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Klärungsbedarf bei Kläranlagen

Klärungsbedarf bei Kläranlagen

Verärgerung und Kompromissbereitschaft hielten sich am Montagabend im 58 Einwohner starken Meyhen die Waage: Während des Vororttermins erklärten Geschäftsführer Andreas Berthold vom Abwasserzweckverband (ZV Wall) und drei Vertreter der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) als Bauträger unterstützt von Markranstädts Bürgermeisterin Carina Radon (CDU), warum statt der von Bürgern favorisierten Kleinkläranlagen noch 2010 eine zentrale Entsorgung entstehen soll.

Markranstädt. Mit der ungeliebten Wahrheit rückte Berthold gleich zu Beginn raus: „Wir haben nicht die Möglichkeit, über die technische Maßnahme demokratisch zu entscheiden“, sagte er und erläuterte, dass laut Abwasserbeseitigungskonzept die wirtschaftlichste Lösung realisiert werden müsse. Das sei auf 25 Jahre für Meyhen die auf 50 Personen ausgelegte Gruppenkläranlage, so Berthold. „Wir wollen aber für uns eine wirtschaftliche Lösung!“, lautete der Tenor der 30 versammelten Anwohner. Diese holten Angebote für die Nachrüstung ihrer etwa 15 Kleinkläranlagen aus der Tasche und demonstrierten Berthold, dass ihnen auf diese Weise gerade mal die Hälfte der Kosten entstehen würde. Dieser sprach von „Einzelfällen“, verwies darauf, dass es für andere wesentlich teurer werde und nannte die Umlage auf Basis der Grundstückszahl als faire Lösung. Radon bekräftigte, dass die Berechnung von einem unabhängigen Ingenieurbüro gemacht worden ist.

Das aktuelle Angebot der KWL sieht vor, dass für jedes der 22 errechneten Grundstücke maximal 5170 Euro zu zahlen sind. Sollte das Ergebnis der öffentlichen Ausschreibung geringer ausfallen, sinkt der Preis. 30 Prozent der Baukosten tragen die Wasserwerke.

Zweiter großer Kritikpunkt war der geplante Standort mitten im Dorf. Das kommunale Grundstück liegt am Anger nur wenige Meter von zwei Häusern entfernt. Deren Bewohner fürchten Geruchsbelästigung wie Grundstücksentwertung, während die KWL-Mitarbeiter versicherten, diese Aspekte seien zu vernachlässigen. Ein anderer Standort am Rande Meyhens zöge höhere Kosten und weitere Planungen nach sich, betonte der Leiter Erschließung Thomas Bohne.

Als schwierig erweist sich in Meyhen die Klärung des Straßenabwassers bei starken Niederschlägen. „Aufgrund der Besonderheit, dass neben dem Schmutz- auch Regenwasser in einer Leitung transportiert wird, ist keine direkte Beschickung der Gruppenkläranlage mit dem anfallenden Abwasser möglich“, sagte KWL-Sprecherin Katja Gläß. Ein vorgeschalteter Regenüberlauf solle das Mischwasser bei Regen bis zu einer bestimmten Stauschwelle speichern und damit die Abgabe ungeklärten Abwassers verhindern. Sei der Füllstand erreicht, wird direkt in den Vorfluter abgeschlagen. Das Wasser weist dann ein hohes Mischungsverhältnis zwischen Regen- und Schmutzwasser auf. „Nach dem Niederschlag wird der Speichervorrat stoßweise der Kläranlage zugeführt“, erklärte sie. Der Überlaufbereich sei günstiger als ein Zwei-Kanal-System, das Regenwasser und Abwasser separiert, so die KWL-Vertreter in Meyhen. Dagegen warfen ihnen die Bewohner Versäumnisse bei der Erschließung vor.

„Mitten im Dorf soll gebaut werden und die Kosten stehen noch nicht fest“, empörte sich Monika Heyn über die Information, die „nicht optimal gelaufen“ sei, wie Bohne einräumte. Zwischenzeitlich loteten Anwohner wie Arnd Steyer mögliche Kompromisse aus, dann nahm die Verärgerung wieder überhand, bis Heyn drohte: „Wir behalten uns rechtliche Schritte vor.“

Damit es nicht so weit kommt, suchen alle nach einer Lösung. Die Bürgermeisterin werde bis morgen einen Alternativstandort untersuchen, der zwar auch in der Dorfmitte, aber nicht vor dem Fenster der Anwohner liegt, teilte Heyn mit. Zudem erhalten die Bürger wie gewünscht Einsicht in die Kalkulation der Wasserwerke. Optionen seien auch ein Gegengutachten oder der Bau einer eigenen Anlage, die den KWL übergeben wird, so Heyn. Ihr zufolge will auch das Unternehmen „den Preis überdenken“.

Kendra Reinhardt

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