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Grundschulanbau in Markranstädt wird 43 Prozent teurer als geplant

Bürgermeister will „lückenlos aufklären“ Grundschulanbau in Markranstädt wird 43 Prozent teurer als geplant

Groß war die Freude, als der Anbau der Grundschule im August in Betrieb ging. Böse ist das Erwachen inzwischen: Der Bau kostete statt 950 000 Euro inzwischen 1 371 000 – alles in allem 43 Prozent mehr.

Ganz schön (teuer): 43 Prozent Mehrkosten entstanden beim Anbau der Grundschule Markranstädt. Ob jemand Schuld daran hat, will Bürgermeister Jens Spiske nun klären.

Quelle: Kempner

Markranstädt. Groß war die Freude, als der Anbau der Grundschule im August in Betrieb ging. Böse ist das Erwachen inzwischen: Der Bau kostete statt 950 000 Euro inzwischen 1 371 000 – alles in allem 43 Prozent mehr. Und ob das alles ist, konnte Bürgermeister Jens Spiske (FWM) im Stadtrat nicht versprechen. Er versprach eine „lückenlose Aufklärung“.

Nachdem die Erste Beigeordnete Beate Lehmann den Stadtrat Anfang Dezember über 200 000 Euro Mehrkosten vorgewarnt hatte, kam dazu nun die Präzisierung: 160 000 Euro sollten die Räte als überplanmäßige Auszahlung für die Erweiterung anweisen. 146 000 davon hatte das mit der Bauüberwachung beauftragte Architekturbüro Näther aus Markranstädt tabellarisch aufgelistet, der Rest dient als Reserve bei einer möglichen korrigierten Schlussrechnung.

Spiske äußerte sich wie die Mehrzahl der Räte klar dafür, die Mehrausgabe zu beschließen. Schließlich hätten die Handwerkerfirmen nur die bestellten Leistungen ordnungsgemäß erbracht. Anders sehe es aus bei der Bauüberwachung, der Kostenüberwachung und der Planung. Die Verwaltung verschaffe sich gerade Klarheit, ob da etwas nicht korrekt gelaufen sei, so Spiske. Das sei allerdings nicht ganz einfach. Vier Aktenordner umfassten die Papiere bereits. Er werde ein Anwaltsbüro mit der Prüfung beauftragen, gegebenenfalls arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen oder Schadenersatz fordern, kündigte er eine „lückenlose Aufklärung“ an.

Für die CDU beantragte Jens Schwertfeger, den Fall dem Rechnungsprüfungsamt des Kreises vorzulegen. Die Kommunalaufsicht prüfe ohnehin, so Spiske. Grund: Die Stadträte Matthias Prautzsch und Mike Schärschmidt (beide CDU) hatten gegen die Erste Beigeordnete Beate Lehmann Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt.

Die Mehrkostenforderung jetzt ist der dritte Nachschlag des mit der Kosten- und Bauüberwachung beauftragten Büros Näther. Monika Rau (parteilos) konnte sich denn auch wie viele Räte die ganzen Zusatzleistungen nicht erklären. „Wir haben ja auch ein Bauamt. Da müsste das doch auch kontrolliert werden“, sagte sie. „Nicht nachvollziehbar“ sei, dass dort zu viel gebaut worden sei, kritisierte auch Winfried Busch (SPD).

So werden unter anderem 44 000 Euro extra für Leuchten im Altbau fällig, die brandschutztechnische Ertüchtigung des Altbaus wird mit fast 47 000 Euro veranschlagt, kontaminierter Boden mit 31 000 Euro, für Terrassen/Haustechnik wird der Kostenansatz um 56 500 Euro angehoben. Bis zum Strom für den Baukran (31 000 Euro) reichen die Forderungen.

Es habe den Anschein, als ob die Diskussion Richtung Fehlern beim Architekturbüro ginge, sagte Volker Kirschner (CDU). Er bitte jedoch darum, keine Vorverurteilung vorzunehmen. Näther weile derzeit im Ausland, wolle aber zur Klärung beitragen, sagte Spiske.

Weitere Themen

Ohne weitere Diskussion wurde der Baubeschluss für die Kita „Am Stadtbad“ gefasst. 1,6 Millionen Euro sind geplant, Juni 2017 ist Eröffnung.

Am Parkplatz Oststraße soll anstelle des „Toilettenschlösschens“ Variante „V1c“ gebaut werden: ein barrierefreies WC, ohne Dusche, mit einer Kabine, 2,8 mal 3,7 Meter groß. Mit den Vorkosten sind 153 860 Euro veranschlagt. Der Standort müsse eigentlich an der Behindertenrampe zum See sein, so Schwertfeger, stimmte dennoch „mit blutendem Herzen“ zu. „Wir arbeiten an einer Lösung dort“, so Spiske.

Heiko Küster (Linke) scheidet aus persönlichen Gründen aus dem Stadtrat aus. Hans-Jürgen Berg (Linke) rückt dafür nach.

Die kommunale MBWV prüft bis März/April, ob und wie das Stadtbad zu sanieren ist. Diese Saison sei aber gesichert, bat Stadtchef Spiske die FWM um Geduld bei ihrem Antrag auf Sanierung des Stadtbades. Verlässliche Zahlen dazu seien erst nötig.

Im März sollen Gutachter und Firmen erneut vor Ort beraten, wie das immer noch undichte Sportcenter trocken zu kriegen ist. Es liege wohl nicht nur an den undichten Fensterbändern, so Spiske. Jetzt kommt auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach ins Visier der Prüfer.

Von Jörg ter Vehn

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