit vermittelt werden, die anderen haben in der vergangenen Woche ihren Gabelstaplerschein gemacht.

„Das ist ein sehr gutes Zeichen für die Entwicklung“, schätzt Sozialpädagogin Carmen Pfeiffer ein. Schließlich finden sich hier fast ausschließlich Jugendliche, die beim Arbeitsamt bisher als nicht beschäftigungsfähig galten. „Wir haben mit einigen so schweren Fällen zu tun, wie ich sie auch in meiner jahrelangen Arbeit in Leipzig nie kennengelernt habe“, bestätigt Vereinsvorsitzender und Jugendarbeiter Andreas Lüer. Drogen, Alkohol, Kriminalität, die Liste der Probleme, die die jungen Leute teils bereits kennengelernt haben, ist lang. „Viele fühlen sich von der Gesellschaft aufgegeben. Unser Ziel ist es, ihnen wieder Hoffnung zu geben, so dass sie sich selbst Ziele setzen.“ Ein Geheimnis des Erfolgs sei der Ort: Kein Strom, kein Wasser, keine Toiletten, stattdessen eine ursprüngliche und rohe Arbeitssituation, damit etwas Neues für die Männer.

Toiletten sollen noch kommen, außerdem soll ein Zugang zum nahen See, eine Mountainbike-Strecke und eine Haustierfarm für die Kita „Am Hoßgraben“ entstehen. Ab dem kommenden Frühjahr soll das Gelände dann offiziell für Jugendcliquen als Freizeitanlage geöffnet werden. Dann sollen sich die einzelnen Gruppen die Bauwagen selbst ausbauen. „Damit wird die Initiative und Kreativität der jungen Menschen gefördert. Es handelt sich um Leute, die eben nicht in den gängigen Jugendzentren zu finden sind“, so Lüer. Er rechnet damit, mit diesem Angebot die jungen Menschen zu erreichen, die sonst an Bushaltestellen, Parkplätzen und anderen öffentliche Orten zu finden sind – zum Verdruss vieler Bürger.

Und Matthias Stülpner? Er sieht vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Sein erstes Ziel, eine eigene Wohnung zu finden, hat er mit Hilfe des Vereins erreicht. Keine Selbstverständlichkeit, findet er. Eine Bürgerin hat ihm ihre alte Einrichtung gespendet. Ein guter Anfang. Jetzt denkt er über eine Ausbildung nach – einen Pflegeberuf kann er sich gut vorstellen.

Kerstin Leppich

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