Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markranstädt Fragen ums Kaiserliche Postamt sind für Bürgermeister Geschäftsgeheimnis
Region Markranstädt Fragen ums Kaiserliche Postamt sind für Bürgermeister Geschäftsgeheimnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 19.05.2015
Stadtbildprägend ist das ehemalige Kaiserliche Postamt nahe dem Bahnhof von Markranstädt. Der Bau soll angeblich im Dezember bezugsfertig sein. Quelle: André Kempner

Zum Jahresende soll der Imagebau der städtischen Tochterfirma bezugsfertig sein. Es gibt berechtigte Zweifel daran - doch die Stadt und ihre Firma wollen sich dazu nicht äußern, schweigen zu allen Fragen.

Gleich mehrere Gebäude nacheinander, die zusammen einen städtebaulich wichtigen Komplex bilden, saniert die MBWV. Eisenbahnstraße Nummer 15 ist sichtbar bald fertig, im Sommer sollen die acht Wohnungen bezugsfertig sein.Zwei seien schon vermietet, vier reserviert, verkündet die MBWV auf ihrer Homepage.

Die Hausnummern 16 bis 18, die die Ecke bilden, machen sichtbar mehr Arbeit. Das Dach des 1899 errichteten Bauwerks ist inzwischen ab, die Zwischendecken sind verschwunden, im hohlen Körper werden Zwischenwände neu gezogen, Wohnungen geschaffen. 15 sollen es sein, darunter drei Penthousewohnungen, so das Unternehmen auf seiner Internetpräsenz. Bezugsfertig würden diese Weihnachten 2015. Aber diese Woche waren Arbeiter in einem der Häuser noch mit dem Entkernen beschäftigt, was den Beginn einer Sanierung darstellt.

Auf ihrer Homepage verkündete die MBWV, dass es sich beim Bau als "wahre Herausforderung" dargestellt habe, die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen, zugleich die Kosten dafür nicht ausufern zu lassen. Etwa 4,5 Millionen Euro werde die Kernsanierung kosten, hatte MBWV-Geschäftsführer Frank Sparschuh Ende 2013 vor Baubeginn verkündet. Im Stadtrat sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Volker Kirschner vor Monaten als einziges, dass der Bau wohl um rund 300 000 Euro teurer werde, die MBWV aber zuversichtlich sei, die Summe im Bauverlauf wieder reinzuholen.

Bauablauf, Denkmalschutz, Kosten - genügend Fragen, denen die Stadt seit Wochen jedoch ausweicht. Sparschuh antwortete auf LVZ-Anfrage, dass er seine "Gremien" umfangreich und zeitnah informiere. Nur dazu sei er verpflichtet. Außerdem gebe es die Internetseite.

Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler Markranstädt), als Stadtoberhaupt zugleich Herr über die hundertprozentige kommunale Tochterfirma, verweist gar auf das Geschäftsgeheimnis: Die Geschäftsführung äußere sich vor allem deshalb nicht, "weil die MBWV mbH als marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen am heißumkämpften Immobilienmarkt bestehen muss", meint er. "Dazu ist ein sorgsamer Umgang mit Daten aus dem laufenden Geschäftsbetrieb notwendig, um die Prosperität der MBWV nicht zu gefährden." Daher gebe es keine Antworten. "Ich teile diese Auffassung", teilte Spiske mit.

Der 50-jährige Bundeswehr-Arzt ist erst seit Herbst 2013 Bürgermeister. Im heftig geführten Wahlkampf hatte er immer wieder "Transparenz" gefordert, seiner Amtsvorgängerin gar vorgeworfen, Einfluss auf die Meinungs- und Pressefreiheit zu nehmen.

Heute sieht er das anders, antwortet auf Fragen zur Transparenz: "Ihr expliziter Hinweis auf die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit findet dort seine Grenzen, wo Informationen die Konkurrenzfähigkeit am Markt gegebenenfalls negativ beeinflussen können." Das gelte für alle Firmen, auch die, die sich in kommunaler Hand befinden, meint er.

Er irrt. Behörden sind laut Pressegesetz zur Auskunft verpflichtet, städtische Firmen laut Rechtsprechung meist auch. Im Übrigen sind die Fragen um den Bau in der Eisenbahnstraße für jedermann sichtbar. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.03.2015
Jörg ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ab dem Sommer soll der Kulkwitzer See auf der Markranstädter Seite einen Einstieg speziell für Behinderte haben. Nur mit dem Auto dahin kommen, können sie bislang nicht.

19.05.2015

Die Sanierung der Ortsdurchfahrt von Albersdorf, der Kreisstraße 7960, verzögert sich weiter. Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler Markranstädt) griff beim Technischen Ausschuss am Montagabend dafür die Landesdirektion Sachsen an.

19.05.2015

Weitgereiste Gäste sind seit dem Wochenende wieder in Markranstädt zu Gast: 21 Schüler des "Colegio Alemán Humboldt", der Deutschen Schule aus Guayaquil in Ecuador, verbringen drei Wochen in der Stadt am See.

19.05.2015
Anzeige