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Markranstädt Kontrolle aus der Luft
Region Markranstädt Kontrolle aus der Luft
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18:10 12.09.2011
Abheben zum Kontrollflug: Zweimal im Jahr befliegen die Mitarbeiter der Envia die 110-KV-Trassen in der Region und kontrollieren sie auf Schäden. Quelle: André Kempner
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Sie sind von wesentlicher Bedeutung für die Versorgung von 176 000 Haushalten. Damit diese immer funktioniert, werden die Hochspannungsleitungen regelmäßig kontrolliert. Am besten funktioniert das aus der Luft.

Ein Vibrieren liegt in der Luft, der Lärm schwillt an, dann hebt der Hubschrauber fast unmerklich vom Boden ab. Für Dietmar Kabisch, der vorn neben dem Piloten sitzt, schon lange kein Grund mehr für Nervosität. Der Fachreferent für Hochspannungsleitungen steigt seit 1992 regelmäßig in die Luft, um die Leitungstrassen zu kontrollieren. Kaum hat die Maschine am Umspannwerk Groitzsch den Boden verlassen, ist Kabisch voll auf seinen Job konzentriert. Und für den braucht er gute Augen.

„Da, ein Nest im Mast.“ Direkt über dem Isolator und zwischen 110-KV-Leitungen haben Vögel ihre Küken aufgezogen. Vor allem Saatkrähen nisten gern hier oben. Die Hochspannungsmasten scheinen für die Tiere optimale Brutbedingungen zu bieten. Nicht immer geht von den Nestern eine Gefahr aus. Doch wenn Teile davon herabhängen – manchmal schleppen die Krähen sogar Drahtstücke in die Luft und verbauen sie – und drohen, die Isolatoren zu überbrücken, müssen sie entfernt werden. Und zwar so schnell wie möglich, denn es besteht die Gefahr eines Kurzschlusses. Dann informiert Kabisch die Kollegen auf dem Boden, die meist noch am gleichen Tag ausrücken. „Wir haben auch schon Drachen aus den Leitungen geholt oder sogar Folienzelte“, berichtet Kabisch.

Wenn die Lage weniger akut ist, werden die Befunde zunächst in einem Protokoll eingetragen. Damit Kabisch möglichst wenig entgeht, übernimmt sein Kollege Thomas Schramm auf dem Rücksitz diese Aufgabe.

Die Kommunikation läuft über Kopfhörer und Mikro, zu laut ist es sonst im Hubschrauber, Typ Bell Jet Ranger. Für vier Personen bietet er bequem Platz, geflogen wird er von Reiner Flath. Zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst – bringt er die Mitarbeiter der Envia in die Luft. Meist sitzen die Männer dann eine gute Woche lang jeden Tag rund sieben Stunden in dem Helikopter. Einmal jährlich müssen die Leitungen vollständig beflogen werden. Im Frühjahr werden Winterschäden begutachtet, im Herbst sind vor allem die Trassen an der Reihe, die in der Nähe von Vegetation aufgestellt sind. Schließlich dürfen Bäume nur im Winter verschnitten werden.

„Gefährlich wird es, wenn der Abstand zwischen einem Ast und den Leitungsseilen weniger als zwei Meter beträgt“, sagt Kabisch. Denn je nach Temperatur und Strombelastung hängen die Seile mehr oder weniger durch.

Gerade mal zehn Minuten sind die Männer unterwegs, da haben sie auch schon so eine kritische Stelle erreicht: In Markranstädt ist die Waldschneise zwischen dem Heizkraftwerk Kulkwitz und dem Kulkwitzer See ein Gebiet, das besonders kontrolliert werden muss. „Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Überschlag, es bildet sich eine Art Lichtbogen zwischen Leitung und Bäumen. So kann ein Waldbrand entstehen. Wenn ein Wanderweg in der Nähe ist, dann wären auch Passanten durch die Elektrizität bedroht“, zählt Kabisch die möglichen Folgen auf.

Doch nicht nur Fremdkörper stellen eine Gefahr dar. Auch ausgeblichene Mastbeschilderungen, die für die Sicherheit der Mitarbeiter, die die Anlagen besteigen, wichtig sind, werden festgehalten. Ebenso Beschuss durch Jäger oder Sportschützen und Beschädigungen an den Masten, die von großen Landmaschinen herrühren. Selbst Baustellen dokumentieren die Männer von der Envia. „Denn nicht immer halten sich die Unternehmer an die Auflagen. Wenn statt eines Vier-Meter-Kippers ein Gerät mit Acht-Meter-Ausleger verwendet wird, kann das in Leitungsnähe schnell schief gehen“, so Kabisch.

„Wir können aber auch erkennen, was gestohlen wird. Und das ist alles was nicht niet- und nagelfest ist und beim Schrotthändler Geld bringt. Selbst Stangen aus den Masten sind schon herausgeflext worden“, erklärt Schramm, während der Hubschrauber plötzlich höher steigt.

„Pferde“, erklärt der Pilot. Die scheuen schnell, da muss mehr Abstand gehalten werden. Kein Problem für Kabisch, der schon den nächsten Schaden an einem der Erdseile – sie verlaufen oberhalb der eigentlichen Leitungen und dienen dem Blitzschutz – entdeckt hat und seinem Kollegen diktiert. Nicht immer einfach, bei 15 bis 30 Stundenkilometern die feinen Drähte vor kontrastarmem Hintergrund zu entdecken. „Aber dafür sind wir ja auch zu zweit“, sagt Schramm, macht in seinem Protokoll einen Haken und konzentriert sich wie sein Vordermann wieder auf die Leitungen, während die Neuseenlandschaft an ihnen vorüberzieht.

Kerstin Leppich

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