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Markranstädt Gut erhaltenes romanisches Gemälde in Kirche Kulkwitz entdeckt
Region Markranstädt Gut erhaltenes romanisches Gemälde in Kirche Kulkwitz entdeckt
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00:30 06.12.2015
Kleinod: Die Kulkwitzer Kirche entstand im 12. Jahrhundert. Quelle: André Kempner
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Markranstädt

Die kleine romanische Kirche in Kulkwitz birgt offenbar einen kulturhistorischen Schatz. Bei der Restaurierung der Apsis wurden Malereien vermutlich aus der Zeit von 1200 bis 1250 freigelegt. Nach Einschätzung der Abteilung Restaurierung des Landeamtes für Denkmalpflege gehören sie mit „zum qualitätsvollsten und ältesten Bestand im heutigen Freistaat Sachsen“.

Die 60 Besucher des Adventsliedersingens am Mittwochabend waren die ersten aus der Gemeinde und dem Ort, die die erst in Teilen freigelegte Wandmalerei bestaunen konnten. Es handele sich dabei um eine besonders gut erhaltene Fassung einer „Majestas Domini“-Darstellung, so Pfarrer Michael Zemmrich. Das sei ein byzantinisches Bildprogramm, das vom 4. bis 13. Jahrhundert weit verbreitet war in den Kirchen, bislang bekannt war allerdings überwiegend im süddeutschen Raum. „Wer hat veranlasst, dass hier bei uns im slawischen Siedlungsbereich eine solche kostbare Kunst in eine Dorfkirche gemalt wurde?“, fragt sich Zemmrich nun.

Pfarrer Michael Zemmrich vor der Apsis. Quelle: Kempner

Allerdings sei die Abgeschiedenheit des Dorfes womöglich der Grund, dass überhaupt noch Reste der Malerei gefunden wurden. Dass der Chorraum früher komplett bemalt war, sei bekannt gewesen, so der Pfarrer. Nachdem der Kirchenvorstand entschieden habe, die sparsame Renaissance-Ausmalung zu restaurieren und die Kirche weitgehend in schlichtem Weiß zu halten, seien beim Abwaschen der Farbschichten romanische Reste wie ein Zackenfries zutage getreten.

Restaurator Uwe Härtig habe danach gezielt gesucht, immer mehr des byzantinischen Bildnisses entdeckt. Dies zeige Jesus in der Mitte auf einer Art Thron oder Stuhl sitzend, umgeben von vier Evangelisten. „Wahrscheinlich ist, dass es hier nicht vier Männer sind“, meint Zemmrich mit Blick auf das offenbar ungewöhnliche Bild. Sollte es sich bestätigen, dass tatsächlich eine oder zwei Frauen dargestellt sind, wäre dies noch das Ausrufezeichen hinter der Fund. Auch Torsten Nimoth vom Landesamt meint, dort eine weibliche Figur entdeckt zu haben, bemängelt aber bisher fehlende eindeutige Attribute oder deutbare Inschriften.

Kleinod: Die Kulkwitzer Kirche entstand im 12. Jahrhundert Quelle: A. Kempner

Obwohl aus Finanzgründen erst Teile des Bildes freigelegt sind, sei jetzt schon klar, dass es außerordentlich gut erhalten sei, so Zemmrich. „Die Störungen sind so gering, dass sehr viel zu erkennen sein wird.“ Der Kirchenvorstand habe sich daher entschieden, das gesamte Bild freizulegen, im nächste Jahr Geld dafür zu sammeln. Rund 24 000 Euro würden laut Kostenschätzung für die Freilegung noch benötigt, so der Pfarrer.

Für ihn ist jetzt erstmal wichtig, die Sanierung des Kirchenschiffes im nächsten Jahr fertig zu stellen. Einige Maurer- und Putzarbeiten stünden noch an, die Decke werde mit Leisten eine Art Kassettenoptik erhalten, das ganze Holz in einem durchsichtigen Weißton lasiert. Dank einer großen Einzelspende eines Gönners mit Wurzeln nach Kulkwitz sei es in diesem Jahr auch gelungen, die hölzerne Empore weitgehend zu erneuern. Noch vor Weihnachten werde auch eine neue kleine Orgel eintreffen.

Insgesamt erblüht die kleine Kirche aus dem 12. Jahrhundert gerade. Und wenn das Kirchenschiff fertig und das romanische Bildnis restauriert ist, erhofft sich Zemmrich auch noch mehr Besucher. Allerdings sei es jetzt schon so, dass Anfragen für weitere Veranstaltungen kämen, nachdem Leute das erste Mal in der kleinen Kirche waren, sagt er. Es sei eben ein ganz besonderer Ort.

Von Jörg ter Vehn

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