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Fischdosen statt Apsis

Fischdosen statt Apsis

Der Boden ist kahl, die Arbeit ist getan. Große ordentlich ausgehobene Löcher, aus denen mit weiß-rotem Klebeband gekennzeichnete Findlinge hervorragen, zeugen von den archäologischen Ausgrabungen in der Kulkwitzer Kirche, die hier Fachleute aus Dresden, Helfer aus der Dorfgemeinschaft und Schüler des Gymnasiums Markranstädt gemeinsam geleistet haben.

Markranstädt. „Ein erfolgreiches Projekt“, sind sich Grabungsleiterin Eva Lorenz, Pfarrer Michael Zemmrich und Geschichtslehrer Frank Heineke einig. Nicht nur weil hier ganz unterschiedliche Personen zusammengearbeitet haben. Auch die Ergebnisse sind durchaus interessant. Zwar beschränken sich die Funde von antiken Einzelstücken auf eine überschaubare Zahl: Dazu gehören einige Münzen – die älteste stammt aus dem Jahr 1864 –, und einige Schmuckstücken, die noch nicht genau datiert werden konnten. Gleiches gilt für eine ganze Zahl von Keramikscherben, die aber wohl aus dem Mittelalter stammen, so Lorenz. Doch vor allem in architektonischer Hinsicht waren die Grabungen aufschlussreich.

So konnten die Grundmauern des Vorgängerbaus der kleinen Dorfkirche freigelegt werden. „Genau das war auch das Ziel“, sagt Marc Pothmann, der sich als Architekt eigentlich um die Restaurierung des Sakralbaus kümmert und der die Idee zu dem generationenübergreifenden Grabungsprojekt hatte.

„Der Vorgängerbau war etwa sechs mal sechs Meter groß und stammt aus der Zeit um 1100“, so Pothmann. 40 Menschen hätten hier gut Platz gefunden, viel für ein kleines Dorf, erklärt Geschichtslehrer Heineke. „Das zeigt, dass sich die Christen damals in dieser Gegend schon gut etabliert hatten. Denn die Christianisierung ging in unserer Region überhaupt erst im neunten Jahrhundert los“, so Heineke. Unterstrichen wird das auch durch die Bauart der Kirche. Diese wurde nicht aus Holz, sondern aus Stein errichtet. „Fast einen Meter dick waren die alten Mauern, in denen auch Findlinge verarbeitet waren“, berichtet Lorenz.

Bereits in den 1970er Jahren waren Grabungen durchgeführt worden, doch konnte jetzt erstmals auch in der Apsis gearbeitet werden. Die Hoffnung: Auch beim Vorgängerbau eine Apsis nachweisen zu können. „Das wäre eine kleine Sensation, weil es das bei Bauten aus dieser frühen Zeit sehr selten gab“, erklärt Pothmann. Die blieb zwar aus, allerdings brachten die Grabungen zwei Bestattungsstellen in der Mitte der Kirche zum Vorschein. Erkennbar sind sie daran, dass der Boden dort dunkler gefärbt ist als im übrigen Raum.

„Wer dort liegt, kann nur gemutmaßt werden. Möglich wären reiche Bauern, Gutsherren oder auch Priester“, sagt Pothmann. Die Gräber sollen nicht geöffnet werden. „Sie sind in der Erde am besten konserviert und können auch noch weitere 500 Jahre im gleichen Zustand bleiben, was nach einer Grabung nicht mehr gewährleistet werden kann.“

Und noch einen zwar nicht antiken, aber doch kuriosen Fund gab es: „Wir sind auf Unmengen von Fischdosen gestoßen“, sagt Patrick Meißner. Er gehört zum Vortrupp, bestehend aus freiwilligen Jugendlichen und Männern des Dorfes, die von Ortsvorsteher Dieter Trotz um Hilfe gebeten worden waren und den obersten Betonboden herausgestemmt hatten. „Die Arbeiter, die den Boden vor 40 Jahren verlegt hatten, haben sich anscheinend ziemlich einseitig ernährt und den Müll gleich da gelassen“, vermutet Meißner.

Die Arbeit in dem Sakralbau hätte viele Erinnerungen vor allem bei den älteren Helfern geweckt, die von Konfirmationen, Hochzeiten in der Kirche und Kindheiterinnerungen erzählt hätten, so Meißner. „Dass schöne an so einem Projekt ist nicht nur die Gemeinschaftaktion, sondern dass man so auch wieder die Kirche ins Dorf holen kann“, sagt Pfarrer Zemmrich zufrieden.

Wer Interesse an den Ausgrabungen in der Kulkwitzer Kirche hat, kann beim Tag der offenen Tür am 13. Mai in der Zeit von 16 bis 19.30 Uhr einen Blick hineinwagen. Bis dahin bleibt die Kirche im Grabungszustand. Der neue Boden wird erst danach eingezogen. Pfarrer Zemmrich rechnet damit, spätestens Ende des Jahres auch wieder Gottesdienste in der Kulkwitzer Kirche feiern zu könnten.

Kerstin Leppich

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