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Im St. Martin Lädchen gibt es gute Sachen für wenig Geld

Neues Sozialkaufhaus Im St. Martin Lädchen gibt es gute Sachen für wenig Geld

Wirtschaftlich Bedürftige wie Hartz-IV-Empfänger, aber auch Mitbürger mit wenig Einkommen, die durch das Raster des Sozialstaats rutschen, können seit Dienstag im St. Martin Lädchen preiswert Kleidung und Hausrat erwerben.

„Bedenkenswert, dass der Sozialstaat auf solche Hilfe angewiesen ist“: Bürgermeister Jens Spiske (links) dankt den Akteuren, die zum Gelingen des St. Martin Lädchens beigetragen haben.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markranstädt. Wirtschaftlich Bedürftige wie Hartz-IV-Empfänger, aber auch Mitbürger mit wenig Einkommen, die durch das Raster des Sozialstaats rutschen, können seit Dienstag im St. Martin Lädchen preiswert Kleidung und Hausrat erwerben. Möglich machen dies die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Markranstädter Land, die Stadtverwaltung, rund zwei Dutzend ehrenamtliche Helfer und viele Spender.

Pfarrer Michael Zemmrich dankte den fast zwei Dutzend Aktiven am Montagabend bei einer kleinen Feierstunde, erinnerte an die mitunter abenteuerliche Entstehung des Lädchens. Ja, er habe auch zu lange darauf vertraut, dass der Sozialstaat die steigende Armut schon verwalten werde, entschuldigte er das späte Entstehen des Angebotes. Beim Runden Tisch Asyl sei die Idee geboren worden, auch einheimischen Bedürftigen mehr Hilfe zuteil werden zu lassen, erläuterte er. Denn für manche komme die Aufnahme der Asylbewerber einem erhöhten Aufmerksamkeitsentzug gleich.

„Das St. Martin Lädchen wird das nicht alles richten können, aber vielleicht etwas helfen“, meinte Zemmrich. In ihm werde die gute christlichen Tradition des Teilens gelebt. Bekanntlich war Martin ein römischer Offizier, der 334 nach Christus seinen Mantel mit einem Armen teilte. Martin wurde später Bischof.

Mäntel, Anzüge, Hosen, T-Shirts, Blusen, Kleider, Schuhe, Bettwäsche, Handtücher, Taschen, Spielsachen und mehr spendeten die Markranstädter in den vergangenen Wochen gleich säckeweise. Ein Team des Ladens um Claudia Uhlmann-Zemmrich sortierte die Sachen aus, gab einiges auch zurück, später manches auch in die Altkleidercontainer. Ziel sei es gewesen, im Lädchen eine durchweg gute Qualität der Waren anbieten zu können, erzählte sie. So finden sich unter den Kleidungsstücken neben einigen Neusachen auch viele Markenartikel, auf jeden Fall aber keine löchrigen oder fleckigen abgelegten Teile.

Zwischen wenigen Cent für Kinderwäsche bis zu fünf Euro für einen Anzug oder fast neuwertige hochwertige Wanderschuhe liegen die Preise im Lädchen. Das arbeitet nicht gewinnorientiert, muss sich aber dennoch an Regeln halten. Wie berichtet, müssen wegen des Finanzamtes rund zwei Drittel der Sachen an wirtschaftlich Befürftige mit entsprechenden Bescheiden abgegeben werden. Ein Drittel könne frei verkauft werden, so Pfarrer Zemmrich. Wie das im Detail gehe, werde sich in den nächsten Wochen einspielen. Geöffnet sei im Markt 11 dienstags von 9 bis 12 und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Zwölf Ehrenamtliche würden im Laden Dienst versehen, auch Kleiderspenden entgegennehmen.

Bürgermeister Jens Spiske (FWM) dankte den vielen Helfern, erinnerte auch an das Angebot der Tafel im Weißbachhaus. Es sei bedenkenswert, dass der Sozialstaat auf solche Hilfen angewiesen sei, „das sollte er selber leisten können“, sagte Spiske. Bewusst sei mit dem Standort des Lädchens – die Stadt verlange nur eine symbolische Miete dafür – das Thema mitten in die Stadt geholt worden. Spiske: „Ich hoffe, dass das Angebot irgendwann nicht mehr nötig ist.“

Von Jörg ter Vehn

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