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Markranstädt Jahrgangsbester will jetzt auf die Walz
Region Markranstädt Jahrgangsbester will jetzt auf die Walz
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08:02 27.02.2019
Jahrgangsbester: Domenic Roelke hat in der Zimmerei Kitze in Großlehna ausgelernt, will nun auf die Walz gehen. Quelle: Fotos: Andre Kempner
Markranstädt

Feierstimmung in der Markranstädter Zimmerei Andreas Kitze. Aus dem in der Ortschaft Großlehna ansässigen Handwerksbetrieb ist der beste Lehrling seiner Zunft im Kammerbezirk Leipzig hervorgegangen. Domenic Roelcke heißt der junge Zimmerer, der jetzt im Rahmen eines feierlichen Aktes der Handwerkskammer zu Leipzig seinen Gesellenbrief erhielt und zugleich als Jahrgangsbester ausgezeichnet wurde.

Dabei hatten Roelckes erste Schritte ins Berufsleben so gar nichts mit dem Handwerk gemein. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Kassel hatte er sich an der Universität Leipzig für ein Chemie-Studium eingeschrieben. „Nach dem zweiten Semester habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist“, bekennt der 23-Jährige. Auf der Suche nach neuen Perspektiven habe er sich an die schönen Tage seiner Kindheit erinnert, erzählt er. „Ich habe Baumhäuser gebaut und auch sonst viel mit Holz gemacht.“ Also bewarb er sich bei Zimmereibetrieben um einen Ausbildungsplatz. Auf 15 Bewerbungen erhielt er ganze zwei Antworten. Eine davon kam aus Großlehna.

Die Besten erwischt

„Ich habe mich mit ihm unterhalten und ihn zur Probearbeit eingeladen“, erinnert sich Andreas Kitze. Ein Glücksfall, wie er sagt, denn der Neue hat ihn überzeugt. Auch Roelcke fühlte sich sofort wohl. „Das Team hat mich richtig gut aufgenommen und es hat mir hier von der ersten Stunde an Spaß gemacht“, blickt er zurück. Aber er denkt in diesem Moment auch an seine Lehrmeister im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Borsdorf. „Es sind viele Faktoren, die da zusammenspielen und eine Ausbildung kann nur so gut sein wie die Ausbilder.“ Er habe die Besten erwischt, da sei er sich sicher, meint Roelcke. Das belegt nicht zuletzt sein Zeugnis, das ihm 97 Prozent in der Praxis und 86 Prozent in der Theorie bescheinigt. Jahrgangsbester unter den Zimmerern.

In die Freude, die im Großlehnaer Handwerksbetrieb herrscht, mischt sich aber auch ein wenig Trauer. Der frischgebackene Geselle hat sein Bündel geschnürt und verlässt das Unternehmen ebenso wie seinen derzeitigen Wohnort Leipzig. Roelcke geht auf Walz. „Ich verstehe das“, gibt Kitze zu. „Entweder macht er das jetzt oder nie. Wenn er hier erst mal Wurzeln geschlagen hat, ist die Chance vorbei.“ Fast scheint es, als würde Kitze seinen ehemaligen Lehrling darum beneiden. „Ich hatte diese Chance nie. Auf Walz zu gehen war zu DDR-Zeiten verboten.“ Aber er kennt dennoch die Regeln und gibt dem jungen Mann wichtige Tipps mit auf den Weg. Wer auf Walz geht, darf keine ehelichen Verpflichtungen haben und muss schuldenfrei sein. Er muss sich an eine Gesellschaft wenden, die ihm für die ersten Wochen einen oder zwei Begleiter zur Seite stellt und natürlich muss er sich auch ein Wanderbuch zulegen. Und nicht zu vergessen: „Beim Start musst du über die Grenze deines Heimatortes laufen und dort eine Flasche Schnaps vergraben“, weiß Andreas Kitze.

Welpenschutz jetzt vorbei

Roelcke weiß, dass die Walz eine Herausforderung ist. Da lässt sich oftmals schon der nächste Tag nicht planen. Aber mit seinem Zeugnis, den Empfehlungsschreiben seiner Ausbilder und den erworbenen Fähigkeiten wird er auf seinem Weg offene Türen bei den Bauherren vorfinden. Sie werden ihn als gestandenen Gesellen betrachten. „Als Lehrling genießt du noch eine Art Welpenschutz, das ist jetzt vorbei“, weiß der junge Handwerker, der später mal seinen Meister machen will.

Ob Domenic Roelcke nach drei Jahren und einem Tag, so lange muss die Walz mindestens dauern, wieder nach Großlehna zurückkehren wird, steht in den Sternen. „Unterwegs findet man nicht nur Arbeit, sondern auch die eine oder andere Frau. Er wird sein Glück machen“, ist Kitze überzeugt. Als Chef muss er sowieso immer nach vorne blicken. Unter den neun Mitarbeitern seines Teams befinden sich aktuell zwei Lehrlinge. Gute Jungs, wie der Chef sagt. Sie haben das Zeug, in Domenic Roelckes Fußstapfen zu treten. Beide sind handwerklich begabt, schwindelfrei und haben die richtige Körpergröße. „Da braucht man schon mindestens 1,75 Meter“, lacht Roelcke. „Bei uns hängt alles hoch: In der Berufsschule die Trauben, auf dem Dach die Balken.“

Von Rainer Küster

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