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Markranstädt Chappe University: Markkleeberg wird als heißer Kandidat gehandelt
Region Markranstädt Chappe University: Markkleeberg wird als heißer Kandidat gehandelt
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10:08 10.01.2019
Der Chef der Staatskanzlei, Oliver Schenk (CDU), bekräftigt die Unterstützung des Freistaates für die Gründung einer privaten Hochschule im Landkreis Leipzig. Quelle: dpa
Landkreis Leipzig

Die Pläne, im Landkreis Leipzig eine private Hochschule anzusiedeln, sind offenbar konkreter als bisher bekannt. Um den Verlust tausender Industriearbeitsplätze abzufedern und für neue Perspektiven nach der Kohle zu sorgen, setzt sich Sachsen bei der Kohle-Kommission für die Gründung der neuen Forschungsstätte ein. Als heißer Favorit für die Ansiedlung hunderter Studenten wird Markkleeberg gehandelt. Auch einen Namen hat das Kind schon: Chappe University – in Anlehnung an den französischen geistlichen Claude Chappe, der Ende des 18. Jahrhunderts einen optischen Telegrafen erfand und damit als Wegbereiter moderner Nachrichtenübermittlung gilt.

Investitionen in Forschungsstandorte

Revolutionäre Neuerungen, wie sie der Franzose hervorbrachte, sollen künftig bestenfalls auch der neuen privaten Hochschule entspringen. Bereits im Zwischenbericht der Kohle-Kommission wird betont, dass dem Wissenschaftssektor eine zentrale Rolle beim Strukturwandel zukomme. Die Kommission befürworte eine Verstärkung der Forschungsstandorte in den Revieren – insbesondere auch in Mitteldeutschland. Die Innovationskraft des Lausitzer und des Mitteldeutschen Reviers falle gegenüber den westdeutschen Kohleregionen deutlich ab, so die Einschätzung im Zwischenbericht. Vor allem in der privaten Wirtschaft sei das Potenzial, Innovationsprozesse zu initiieren und an Förderprogrammen zu partizipieren, begrenzt. In diesen Regionen sollte daher die vorhandene öffentliche Forschungslandschaft gestärkt, aber auch neue Einrichtungen angesiedelt werden.

Protagonisten der Telekom-Hochschule in Leipzig im Boot

Als Glücksumstand rund um Borna gilt, dass mit der privaten Hochschulinitiative Chappe University bereits ein konkreter Ansatz besteht.

Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) Quelle: André Kempner

Bei den Protagonisten handelt es sich laut Landrat Henry Graichen (CDU) teilweise um Wissenschaftler und Vertreter der Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL), die kürzlich ihre letzten Studenten immatrikuliert hat. Der traditionsreichen Einrichtung – ursprünglich 1953 von der DDR-Post gegründet – versetzte der bundesweit zuständige Wissenschaftsrat vor Jahresfrist einen Tiefschlag.

Die Hochschule, hieß es nach einer Überprüfung, werde wissenschaftlichen Maßstäben nicht gerecht. So wurden Verstöße gegen die Freiheit der Forschung und Lehre, außerdem eine Überlastung der Studiengänge kritisiert. Damit wurde das Ende der Telekom-Nachwuchs-Schmiede in Leipzig besiegelt, deren Pforten nach jetzigem Stand im Jahr 2020 schließen.

Landkreis sucht mit privater Hochschulinitiative potenziellen Standort

Für den Landkreis Leipzig könnte diese Konstellation von Vorteil sein, hofft Kreischef Henry Graichen. Der Landkreis ist den Akteuren gerade behilflich, einen geeigneten Standort zu finden. Auch der Freistaat bekräftigte erst vor wenigen Tagen sein Interesse an der Ansiedlung der Chappe University im Landkreis Leipzig. „Um den Wissens- und Technologietransfer innerhalb des Mitteldeutschen Braunkohlereviers zu verbessern, ist aus der Sicht der Staatsregierung im Kontext des anstehenden Strukturwandels auch eine Stärkung der Hochschul- und Forschungslandschaft erforderlich“, erklärt Oliver Schenk, Chef der Staatskanzlei, auf eine Kleine Anfrage von René Jalaß, Landtagsabgeordneter der Linkspartei. Der Aufbau einer neuen Fakultät „Digitale Transformation“ an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) sei dafür ein erster wichtiger Schritt.

Lehre mit starken internationalen Bezügen

In Ergänzung könne aber auch eine private Universität zur Stärkung der Braunkohleregion beitragen, so die Staatsregierung. Die Chappe University strebe derzeit ihre staatliche Anerkennung an, fügt Oliver Schenk hinzu. Anfänglich sollen Bachelor-Programme in Elektrotechnik, Information und Wirtschaftsinformatik mit starken internationalen Bezügen angeboten werden. Schon jetzt erfahre die Hochschulinitiative eine breite Unterstützung in der Region. Deshalb, so der Staatskanzlei-Chef weiter, habe man die Projektidee auch der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung übermittelt. Auch die Metropolregion Mitteldeutschland unterstütze das Vorhaben nach Kräften.

HTWK sieht eigene Expansionspläne gefährdet

Weniger Begeisterung lösen die Gründungsaktivitäten hingegen in Leipzig aus. Das Onlinemagazin Krautreporter berichtet über Verstimmungen, die es an der HTWK gebe. Rektorin Gesinde Grande habe sich in der Angelegenheit bereits an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt. Durch die Gründung einer neuen Stiftungsfakultät für „Digitale Transformation“ an der HTWK bestehe kein Defizit mehr in diesem Bereich, so die Rektorin. Nachdem sich die Telekom keine eigene Hochschule mehr leistet, stiftet sie 17 Professuren für Digitalisierung an der HTWK. Die Schließung der Telekom-Hochschule wird aus Leipziger Sicht insofern bereits kompensiert – ganz ohne die private Chappe University. Zur Standortfrage hielt sich die Staatsregierung im Übrigen bedeckt: Derzeit sei nicht bekannt, an welchem Standort die Initiative eine Hochschule errichten will.

Von Simone Prenzel

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