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Landesdirektion gibt kein Geld für Orgelsanierung

Landesdirektion gibt kein Geld für Orgelsanierung

Markranstädt. In der Quesitzer Kirche sollte mit einer sanierten Orgel wieder mehr Kultur auf dem Land angeboten werden. Jetzt ist der Förderantrag für die Sanierung von der Landesdirektion abgelehnt worden.

Grund: In der Kirche werde zu wenig Kultur geboten. Die Katze beiße sich damit selbst in den Schwanz, findet nicht nur die Kirchgemeinde.

Die Begründung der Ablehnung sei schwer zu verstehen, meint Pfarrer Michael Zemmrich. "Denn wenn die Orgel nicht saniert wird, können wir auch nicht mehr Kultur dort anbieten", erklärt er das Dilemma. Die vermehrte kulturelle Nutzung sei ja erst geplant gewesen, gibt er zu bedenken. "Aus eigener Kraft schaffen wir die Orgel nicht", weiß er. Das Instrument sei auch nicht das erste Projekt an der Kirche. So seien die Glocken mit einem Betrag von 67 000 Euro weitgehend über Spenden restauriert worden.

Wie berichtet, sind für die Orgelsanierung rund 111 000 Euro veranschlagt worden. Stadt und Kirchgemeinde wollten sich angemessen daran beteiligen, der Großteil sollte jedoch über die Kulturraumförderung des Freistaats hereinkommen - die jetzt abgesagt wurde.

Zemmrich: "Jetzt kann es sicher nur noch scheibchenweise weitergehen." Stück für Stück werde im Innern weitergemacht, so wie eben Geld da sei. Die Kirchgemeinde habe gehofft, mit der Orgelsanierung auch mehr Schwung in die Restaurierung des Hauses zu bekommen. Mit der Stadt sei er sich aber einig, gegen den Bescheid der Landesdirektion keinen Widerspruch einzulegen, so der Pfarrer.

Mehr Leute auch in Dresden müssten für das Haus und seine besondere Situation sensibilisiert werden, meint auch Kantor Frank Lehmann. Er bereitet gerade mit dem Tourismusverein eine Wanderung auf dem Orgelweg vor. Neben Miltitz, der Laurentiuskirche in der Stadt und der Wehrkirche Kulkwitz soll dabei auch das Kleinod in Quesitz angelaufen werden.

Das Gotteshauses war bei der Völkerschlacht schwer beschädigt worden, wurde ab 1814 wieder aufgebaut. "Orgel und Innenausbau der Kirche sind seitdem unverändert, gerade daraus ergibt sich die baukulturelle Bedeutung", findet auch die Erste Beigeordnete der Stadt Markranstädt, Beate Lehmann. Überliefert worden ist auch eine spezielle Verbindung des Ortes mit dem russischen Zaren. Im Vorjahr habe Stadthistorikerin Hanna Kämmer dies entdeckt, so Lehmann. Danach fuhr der Zar nach der Völkerschlacht die Via Regia entlang. Sein Wagen habe in Quesitz Schaden genommen. "Er traf auf Pfarrer Zedel auf dem Friedhof Quesitz, der ihn zum Schmied schickte", erzählt Lehmann. Dass es sich um den Zaren handelte, sei dem Pfarrer nicht aufgefallen. Der Schmied habe sich an den Wagen gemacht, "während der Reparatur ist der Zar durch Quesitz gelaufen und hat Geldgeschenke verteilt", erzählt Lehmann.

Davon ist leider nichts mehr übrig. Die Orgel selbst ist derzeit auch nicht mehr spielbar. Erst nach dem Ende des Winters fänden in der Kirche wieder Gottesdienste statt, gespielt werden müsse dabei auf einer elektrischen Orgel, die eigentlich zur Verwendung in der Kulkwitzer Kirche angeschafft worden sei, so Zemmrich.

Die Stadt hofft nun, eine andere Förderung für den Orgelbau zu finden, hat erste Gespräche auch mit Landtagsabgeordneten wie Oliver Fritzsche (CDU) geführt - dem Vernehmen nach bislang ohne greifbares Ergebnis. Gesucht wird auch immer noch nach Details zum damaligen Orgelbauer Carl Beyer aus Großzschocher. Hier ist wieder Hanna Kämmer in der Spur, die bekanntlich immer für spannende Entdeckungen gut ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2014
Jörg ter Vehn

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