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Kitzener Kleinod wird vor dem Verfall bewahrt

Kitzener Kleinod wird vor dem Verfall bewahrt

Kitzen. Das Inspektorenhaus am früheren Rittergut ist eines der wenigen bedeutenden Kulturdenkmäler Kitzens. Der Bausachverständige und Kitzener Carsten Iwan hat das jahrelang verlotterte Anwesen jetzt erworben, will das Gebäude nach und nach entwickeln.

Iwan glaubt zum Beispiel wieder an bezahlbare Mietwohnungen gerade im ländlichen Raum.

Gestern traf sich Iwan mit Harald Sarfert. Der ist Enkel von Kurt Sarfert, der 1929 auf das Rittergut kam, dort die Kasse und die Bücher führte. Dessen Sohn Johannes Sarfert wuchs in dem Inspektorenhäuschen auf, hat umfangreiche Erinnerungen über seine Kindheit in Kitzen niedergeschrieben. Da ist die Rede von Schlachtefesten, vom gemeinsamen Brotbacken, aber auch von der Mäuse- und Hamsterjagd der Kinder auf dem Gut. Vorhanden sind auch noch etliche Fotos aus dem Kitzen von damals, die Iwan nun erwerben will.

"Denn es sind leider noch keine Bauunterlagen von damals aufgetaucht", sagt der Bausachverständige Iwan. Auf den alten Bildern sei zu erkennen, wie das Haus früher einmal aussah - wichtig auch für die Diskussion mit dem Denkmalschutz.

Denn das zwischen 1900 und 1910 in der späten Gründerzeit entstandene Inspektorenhaus ist mehrfach umgebaut worden. Von 1945 bis etwa 1990 waren dort auch Wohnungen und Verwaltung der LPG beheimatet, entstand etwa ein Heizhaus samt Schornstein.

Das will Iwan nun am liebsten als erstes abreißen, um auch dieser Gebäudefront wieder zu ihrem ursprünglichen Aussehen zu verhelfen. Denn alte Gemäuer zu sanieren, ist Iwans Leidenschaft, wie er zugibt.

1990 habe die Treuhand das Gebäude in ihre Verwaltung übernommen, bis 1999 sei es danach teilvermietet gewesen, erzählt Iwan. Nachdem der letzte Mieter auszog, verkam das Haus. 2002 sei eine alte Baracke im Hof abgebrannt, das Verwalterhäuschen von innen ausgeschlachtet worden. Heizung, Sanitär, Fenster - alles wurde entweder demontiert oder zerstört.

"Unter Kitzener Regie ist hier alles verlottert, aber nach der Eingemeindung hat sich das Bauamt von Pegau der Sache angenommen", freut sich Iwan. Das habe als Makler fungiert, das dreistöckige Gebäude samt 1300 Quadratmeter Grundstück und angebautem Lagerschuppen jetzt zu einem günstigen Preis angeboten.

"Das Dach ist dicht, kein Schwamm im Haus, die Substanz gut" - Iwan bewertet den Kauf als kein großes Risiko. Es sei zudem die vielleicht letzte Chance, das Inspektorenhaus baulich zu retten und damit der Stadt Pegau die Chance einzuräumen, "das Gesamtensemble von Rittergut und angrenzendem Park wiederherzustellen".

Die Grünanlage könne etwa als Theodor-Körner-Park entwickelt werden, ein Denkmal des bekannten Dichters aus Völkerschlachttagen befinde sich bereits dort, erzählt er. Körners Bedeutung für Kitzen sei groß. Der Freiheitskämpfer war 1813 bei Kitzen schwer verletzt worden.

Das Inspektorenhaus könne entweder als landärztliches Betreuungszentrum umgebaut oder wieder zu Wohnzwecken hergerichtet werden. "Wir brauchen bezahlbaren Mietwohnungsraum auf dem Land", hat Iwan als Sachverständiger schon öfter erlebt. Jungen Leuten aus dem Ort, die Zuhause raus wollten, bleibe sonst nur der Weg in die Stadt, ebenso älteren Bewohnern, denen das Haus zu groß wird, die aber lieber in ihrer Heimat bleiben wollten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.04.2014
Jörg ter Vehn

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