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Markranstädt Fünf Stolpersteine gegen das Vergessen
Region Markranstädt Fünf Stolpersteine gegen das Vergessen
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23:59 05.05.2014

Vor der Leipziger Straße 13 sollen sie an die Gräuel der Naziherrschaft erinnern. In dem Haus hatte die fünfköpfige jüdische Familie Mielziner ihren letzten frei gewählten Wohnsitz. Weitere Stolpersteine für Markranstädt sollen folgen, kündigte das Rathaus an

Gut zwei Dutzend Markranstädter, darunter Schüler einer neunten Klasse des Gymnasiums, nahmen an der kleine Zeremonie mit Künstler Gunter Demnig teil. Der hatte für sein Kunstprojekt am Wochenende erst elf neue Stolpersteine in Leipzig hinzugefügt. 95 Prozent aller Gedenksteine habe er selber verlegt, erzählte er, "und die ersten in einer Kommune baue ich sowieso selber ein", sagte er.

"Hier wohnte Bruno Mielziner, Jg. 1879, deportiert 1942, Belzec, ermordet", steht nüchtern auf dem ersten Pflasterstein mit Messingkopf, den Demnig fein säuberlich mit Kelle und Mörtel auf dem Fußweg verbaute. Jeder Stein danach trägt andere Vornamen und Daten, vier der fünf Mielziners ereilte aber das gleiche Schicksal.

Die Steine holten "die Menschen, ob Kinder, Mütter, Väter oder Nachbarn, wieder zurück in unser Bewusstsein, mitten in unser alltägliches Leben, wo sie auch hingehören", erklärte Bürger meister Jens Spiske (Freie Wähler Markranstädt) das Kunstprojekt.

In seiner Rede stellte er die Familie vor. Wenn er heute, knapp 70 Jahre nach Kriegsende, entsprechende Zeitdokumente lese, mache ihn das nicht nur betroffen, sondern auch traurig und wütend, gestand Spiske. "Wie konnten aus guten Nachbarn durch Propaganda, Hetze und Lüge plötzlich "Untermenschen" werden, die es zu vernichten galt?", fragte er. "Die damaligen Ereignisse sollen uns ermahnen - Wider das Vergessen, gegen Rassismus, Intolerenanz und Ausgrenzung.".

Das Nazigedankengut sterbe nicht aus, wie aktuell im Vorfeld der Wahlen anhand einiger Plakate zu erkennen sei. Aber: "Wir haben eine moralische 'Erbschuld' zu tragen, eine moralische Verpflichtung aus den Erfahrungen der Geschichte von 1933 bis 1945 nicht nur gegenüber allen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, sondern gegenüber allen Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, politischen oder gar sexuellen Ausrichtung diskriminiert, verunglimpft, körperlich attackiert oder gar getötet wurden", schloss Spiske.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2014
Jörg ter Vehn

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